Orgasmus

Höhepunkt sexueller Erregung (von griech. "orgön" = schwellen), beim Mann fast immer mit dem Ejakulation (Samenerguß) verbunden, bei der Frau mit einer starken Verengung im Scheidenbereich. Beim Orgasmus, der nur Sekunden dauert, laufen komplexe Reaktionen im Gesamtorganismus (Psyche und Körper) ab, wie etwa Muskelkontraktionen, Blutansammlungen im Genitalbereich, Anstieg der Herz- und Atemfrequenz u.a.
Das persönliche Empfinden beim Orgasmus ist von vielen Faktoren abhängig: von der momentanen Stimmung, dem Verhältnis zum Partner, der sexuellen Grundhaltung u.v.a. Auch die Reaktionen sind unterschiedlich: Manche geraten in Ekstase, in eine Art Trance, oder empfinden den Orgasmus still.


Bei Männern fällt die sexuelle Erregungskurve nach dem Orgasmus steil ab. In aller Regel sind sie erst nach etwa 20 Minuten für neue Stimulationen bereit. Bei Frauen dagegen sind bei weiterer Stimulation Mehrfachorgasmen möglich.Beim Mann tritt nach Orgasmus und Samenerguß zunächst eine sogenannte Phase der "Rückbildung" von Spannung ein, in der er altersabhängig für kürzere oder längere Zeit sexuell zunächst nicht erregbar ist.

Die Intensität des Orgasmus ist von Person zu Person unterschiedlich, und ebenso ist bei derselben Person der Orgasmus nicht immer gleich befriedigend, sondern hängt von vielen Faktoren ab: Erregung, Partner/in, vorherige Enthaltsamkeit, Dauer der sexuellen Betätigung, Streß, Gesundheitszustand, Müdigkeit, Alkohol usw. Ebenso verschieden sind die Reaktionen beim Orgasmus. Einige schreien, stöhnen, wimmern, andere sind eher still und äußerlich fast fast unbeteiligt. Auch Reaktionen des Kicherns oder Weinkrämpfe beim Orgasmus sind bekannt. Bei einigen kommt es zu starken Körperzuckungen, Reaktionen des Festklammerns, Kneifen oder Beißen des Partners oder der Partnerin.


Eine uralte sexuelle Legende ist der Glaube, dass beide Partner zur selben Zeit einen Höhepunkt erleben müssen. Manche Pärchen halten nur dies für einen "richtigen" Orgasmus und ein Zeichen dafür, dass man sexuell auch zueinander paßt. Sie bemühen sich darum, möglichst gleichzeitig "zu kommen", um das Ideal der "Verschmelzung miteinander", des "Ineinander-Aufgehens" zu erreichen. Ihre Bemühungen sind manchmal von Erfolg gekrönt. Tatsächlich ist es jedoch keinesfalls als Mißerfolg zu bewerten, wenn nur ein Partner einen Orgasmus hat, oder wenn der Höhepunkt des einen sehr viel später liegt als der des andern, sondern dies ist eher der Normalfall. Die unterschiedlichen männlichen und weiblichen Reaktionsweisen, die Nichtübereinstimmung von Rhythmus und Verlauf der Erregungskurve bei Mann und Frau sind normale und biologisch ganz natürliche Gegebenheiten (siehe unten: Die 4 Phasen der Erregung). Viele Orgasmus-Störungen kommen deshalb zustande, weil der Mann oder die Frau sich zu stark darauf konzentrieren, den Orgasmus bewußt herbeizuführen und dabei die sehr angenehmen Empfindungen durch den engen Körperkontakt vernachlässigt.

Die Masters & Johnson-Studie

Nähere wissenschaftliche Informationen über den Orgasmus, insbesondere über die im Körper im einzelnen ablaufenden biologischen Prozesse, stehen seit der berühmten Studie von Masters & Johnson zur Verfügung (veröffentlicht 1966: Die sexuelle Reaktion). Der amerikanische Gynäkologe William Howell Masters und seine Ehefrau Virginia Johnson veröffentlichen dort sehr viele vorher unbekannte Details über die Prozesse, die im menschlichen Körper während des Geschlechtsverkehrs ablaufen. Basis ihrer Untersuchung sind Messungen und Interviews mit Pärchen, die sich freiwillig gemeldet hatten und im Labor unter Kontrolle ihrer Körperfunktionen miteinander Geschlechtsverkehr hatten oder onanierten. Anfänglich gab es nur Befragungen und Messungen bei weiblichen Prostituierten, später jedoch auch bei anderen Männern und Frauen. Verwendet wurde für die Studie unter anderm ein künstlicher Penis, der zur Masturbation verwendet wurde, gleichzeitig aber viele Messungen durchführte und auch fotografische Aufzeichnungen machte. Einige ganz wesentliches Ergebnisse der Studie sind:

Beim Orgasmus gibt es beim Mann ebenso wie bei der Frau vier Phasen, die sich deutlich voneinander unterscheiden lassen. Allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Orgasmus. Die vier Phasen (siehe Grafik unten) lassen sich sowohl vom gefühlsmäßigen Erleben voneinander unterscheiden, es gibt aber auch sehr deutliche körperliche Merkmale (Blutdruck, Pulsfrequenz, Atemgeschwindigkeit).
Die vier Phasen sind:

1.) Erregungsphase, 2.) Plateauphase, 3.) Orgasmus, 4.) Rückbildungsphase

Auch Frauen können eine Ejakulation haben, bei der zum Teil sehr viel mehr Körperflüssigkeit abgeschieden wird als beim Mann
Frauen sind "multi-orgastisch", d.h. sie können mehrere Orgasmen in kurzer Zeit hintereinander haben, überdies dauert der weibliche Orgasmus meist etwas länger als der des Mannes.


Bei den meisten Frauen ist die Reizung des Kitzlers (Klitoris) wichtigste Voraussetzung für das Erleben eines Orgasmus und weitaus bedeutsamer als Empfindungen in der Vagina durch rhythmische Bewegungen des Penis.


Die 4 Phasen sexueller Erregung

Mann Frau

Erregungs- Phase

Erektion des Penis, Erhöhung von Blutdruck und Pulsfrequenz, bei manchen Männern: "sex-flush": Hautrötung erst am Unterleib, später in Nacken und Gesicht; häufig (aber nicht immer): Erektion der Brustwarzen Feuchtwerden der Vagina ("Lubrikation"), die Scheide vergrößert sich im vorderen Teil, die Farbe verändert sich von hell- zu dunkelrot, Anschwellen der kleinen Schamlippen und rote Verfärbung; die Klitoris vergrößert sich; Erektion der Brustwarzen; "sex-flush": Hautrötung erst in der Magengegend, dann Brust und Nacken

Plateau-Phase

ein bestimmter Grad der Erregung ist erreicht; die Aufmerksamkeit ist von der Umgebung weggelenkt; weitere Erhöhung von Blutdruck, Puls und Atmung Rotfärbung der kleinen Schamlippen wird noch intensiver, nach einer bestimmten Zeit zieht sich die Klitoris unter ihre Vorhaut zurück und wird unerreichbar, noch stärkerer sex-flush, Aufmerksamkeitsverengung

Orgasmus

rhythmisches Zusammenziehen der Genitalgänge und Organe (Samenleiter, Samenblase, Prostata); Ejakulation: Hinausschleudern des Samen durch Samenleiter und Harnröhre - mit einer Geschwindigkeit von etwa 14-18 km/h. Die Spermamenge, die bei der Ejakulation ausgestoßen wird, beträgt meist 2-6 Milli-Liter, rund 200-500 Millionen Spermien heftige Kontraktionen (Zusammenziehen und -lösen) der sogenannten "orgastischen Manschette" (das sich verengende vordere Drittel der Vagina), meist 3-12 Kontraktionen im Abstand von knapp 1 Sekunde, dann schwächer und in größerem Abstand; bei einigen Frauen: Ejakulation und Absonderung von Drüsenflüssigkeit; im Unterschied zu Männern können Frauen nach dem Orgasmus direkt wieder erregt werden und einen oder mehrere neue Orgasmen erleben
Rück- bildungs- Phase schlagartiges Nachlassen der Anspannung; Rückbildung der Erektion, wobei der Penis zunächst noch eine gewisse Steife behalten kann; für eine gewisse (vom Alter abhängige) Zeit ist der Mann jetzt für sexuelle Reize unempfänglich große und kleine Schamlippen nehmen ursprüngliche Form wieder an, Klitoris tritt wieder hervor, Brustwarzen-Erektion geht zurück, sex-flush verschwindet


Orgasmus-Häufigkeit beeinflußt Lebenserwartung

Wales - Je häufiger ein Mann einen Orgasmus erlebt, desto besser ist er vor tödlichen Krankheiten geschützt. Das zeigt eine walisische Studie an über 900 Männern mittleren Alters. In den 80er Jahren waren sie erstmals medizinisch untersucht und befragt worden - auch über ihr Sexualleben. Etwa jeder Dritte gab an, 2mal oder öfter pro Woche einen Orgasmus zu erleben. Ungefähr jeder Fünfte war weniger als einmal pro Monat sexuell aktiv. Die übrigen Männer, rund die Hälfte, lagen irgendwo dazwischen.

Zehn Jahre später war von den Untersuchten etwa jeder sechste verstorben. Für die sexuell aktivsten Männer war diese Sterbequote jedoch nicht einmal halb so groß wie bei jenen, die nur selten einen Orgasmus erlebt hatten. Am deutlichsten zeigte sich das beim Herzinfarkt, etwas weniger ab

Ausgeprägt aber auch bei allen anderen krankheitsbedingten Todesfällen. Die Forscher kontrollierten auch andere Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen: Gewicht, Blutdruck, Rauchen usw. Vieles spricht nach diesen Ergebnissen dafür, dass ein intensives Sexualleben die Ursache für eine längere Lebenserwartung ist. Der in manchen Kulturen immer noch verbreitete Glaube, mit jedem Samenerguß verliere der Mann einen Teil seiner Lebensenergie, ist grundfalsch.







 























































 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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