Titel: verbotene Früchte



Eigentlich bin ich ein ganz normaler durchschnittlicher Junge also lohnt es sich gar nicht, daß ich diese Geschichte erzähle; daß ich es dennoch mache, hängt damit zusammen, daß es plötzlich ein besonderes Ereignis in meinem Leben gab. Wie gesagt, ich bin völlig normal, etwa 1,80 m groß, schlank, dunkle Haare, einigermaßen gut gebaut. Ich lebe mit meiner Familie am Rande einer deutschen Großstadt in einem schönen Einfamilienhaus, und es geht uns allen gut. Mein Vater ist ein prima Kerl, nur spielt er in dieser Geschichte keine Rolle, weil er nämlich Kapitän eines großen Kreuzfahrtschiffes ist, und daher fast nie zu Hause. Meistens sehen wir, also meine Mutter, meine Schwester Susanne und ich, ihn nur vier- oder fünfmal im Jahr für ein paar Tage oder Wochen, und im Sommer dürfen wir dann auch regelmäßig unserem Urlaub auf seinem Schiff verbringen, Touristenklasse versteht sich. Eigentlich spielt es schon eine Rolle, daß Vater so selten zu Hause ist, zumindest für einen Teil dieser Geschichte, aber dazu später mehr.

Ach so, ich habe noch gar nicht erzählt, daß ich Mark heiße und zu dem Zeitpunkt, als diese Geschichte begann, sechzehn Jahre alt war, nun ja, beinahe sechzehn: Als die Geschichte so richtig begann, stand mein Ge- burtstag gerade vor der Tür. Eines sollte ich vielleicht noch erwähnen, damit man die folgenden Er- eignisse besser verstehen kann, ich bin, besser: ich war, zu diesem Zeitpunkt eine männliche Jungfrau. Nein, Probleme hatte ich mit Mädchen nie welche, schließlich hatte ich auch schon mehrere Freundinnen, doch wir hatten nie miteinander geschlafen. Vielleicht auch deswegen nicht, weil ich ein wenig Angst davor hatte. Denn ich war ein frühreifer Ben- gel. Schon mit elf hatte ich meine erste Erektion. Mit zwölf begann meine Mutter, mich aufzuklären. Dies war auch die Zeit, in die ich an- fing, meiner Schwester heimlich die Bravo - Hefte zu klauen, die sie sich angeblich nur wegen den vielen tollen Popstars kaufte. Viel hatte Mama jedenfalls nicht mehr aufzuklären, ob das gut oder schlecht war, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

So dauerte es nicht lange, bis ich glaubte, so ziemlich alles über Sex zu wissen, und die einfachste Methode, das auszuprobieren, war natür- lich die Selbstbefriedigung. So stibitzte ich mir wieder ein paar Bra- vos mit hübschen Mädchen und es dauerte nicht lange, bis ich meinen er- sten Orgasmus hatte. Ich bekam übrigens sehr schnell meinen Orgasmus. Das war übrigens auch der Grund, warum ich nicht mit meinen Freundinnen schlafen wollte, denn, wie schon gesagt, ich hatte wenig Angst.

Soweit die Vorgeschichte; die eigentliche Geschichte begann wenige Tage vor meinem sechzehnten Geburtstag.

Die Sommerferien hatten gerade angefangen, und endlich hielt das Wet- ter, was der Name versprach. Es war über dreißig Grad heiß, und auf dem blauen Himmel ließ sich kein Wölkchen blicken, bestes Schwimmbadwetter also. Vater würde wieder nicht zum Geburtstag zu Hause sein, wie die letzten Jahre nicht, dafür würden wir in vierzehn Tagen ins Flugzeug steigen, um dann vier Wochen auf einem Luxusdampfer durch die Karibik zu schippern. Meine Klassenkameraden beneideten mich um diesen Urlaub, doch niemand konnte sich vorstellen, wie langweilig es auf die Dauer war: immer dasselbe Wasser, dieselben Strände und Häfen, dieselben Benimmregeln und dieselbe Kleiderordnung beim abendlichen Dinner und vor allem dieselbe kratzbürstige Schwester als Zimmergenossin, die mich zudem in den letzten Wochen damit aufzog, daß ich nun zwar bald sech- zehn, sie aber in ein paar Monaten schon achtzehn werde und damit viel mehr dürfte als ich. Aber eine Doppelkabine in der Touristenklasse mit fünfundsiebzig Pro- zent Personalrabatt war alles, was uns ein gut bezahlter, aber spar- samer Vater und Kapitän zubilligte. "Mutter hat gar kein eigenes Zim- mer, sondern schläft bei mir", war sein einziger Kommentar auf unser gemeinsames Verlangen nach Einzelkabinen, ohne vor uns Kindern zu er- wähnen, daß dieses Arrangement für unsere Eltern durchaus seine ange- nehme Seite hatte. Diese Diskussion war übrigens die einzige, bei der Sue - so nannte ich sie nur, wenn wir uns gerade einmal vertrugen - und ich einer Meinung waren. Ansonsten waren wir wie Feuer und Wasser oder noch besser wie Hund und Katze, nur daß niemand so genau sagen konnte, wer der Hund und wer die Katze war.

So war es auch kein Wunder, daß ich nicht besonders begeistert war, als ich gleich am ersten Ferientag mit meiner Schwester ins Schwimmbad fah- ren sollte. Schließlich wollte ich ausschlafen. Aber der große Bagger- see lag nun einmal im Wald, und vor allem der Rückweg am Abend war trotz der Jahreszeit und der vielen Leute für ein, objektiv gesehen, gut aussehendes Mädchen alleine mit dem Fahrrad nicht ganz ungefähr- lich, auch wenn meine Figur nicht mit der von Arnold Schwarzenegger konkurrieren konnte.

Also fuhren wir morgens zum Baggersee, und während ich die meiste Zeit damit verbrachte, meine Figur Schwarzenegger anzunähern, indem ich meh- rere Male den Baggersee durchquerte und mit ein paar Jungs Wiesenfuß- ball spielte, ließ sich Susanne fast den ganzen Tag in der Sonne gril- len. "Ich frage mich, wozu wir eigentlich hier sind", sagte ich irgendwann. "Faul in der Sonne liegen konntest du auch zu Hause. Dazu hätten wir nicht herfahren müssen." Susanne öffnete die Augen, stützte sich auf die Ellenbogen und entgeg- nete mit verschlafenem Blick: "Hier kann man so herrlich träumen." "Wahrscheinlich von irgendeiner bescheuerten Boygroup", erwiderte ich. "Das geht dich gar nichts ...", 'an', hatte meine Schwester sagen wol- len, doch in diesem Augenblick flog ein Ball, gefolgt von einem Körper, an uns vorbei. Unbemerkt von uns hatte eine Gruppe von Jungs und Mädels ein Volley- ballspiel auf dem Sandplatz begonnen, neben dem wir unsere Handtücher ausgebreitet hatten. Eines der Mädchen hatte mit einem Hechtsprung ver- sucht, einen plaziert geschlagenen Ball noch zu erreichen und war di- rekt neben uns gelandet. "Entschuldigung", sagte sie lachend. "Macht doch nichts", erwiderte ich und sah sie an. Dabei bemerkte ich, wie hübsch sie aussah, und eine leichte Röte schoß in mein Gesicht. Da- gegen bemerkte leider niemand, daß sich bei ihrer gekonnten aber den- noch harten Landung im Sand der Verschluß ihres Bikinioberteils, der sich zwischen den Körbchen befand, geöffnet hatte. Als sie sich nun er- hob, präsentierte sie uns unfreiwillig ihre nackten Brüste, und ich konnte gar nicht anders, als auf ihren tollen großen Busen zu starren. Während ihre Mitspieler lauthals zu lachen begannen, wetteiferten ihr und mein Gesicht darum, welches röter werden würde. Viel schlimmer war jedoch, daß sich in meiner Badehose explosionsartig eine riesige Beule auszubreiten begann. Zum Glück amüsierten sich alle in der Gruppe über das arme Mädchen, daß verzweifelt bemüht war, ihren Bikini wieder zu schließen, und so achtete niemand auf mich. Anders jedoch Susanne. Sie schubste mich an und sagte: "Na, kleiner Bruder, so etwas hast du wohl noch nie gesehen", während sie unverhoh- len auf meine Badehose starrte. "Laß mich bloß in Ruhe, du gemeines Biest", sagte ich wütend, "du hast ja keine Ahnung", und rannte, so schnell ich nur konnte, ins Wasser. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis ich mich wieder heraus traute.

Während des ganzen Nachmittages und der Heimfahrt sprach ich mit Su- sanne kein einziges Wort. Erst während des Abendessens redete ich wieder mit ihr, aber nur über belanglose Dinge, also ein typischer Smalltalk, und nur deshalb, weil ich nicht wollte, daß Mama etwas davon mitbekam, daß ich sauer auf mei- ne Schwester war, und sie dumme Fragen stellte. Trotzdem entwickelte sich der Abend noch ganz anders. Mama stand auf, um noch etwas Obst zum Nachtisch zu holen. Im gleichen Augenblick frag- te sie: "Wie war es eigentlich im Schwimmbad?" "Ganz toll", antwortete Susanne, noch bevor ich den Mund aufmachen konnte. "Du wirst nicht glauben, was da passiert ist ... Aua." Wütend starrte Susanne mich an, als ich ihren Redefluß durch einen ge- zielten Tritt gegen das Schienbein unterbrach. "Hast du was, mein Schatz", sagte Mama und drehte sich erschrocken um. Im gleichen Augenblick änderte sich Susannes Blick schlagartig. Man könnte sagen, daß es der Augenblick war, der entscheidend war für al- les, was später noch folgen sollte. "Ich habe mich nur gestoßen", sagte sie und rieb ihren Ellenbogen. "Nicht so schlimm." "Dann ist ja gut. Was ist denn heute passiert?" "Ach ja", fuhr Susanne in einer seltsam lockeren Art fort, "ich habe einen Lehrer aus unserer Schule gesehen, der hat einen Bauch, fast wie eine schwangere Frau." Susanne fing an zu kichern, während sie mit ih- ren Händen durch die Luft fuhr und die Form eines dicken Bauches nach- zeichnete. "Du lachst ja gar nicht, Mark", sprach Mama mich an. "Wie", antwortete ich gedankenversunken, denn ich war sehr erstaunt über Susannes Reaktion und überlegte mir den Grund dafür. "Ach so, ich habe das nicht mitbekommen, Mama, und du weist doch, mein Schwesterherz erzählt ihrem kleinen Bruder nicht alles."

Den Rest des Abends verbrachten wir vor dem Fernseher, und dann verab- schiedete ich mich in mein Zimmer. Mit einem Computerspiel, mit viel Ballerei und Knallerei, wollte ich mich auf andere Gedanken bringen. Gegen Mitternacht schaltete ich den PC aus, um noch ein wenig zu lesen. Aus dem 'ein wenig' wurde schließlich halb zwei, als es plötzlich leise an meine Türe klopfte. Rasch legte ich das Buch weg, löschte das Licht und stellte mich schlafend. Sicherlich war es Mama, die wieder meckern würde, warum ich noch nicht schlafen wolle. Aber, so wunderte ich mich, wieso klopfte sich dann an meine Tür? Erneut klopfte es, und als ich nicht reagierte ging die Tür auf, und ich hörte zu meiner Überraschung Susanne flüstern: "Mark, schläfst du?" Ich antwortete nicht. "Ich weiß, daß du noch nicht schläfst. Ich habe eben noch Licht gese- hen." Ich erhob mich und knipste die Nachttischlampe wieder an. "Was willst du", fragte ich mürrisch. Erst später ging mir auf, daß ich sie in diesem Augenblick, wie sie in dem Dämmerlicht in der Zimmertür stand, erstmalig intensiv betrachtete, mit T-Shirt und Slip nur spärlich bekleidet, ihre langen kastanienbrau- nen Haare, die ihr an einer Seite über die Schulter hingen, und ihre superlangen Beine, die jedem Vergleich mit einem Model standgehalten hätten. "Mit dir reden. Darf ich rein kommen?" "Von mir aus." Susanne schloß die Tür hinter sich und trat an mein Bett. "Darf ich mich setzen?" Noch bevor ich antworten konnte, setzte sie sich am Fußende auf mein Bett, zog ihre Beine an und verschränkte ihre Arme um die Knie. Da es, wie schon erwähnt, sehr heiß war, trug ich lediglich eine kurze, luf- tige Schlafanzughose, und so richtete ich mich auf, um mich in die gleiche Haltung wie meine Schwester zu begeben. Ich wollte mich auf keinen Fall wieder erwischen lassen. "Was willst du", wiederholte ich, und meine Stimme wurde dabei keines- wegs freundlicher. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Es tut mir leid. Meine Bemer- kung am See war gemein." "Was meinst du", fragte ich, während ich spürte, daß ich rot wurde. Zum Glück konnte Susanne das in dem Dämmerlicht kaum erkennen. "Stell dich nicht so an. Du weist genau, was ich meine. Als dein ..., du ...", sie unterbrach sich, als sie merkte, daß ich meine Beine enger an mich heranzog. "Mark", sagte ich daraufhin in einer seltsam sanften, ja beinahe zärt- lichen Art, "du brauchst dich vor mir nicht zu schämen. Ich weiß, daß wir uns in letzter Zeit sehr häufig gestritten haben, aber das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Geschwister streiten und ärgern sich halt, besonders Brüder ihre Schwestern und umgekehrt natürlich. Aber gerade Geschwister haben auch viele Geheimnisse. Ich verspreche dir, daß niemand hiervon erfahren wird, auch nicht Mama und Papa, großes Indianerehrenwort", sie hob die Hände zum Schwur, "okay?" Ich blickte Susanne in die Augen, spürte plötzlich, daß sie es ehrlich meinte, und nickte daher stumm. "Das Mädel hat wirklich Eindruck auf dich gemacht", fuhr Susanne fort. "Nun ja", erwiderte ich, "das kam ja auch etwas ... überraschend, und so aus der Nähe hatte ich noch keine Gelegenheit, einen ...", ich stockte. "Na los", munterte mich meine Schwester auf, "ich sagte doch, es bleibt alles unser Geheimnis." "... Busen zu betrachten", schloß ich den Satz. "Und, hat er dir gefallen? Sicherlich", fuhr sie fort, ohne meine Ant- wort abzuwarten, "wie man ja an deiner Reaktion sehen konnte." "Hör schon auf, Sue", maulte ich, doch meine Empörung war eher gespielt als ernst gemeint. "Ihr Mädchen habt es ja viel einfacher als wir Jungs." "Deshalb bin ich ja auch so froh, daß ich ein Mädchen bin", sang Su- sanne einen bekannten Song nach, so daß ich regelrecht erheitert wurde. Plötzlich stand meine Schwester auf, um sich sogleich neben mich zu setzen. Selbstverständlich blieb es dabei nicht aus, daß wir uns an den Armen und den Beinen berührten, und wie aus heiterem Himmel durchliefen Schauer meinen Körper, erst heiß, dann kalt, dann wieder heiß, und mein Herz fing an, schneller zu schlagen. Ich wußte nicht, ob mir die Berüh- rungen angenehm oder unangenehm waren, ich wußte überhaupt nichts mehr. Mehrere Minuten lang saßen wir stumm nebeneinander. Plötzlich beugte sich meine Schwester zur Seite und löschte das Licht. "Mark, darf ich dich etwas fragen", sagte sie im gleichen Atemzug in die Dunkelheit. "Sicher", antwortete ich verwirrt, "du bist doch sonst nicht so schüch- tern." "Hast du ..., hast du dich", flüsterte sie, "ich meine", sie holte hör- bar tief Luft, "hast du dich schon einmal selbst befriedigt?" Jetzt begriff ich, warum sie sich neben mich gesetzt und das Licht aus- gemacht hatte. Sie wollte es mir leicht machen, ich sollte nicht das Gefühl haben, von ihr beobachtet zu werden. "Ja", kurz und knapp, mit einem Kratzen im Hals. "Wie oft?" "Ab und zu", antwortete ich ein wenig ausweichend. "Hat es dir Spaß gemacht?" "Jetzt bist du erst dran, Sue", entgegnete ich. "Einverstanden", antwortete sie mit einem leisen Lachen. "Ich mache es mir mindestens jeden zweiten Tag. Und es macht riesigen Spaß. Und dir?" "Schon, ja", wiederum war ich ausweichend, obwohl Sue merken mußte, wie es wirklich war. Da nahm ich meinen Mut zusammen und beschloß, ihr die ganze Wahrheit zu sagen, schließlich war auch sie ehrlich zu mir gewe- sen. "Sicher macht es Spaß", sagte ich daher, "obwohl es mit einem Mädchen natürlich mehr Spaß machen würde. Aber so habe ich wenigstens nicht das Problem, daß ich zu schnell bin." "Jetzt verstehe ich", antwortete meine Schwester, "warum du so sauer auf mich warst. Bei dir genügen schon ein paar Reize, um dich auf Tou- ren zu bringen, und du hattest Angst, auf der Wiese einen Orgasmus zu bekommen. Schon gut, ich verspreche dir, daß ich dich in Zukunft nicht mehr in Verlegenheit bringen werde. Aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Das gibt sich mit der Zeit. Wenn du das richtige Mädchen findest, werdet ihr euch schon aufeinander einstellen." "Meinst Du?" "Aber sicher." Einen kurzen Moment war Stille zwischen uns, und außer Susannes sanften Atemzügen und den Geräuschen der warmen Sommernacht war nichts zu hö- ren. "Mark?" "Ja?" "Es ist viel schöner, sich mit dir so zu unterhalten, als sich ständig zu streiten." Sue legte plötzlich einen Arm um meine Schulter und drückte mir einen zarten Kuß auf die linke Wange. Dann sprang sie urplötzlich auf, machte das kleine Licht wieder an und stellte sich vor das Bett. Sie hob ihren linken Arm und legte ihn über den Kopf, den rechten stemmte sie in die Hüfte. "Findest du mich eigentlich hübsch?" "Wie bitte", fragte ich verwirrt. "Ich habe gefragt, ob du mich hübsch findest. Ich meine, wenn du nicht mein Bruder wärst und wir uns auf der Straße begegnen würden, was wür- dest du da empfinden?" Ich blickte auf, und in diesem Augenblick ging mir auf, daß ich sie schon bei ihrem Eintreten so betrachtet hatte, wie ich es jetzt tat: die langen Beine, ihre Haare, ihr T-Shirt, auf dem sich die Kurven von zwei wohlgeformten Halbkugeln abzeichneten ... Ich schüttelte kurz den Kopf, um die Gedanken, die mich befielen und die nicht sein durften, abzustreifen. Dann sprang ich auf und schob Su- sanne in Richtung der Tür. "Bitte, geh jetzt ..." "Was ist los, habe ich etwas falsch gemacht?" "Nein, Sue, du hast nichts falsch gemacht, aber bitte geh jetzt." Ich drängte sie weiter zur Tür. "Bitte", wiederholte ich eindringlich, "es ist besser so." Ich schob sie auf den Flur, schloß die Tür und drehte den Schlüssel herum. Es blieb mir gerade noch Zeit, ein Taschentuch in die Hose zu schieben, bevor der Höhepunkt mich wie ein Blitz traf. Einschlafen konnte ich dieser Nacht noch lange nicht. Unruhig wälzte ich mich hin und her. Meine linke Wange brannte wie Feuer.
 
 
 
 

Verbotene Früchte (Kapitel 1: mf, inc) 2/2

Am nächsten Tag sprachen wir nicht über diese Nacht, ebenso am darauf- folgenden Vormittag nicht. Am Nachmittag fuhr Mama zum Einkaufen in die Stadt. Während ich am Computer saß, sonnte sich Susanne im Garten. Irgendwann hörte ich ihre verschlafene Stimme rufen: "Mark, kommst du mal?" Ich trat ans offene Fenster: "Was ist?" "Kannst du mir den Rücken einreiben, ich möchte noch eine Weile liegen bleiben?" "Ich komme sofort." Bevor ich in den Garten ging, holte ich zuerst die Flasche mit der Son- nenmilch. Dort bemerkte ich, daß Susanne den Verschluß ihres Bikinis geöffnet hatte, um keinen weißen Streifen zu bekommen. Ich setzte mich an den Rand des Liegestuhls, auf dem meine Schwester lag, und öffnete die Flasche mit der Sonnenmilch. Mit kräftigen Druck spritzte ich einen dicken Strahl der weißen Creme auf Susannes Rücken. "Ha, ist das kalt", schrie sie überrascht auf. "Wer schön braun werden will, muß vorher schön leiden", gab ich zurück, während ich die Flasche wegstellte. "Biest", entgegnete Sue, doch im Gegensatz zu früher kam es diesmal von Herzen. Langsam verrieb ich die Sonnenmilch auf ihrer weichen, von der Sonne erhitzten Haut. Schon bald war ihr ganzer Rücken glänzend von dem Fett der Milch, doch ich hörte nicht auf zu massieren. "Hm, tut das gut", hörte ich Susanne murmeln. Er erschien mir, als versinke ich in einem tiefen Traum, während meine Hände ganz automatisch mal knetend, mal streichelnd über ihren Rücken fuhren. Irgendwann schrak ich aus meinen Gedanken und stand auf. "Warum hörst du auf", sagte, nein: flüsterte, Susanne. Ich hatte mich wieder in der Gewalt. "Weil ich dir bald deine ganze Haut vom Körper gerieben habe", antwor- tete ich, "die Sonnenmilch ist längst eingezogen, und außerdem werde ich als Masseur viel zu schlecht bezahlt."

Am nächsten Tag sollte sich das Spiel wiederholen, doch auf eine andere Weise. Susanne war nämlich auf dem Liegestuhl eingeschlafen, und ich hatte natürlich völlig vergessen sie zu wecken und an eine zweite Por- tion Sonnenschutz zu erinnern. Die Folge war, daß sie sich einen fürch- terlichen Sonnenbrand holte und natürlich sauer auf mich war. "Soll ich deinen Rücken noch mit Gel einreiben", fragte Mama, als wir am Abend ins Bett gehen wollten. "Danke, nein, dazu habe ich Mark fest angestellt", sagte Susanne und warf mir einen wütenden Blick zu. "Schließlich ist er daran Schuld. Und wenn er mir zu nahe kommt, bringe ich ihn um." "Ja, ja, immer auf die Kleinen. Wenn du dich nicht immer grillen wür- dest, dann wäre das alles nicht passiert. Aber schon gut, ich mache das schon." "In einer halben Stunde, in meinem Zimmer", sagte Susanne mit befehlen- dem Unterton.

Pünktlich auf die Minute war ich an ihrer Tür. Ich klopfte und hörte augenblicklich ein leises "Herein". Susanne lag auf dem Bauch auf ihrem Bett, die Arme verschränkt, um ih- ren Kopf darauf zu betten, die Haare zur Seite gelegt, damit der Rücken frei war, und lediglich mit einem Slip bekleidet. Ich schloß die Tür hinter mir und blieb stehen. "Worauf wartest du?" "Ich will mich nicht umbringen lassen." "Blödmann, jetzt fang schon an." Ich setzte mich auf die Bettkante und ließ das kühlende Gel auf ihre Schultern fließen. Ganz sanft verrieb ich es auf ihrem Rücken und ach- tete darauf, daß ich keinen Zentimeter der stark geröteten Haut vergaß. "Sue", sagte ich dann, als ich fertig war, "es tut mir leid. Ich habe dich heute nachmittag wirklich vergessen." "Schon gut, Schwamm drüber, es ist ja auch meine Schuld gewesen. Bis zum Urlaub ist alles wieder in Ordnung. Dreh dich mal um!" "Wie?" "Dreh dich um, ich will mich anziehen." Gehorsam stand ich auf und sagte: "Ich gehe sowieso." "Nein, bleib doch. Wollen wir uns nicht noch ein wenig unterhalten?" "Warum nicht, ich bringe nur schnell das Gel weg." Ich ging ins Badezimmer, legte die Tube mit dem Sonnengel in den Schrank und wusch mir die Hände. Als ich zurückkehrte, hatte Susanne bereits das Licht gelöscht. Ich ahnte, daß sie genau wie vor ein paar Tagen auf dem Bett sitzen würde. Ich schloß die Tür hinter mir und ta- stete mich durch die Dunkelheit durchs Zimmer, um mich neben sie zu setzen. Wir redeten eine Weile über den Urlaub und über viele andere Dinge, bis meine Schwester plötzlich und unvermittelt fragte: "Würdest du gerne mit einem Mädchen schlafen?" "Wie ...", ich schluckte, "wie kommst du jetzt darauf?" "Du hattest doch schon ein paar Freundinnen, und wenn ich dich richtig verstanden habe, dann hattest du nur Angst vor einem vorzeitigen Orgas- mus. Ihr habt nie miteinander geschlafen?" "Nein, aber sicher würde ich es gerne. Welcher Junge würde das nicht?" "Es wird schon klappen. Sicher wirst du bald die richtige finden, aber um eines möchte ich dich bitten: Wenn es für sie das erste Mal ist, sei ganz sanft und zärtlich zu ihr." "Was ... wieso ...?" "Ich habe vor einem Jahr mit Achim geschlafen", sagte Sue. "Er hat mir fest versprochen, zärtlich zu sein, als ich ihm erklärte, daß ich noch Jungfrau sei. Und wie war es: Ruck - Zuck, rein - raus, er war befrie- digt, und ich hatte nur Blut und Schmerzen. Dann hat er mich auch noch gefragt, warum ich so steif wie ein Brett gewesen sei." "Deswegen hast du dann auch mit ihm Schluß gemacht." Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. "Genau. Ich bin damals sofort gegangen. Ende und Aus. Toni, mein zwei- ter Freund, war zwar sehr liebevoll, aber beim Sex hat er immer nur auf sich geachtet, ich hatte nur ein einziges Mal einen Orgasmus, obwohl wir in der Zeit, in der wir zusammen waren, öfters miteinander geschla- fen haben." "Es tut mir leid für dich, Sue, das meine ich wirklich ehrlich." "Ich weiß", antwortete sie und legte plötzlich ihren Kopf auf meine Schulter. "Du hast meine Frage noch nicht beantwortet", sagte sie dann unvermittelt. "Welche Frage", antwortete ich verwirrt. "Ob du mich hübsch findest?" Ich schluckte, während mein Herz schneller klopfte. Was sollte ich jetzt sagen? Eine Ausrede suchen oder ihr die Wahrheit sagen, die Wahr- heit, die ich seit der letzten Nacht in mir trug, ohne daß ich sie selbst wahrhaben wollte. "Na los", forderte sie mich auf, "ich weiß, daß ich weder Claudia Schiffer noch Cindy Crawford bin. Ich kann also die Wahrheit vertra- gen." "Ob du hübsch bist", wiederholte ich. "Du bist verdammt hübsch." Leise flüsternd, mehr zu mir selbst als zu meiner Schwester, fuhr ich fort: "Du bist sogar wunderschön." Dann sprang ich auf und rannte, so schnell es eben ging ohne irgendwo anzustoßen und Krach zu machen, aus Susannes Zimmer.

Am nächsten Tag hatte ich Geburtstag. Vaters Geschenk würde ich wie üb- lich erst auf dem Schiff bekommen. Von Mama bekam ich ein paar tolle Klamotten und einen riesigen Kuchen zum Frühstück. Sue hatte sich etwas besonderes einfallen lassen. "Alles Liebe zum Geburtstag, Bruderherz", rief sie, umarmte mich und gab mir zwei dicke schwesterliche Küsse auf die Wangen. "Das ist ja ganz was neues", sagte Mama überrascht, als sie uns beob- achte. "Versöhnung", sagte Susanne nur. "Wir haben eingesehen, daß die ganzen Streitereien völlig überflüssig waren." "Das ist ja prima, endlich werdet ihr vernünftig", freute sich Mama. "Hier, für dich", Susanne reichte mir ein Paket. "Vielen Dank, Schwesterchen." Ich riß das Geschenkpapier auf und fand zwei nagelneue Computerspiele, die, das wußte ich, nicht billig waren. Anerkennend bedankte ich mich nochmals. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Die eigentliche Über- raschung kam aber später. Als ich die Spiele gleich nach dem Frühstück ausprobieren wollte, fand ich ein eingerolltes Blatt Papier auf dem Schreibtisch. Ich zerschnitt das Band, mit dem das Papier festgehalten wurde, rollte es aus und las:

Einladung zu einer besonderen Geburtstagsfeier, morgen abend um zwanzig Uhr in meinem Zimmer. Achtung: Geheimsache. Einladung gilt nur, wenn absolutes Stillschweigen bewahrt wird. Keine Fragen. Sue.

Ich war mehr als überrascht. Trotz aller neu gewonnenen Freundschaft hatte ich so etwas nicht erwartet. Außerdem begriff ich nicht, warum ich nicht darüber reden sollte, sogar mit ihr selber nicht. Und das es irgendwie mit den Ereignissen der letzten Nächte zu tun haben könnte, auf diesen Gedanken kam ich nicht.

Am nächsten Tag nach dem Mittagessen fuhr Mama, wie üblich, für drei Tage zu ihren Eltern. Oma und Opa wollten jedes Jahr, bevor wir in den Urlaub flogen, noch ein paar Tage mit ihrer Tochter zusammensein. Su- sanne und ich blieben, wie üblich, zu Hause. Zweimal im Jahr, zu Ostern und in den Herbstferien, war genug. Während ich Mama zum Bahnhof begleitete, sollte Susanne für den Abwasch sorgen. Doch als ich nach Hause kam, schien sie immer noch in der Küche zu werkeln. "Na, Schwesterchen", zog ich sie auf. "Wieder zuviel Talkshows im Fern- sehen geguckt, statt zu arbeiten." "Und wenn? Ich werde schon fertig, keine Angst", antwortete sie und schob mich aus der Küche heraus. Doch in den Augenwinkeln hatte ich et- was gesehen, das ich wohl nicht hätte sehen sollen. Es standen ein paar Teller und Töpfe herum, die wir nicht zum Essen benutzt hatten. Jetzt verstand ich, jedenfalls glaubte ich das. Susanne wollte mich mit einem Essen überraschen. Und sie konnte sehr gut kochen. Bisher hatte ich ihr das zwar nie gesagt, aber erstens hatte sie wohl längst ge- merkt, daß es mir immer hervorragend geschmeckt hatte, wenn sie gekocht hatte, und zweitens würde sie heute von mir endlich ihr verdientes Lob ernten. Da ich nun zu ahnen glaubte, was Susannes Überraschung war, beschloß ich, mich fein zu machen. Ich sprang schnell unter die Dusche und zog dann ein blütenweißes Hemd und eine schwarze Jeans an. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich dann mit meinen neuen Computerspielen.

Wenige Minuten vor acht schaltete ich den Computer aus, um pünktlich auf der Matte zu stehen. Ich schnupperte ein wenig. Aha, dachte ich bei mir, die Idee mit dem Essen war doch nicht so verkehrt. Auf die Sekunde genau klopfte ich an die Tür. "Herein." Ich öffnete und war wie vom Blitz getroffen. Es war nicht nur ein ein- faches Essen. Sue hatte die Rolläden heruntergelassen, um eine roman- tische Dämmerstimmung zu verbreiten. Auf ihrem kleinen Tisch war nicht nur die Tafel gedeckt, es standen auch ein paar Kerzen darauf, von de- nen auch sonst noch ein paar im Zimmer verteilt waren. Im Hintergrund spielte leise Musik. Ein ganzer Haufen Kissen lag auf dem Fußboden vor dem Tisch, damit wir es besonders bequem hatten. Susanne stand davor, mit einer weißen Bluse und einem langen schwarzen Seidenrock bekleidet. "Donner - Wetter", stieß ich hervor, "du siehst, äh, ... das sieht ja toll aus. Die Überraschung ist dir wirklich gelungen." "Wieso Überraschung? Du hast doch sicher längst gemerkt, daß es etwas zu essen geben sollte. Die Überraschung gibt es zum Nachtisch." Sie drückte mir ein Glas in die Hand. "Jetzt laß es dir aber erst einmal schmecken. Nochmals alles Liebe zum Geburtstag, Bruderherz, auch wenn er schon vorbei ist. Daß alle deine Wünsche in Erfüllung gehen sollen." Wir setzten uns, aßen ein italienisches Nudelgericht und den entspre- chenden Salat und tranken eine ganze Flasche Champagner. Ich war völlig baff, als ich bemerkte, wieviel Geld meine Schwester für mich ausgege- ben hatte. "Wie geht es eigentlich deinem Sonnenbrand", fragte ich. "Alles halb so schlimm, ich spüre ihn kaum noch. Aber vielleicht kannst du mich ja später trotzdem noch einmal einreiben." "Mach ich, klar."

"Zeit zum Nachtisch", sagte Susanne irgendwann, es war so gegen halb- zehn, und stand auf. Ich blieb sitzen. "Komm schon, aufstehen, umdrehen, Augen zu", forderte sie mich auf, "sonst ist es ja keine Überraschung." Ich nickte und nahm die geforderte Position ein. Nachdem ich meine Au- gen geschlossen hatte, spitzte ich besonders stark die Ohren, um ein Geräusch zu erhaschen, das mir einen Anhaltspunkt liefern könnte, doch es war nichts zu hören, lediglich ein tiefes Schlucken und Luftholen, bevor nach einer knappen Minute Susanne sagte: "Umdrehen." Ich öffnete die Augen, drehte mich um, ... und weit und breit war keine Überraschung zu sehen. Lediglich Susanne stand so dicht vor mir, daß wir uns beinahe berühr- ten. "Und", fragte ich, ein wenig verwundert und auch ein wenig enttäuscht, "wo ist nun die Überraschung?" "Manchmal bist du wirklich schwer von Begriff, Mark", flüsterte meine Schwester. "Die Überraschung steht vor dir. Ich will dich, Mark. Ich will mit dir schlafen."

 

E N D E

 












 

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