Geschlechtskrankheiten


Als Geschlechtskrankheiten bezeichnet man solche Erkrankungen, die überwiegend beim Geschlechtsverkehr durch Erreger (Bakterien, Viren, Pilze) übertragen werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die alle überhaupt vorkommenden Krankheiten in einer Liste und Systematik näher beschreibt, nennt diese Krankheiten auch: sexuell übertragene Krankheiten (STD = "sexually transmitted diseases"). Für die meisten Geschlechtskrankheiten (außer AIDS) gibt es heute sehr erfolgreiche medizinische Therapieformen. Die Behandlung übernimmt meist ein Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ein Urologe, Frauenfacharzt (Gynäkologe) oder Männerfacharzt (Androloge). Manche Geschlechtskrankheiten muß der Arzt, ohne den Namen des Patienten zu nennen, dem Gesundheitsamt melden. Die Benutzung von Kondomen senkt das Risiko einer Ansteckung ganz erheblich. Die wichtigsten Geschlechtskrankheiten sind:


Filzläuse (oder "Schamläuse"):

sehr kleine, aber noch mit dem Auge wahrnehmbare Läuse (Phtirus pubis), die sich durch Blut ernähren, meist im Bereich der Schamhaare aufhalten und dort auch ihre Eier legen. Der Befall heißt medizinisch "Phtiriasis" oder "Pediculosis". Merkmal sind starker Juckreiz und bläuliche Flecken auf der Haut durch die Stiche der Laus. Alle Kleidungsstücke, Hand- und Bettücher müssen zur Therapie desinfiziert werden, hilfreich ist auch eine Rasur der Schamhaare. Die befallenen Haut-Partien werde mit einer vom Arzt verordneten Tinktur bestrichen.


Gonorrhö oder Tripper:

die am häufigsten vorkommende Geschlechtskrankheit, wird durch Gonokokken übertragen. Symptome sind beim Mann: brennendes Gefühl beim Urinieren und eitriger Ausfluß, bei der Frau sind die Anzeichen weniger deutlich: grünlich-gelber Ausfluß, Schmierblutungen. Der Tripper wird mit Antibiotika meist erfolgreich behandelt.


Syphilis (oder "Lues"):

wird durch Bakterien übertragen und entwickelt sich über mehrere Stadien hinweg mit unterschiedlichen Symptomen. Am Anfang entsteht ein bräunlich-rotes Geschwür, das keine Schmerzen verursacht und oft unbemerkt bleibt. Im zweiten Stadium finden sich Hautausschläge, Müdigkeit und Fieber. Nach 2-5 Jahren bilden sich Knoten unter der Haut und Herz-Kreislauf und Nerven sind betroffen. Im letzten Stadium (nach 10 Jahren und später) kann es zum Befall von Rückenmark und Gehirn kommen. Die Syphilis breitete sich im Mittelalter vor allem über die Bordelle wie eine Seuche in ganz Europa aus und führte oft zum Tode. Die ersten Kondome wurden zum Schutz vor der Syphilis und nicht zur Empfängnisverhütung benutzt. Heute wird Syphilis mit Penicillin oder anderen Antibiotika meist erfolgreich behandelt.


weicher Schanker ("Ulcus molle"):

wird durch Bakterien übertragen und zeigt sich wenige Tage nach der Ansteckung in Form von Knötchen oder Geschwüren an der Übertragungsstelle. Wird mit Antibiotika oder Sulfonamiden behandelt.


venerische Lymphknoten-Entzündung:

wird durch bakterienähnliche Erreger, sogenannte Chlamydien, übertragen. Zunächst zeigen sich nur Bläschen, später schmerzhafte Schwellungen der Lymphknoten in der Leistengegend.


Herpes genitalis:

wird übertragen durch einen Virus (Herpes simplex Virus Typ 2) und äußert sich zunächst nur durch Jucken, Hautrötung und Bläschen an den befallenen Stellen (Penis, Scheide, After). Später öffnen sich die Bläschen und es können Lymphknotenschwellungen auftreten. Herpes tritt auch im Mundbereich an den Schleimhäuten auf ("Herpes simplex"). Wird Herpes nicht behandelt, besteht die Gefahr von Hirn- und Nervenentzündungen. Ärztlich werden Medikamente eingesetzt, die das Wachstum eingrenzen, zum Teil auch eine Tinktur aus Myrrhen-Extrakt.


Pilzinfektionen:

im Genitalbereich sind es meist Hefepilze, die sich beim Mann an der Eichel durch Rötung und weißliche Verfärbung bemerkbar machen. Bei der Frau treten Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und Brennen beim Wasserlassen auf. Bei der Behandlung, die beide Partner einbeziehen muß, werden Salben, Zäpfchen und Tinkturen eingesetzt.


AIDS


("Acquired Immune Deficiency Syndrome", deutsch: "erworbenes Immunschwäche-Syndrom"):
wird hervorgerufen durch durch sogenannte HI-Viren. Diese verursachen eine Schwächung des Immunsystems, also der Fähigkeit, Krankheitserreger mit körpereigenen Mitteln zu bekämpfen. Das Virus befällt jene Zellen, die das Körperabwehrsystem steuern. Im Laufe der Zeit treten dann viele Infektionskrankheiten und auch Krebserkrankungen auf, die letztlich zum Tode führen. Die Übertragung erfolg durch Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder auch Muttermilch. Das Virus kann jahrelang im Körper "schlummern", ohne dass Krankheitsanzeichen sich bemerkbar machen. Erst mit dem Auftreten der Infektions-Krankheiten spricht man dann von einer AIDS-Erkrankung. Ansteckungsgefahr besteht insbesondere bei Geschlechtsverkehr ohne Kondome (an Mundschleimhäuten, Penis und Scheide, After). Der HIV-Virus kann beim Arzt durch einen Test nachgewiesen werden. AIDS wurde erstmals 1984 in den USA als Krankheitsbild entdeckt und medizinisch beschrieben. Bis Mitte der 90er Jahre waren in Deutschland etwa 60 Tausend Menschen infiziert, 20 Tausend waren an AIDS erkrankt, 13 Tausend daran gestorben. Eine völlige Heilung ist bis heute nicht möglich, jedoch kann die medizinische Therapie heute die Lebenserwartung HIV-infizierter Patienten deutlich verlängern.