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Sie hatte die
Wette verloren. Jetzt aergerte Sie sich ueber ihre Leichtsinnigkeit,
wegen dieser Lappalie solche Konsequenzen auf sich genommen zu haben.
Ihr wurde ganz schwindelig bei dem Gedanken. Andererseits haette
sie ihn gerne selbst in der peniblen Lage erlebt, in der sie sich
jetzt befand. Gestern abend waren sie essen gewesen, hatten auch
etwas getrunken, sich gut amuesiert und sich ueber de Sade unterhalten.
Sie hatte Stein und Bein geschworen, dass er im selben Jahr wie
Goethe auf die Welt gekommen war, Frank widersprach ihr beharrlich.
Nun stand er feixend mit dem schweren Lexikonband vor ihr und las
"Louis Donatien Alphonse Francois Marquis de Sade, geboren in Paris
am 2.6.1740, gestorben..."- "Schon gut! ", unterbrach sie ihn boese,
"und was weiter?" Er schaute sie bedauernd an: "Tja", sagte er gedehnt,
"es wird dir wohl nichts anderes uebrigbleiben, als dich langsam
fertigzumachen !" Sie warf die Decke mit einem Ruck von sich, sprang
aus dem Bett und fuhr ihn schnippisch an: "Wenigstens ein Fruehstueck
wird doch noch drin sein?" - "Aber natuerlich" lachelte er, "ich
habe schon Kaffee gemacht. Moechtest du ein Ei?" - "Ich pfeiff auf
deine Eier", schrie sie und verschwand im Bad. Frank blickte in
ihre Richtung, bis das Bild des schoenen muskuloesen Korpers von
seiner Netzhaut verschwunden war. Er liebte ihre launische Art und
war tatsaechlich etwas erstaunt, dass sie keinen groesseren Widertand
gezeigt hatte. Bislang hatte sie sich immer geweigert, in anderer
als Strassenkleidung ausser Hauses zu gehen, aber diese Wette ruehrte
wohl an ihren Stolz. Nachdenklich oeffnete er den Kleiderschrank,
schob Blazer und Hemden zur Seite und griff in das kuehle Knistern
eines schwarzen Latexoveralls. Dieses Schmuckstueck hatte er erst
vor kurzem fuer sie anfertigen lassen. Er legte die elastische Haut
auf das Bett, wandte sich zurueck und kramte in einer Schublade.
"Was, das Ding soll ich tragen, bist du verrueckt?" In einem kurzen
Morgenmantel stand Mara vor ihm. "Das ist noch lange nicht alles."
Er zog die Vollgummimaske aus der Schublade und hielt sie hoch.
Mara stampfte mit dem Fuss auf den Boden: "Nein! lch hatte an den
Minirock und die Jacke gedacht, aber doch nicht an das!" - "Schaetzchen,
du hast die Wette verloren, dein Pech." Sie schob die Unterlippe
vor und ging ab in die Kueche. Da sass sie nun, schaute ihn nicht
an und ruehrte in ihrer Kaffeetasse. "Wir machen das so", hub er
an: " Wir fahren in die Stadt, ich lasse dich am Anfang der Fussgaengerzone
raus. Parke am anderen Ende und komme dir zu Fuss entgegen." Sie
fruehstueckte wortlos. Er beschloss, lieber den Mund zu halten und
warete geduldig ab. Ploetzlich stand sie auf. "Los, du kannst mir
wenigstens beim Anziehen helfen!", schallte es aus dem Schlafzimmer.
Er ging sofort hinterher. Mara sass nackt auf dem Bett. Frank kniete
sich vor sie. Wie immer war er entzueckt von ihren sehnigen Fuessen
mit den lackierten Naegeln. Er kuesste ihr den Rist und dann den
Knoechel. Als er an ihrer Wade hochleckte, entzog sie sich ihm unwillig:
"Komm, zieh mich an !"
Die schulterlangen
Handschuhe machten etwas Muehe, so dass Frank das Babypuder holte.
Er streute ihn auf ihren Koerper, in das Ende der Handschuhe, und
massierte hingebungsvoll ein. Sobald ihr gebraeunter Koerper ganz
mit einem mehligen Glanz ueberzogen war, griff er zum Latex- overall
und oeffnete den langen Rueckenreissverschluss, der kurz unterm
Bauchnabel endete. "Du musst vorsichtig hineinschluepfen, er ist
nicht besonders dick !" Sie nickte und hob den linken Fuss. Er schob
das das Bein des Overalls ueber ihres, strich von unten, zog von
oben und atmete den starken Geruch des fabrikneuen Materials ein.
Langsam fuellte sich die schlaffe Huelle. Er zog den langen Reissverschluss
durch den Schritt muehelos zu. Am Ruecken musste sie ausatmen und
die Luft anhalten. "Sitzt gut?", fragte er. Sie zupfte ueber ihren
zusammengepressten Bruesten vorsichtig an der zweiten Haut: "So,
jetzt ist es gut - sehr gut." Frank staunte wieder. In diesem Anzug
war Mara noch perfekter als perfekt. Er saugte seine Augen an ihr
fest und strich an ihren glattbedeckten Schenkeln hoch, fuehlte
eine angenehme Rundung, die konkave Beugung der Taille und der Rippen
die dann ploetzlich unter zwei weichen, festen Huegeln verschwanden.
Griff er fester zu, beschwerte sich das Material mit leisem Quitschen.
Mara gab sich seinen Beruehrungen fast teilnahmslos hin, laechelte
aber und ergotzte sich an seinem Begehren. Sie sah an sich herunter:
"Wir haetten mich vielleicht vorher rasieren soIlen." Tatsaechlich
waren die Konturen ihrer Schamhaare deutlich zu erkennen. Sie grinzte.
Langsam fand sie Gefallen an der Sache. Frank half ihr in die hochhackigen,
oberschenklangen Lacklederstiefel hinein und schloss den ebensolangen
Reissverschuss. Frank loeste sich von diesem Anblick, nahm die Maske
und bestand auf den Aufbruch. Mara zog sich einen hellen Trenchcoat
ueberer, der sie bis zu den Waden bedeckte. "Kann ich nicht wenigstens
bis zum Auto irgendwelche anderen Schuhe anziehen?" fragte sie.
"Wenn wir jetzt jemandem begegnen!" "Du siehst ziemlich normal aus",
stellte Frank fest. Er fasste sie unter und beleitete sie zum Fahrstuhl.
Als die Tuer sich geschlossen hatte, drueckte er sie an sich. Die
daemmerige Tiefgarage war menschenleer. Wortlos stiegen sie in das
Auto. Es gab eine Menge Verkehr. "Kein Wunder, genau, wie wir es
uns vorgestellt hatten: Langer Samstag, die ganze Stadt auf den
Beinen." Frank freute sich, Mara weniger. Jetzt wurde ihr wieder
mulmig, besonders, als Frank ihr die Maske reichte. "Koennen wir
die Maske nicht einfach weglassen?" fragte sie schmeichelnd. Frank
blieb hart. "Nein, gerade darauf bin ich scharf. Aber du kannst
sie ja bald wieder ausziehen, in einer Viertelstunde ist alles vorbei
!" So bemuehte sie sich seufzend, sie ueber ihren Kopf zu ziehen.
"Au, das bloede Ding reisst mir die Haare aus" klang es dumpf unter
der duennen Gummimaske. Frank blickte mit einem Auge nach rechts.
Mara war nicht mehr zu erkennen: Eine schwarzglaenzende Gummipuppe
sass auf dem Beifahrersitz. Er war fasziniert und musste sich darauf
konzentrieren auf die Strasse zu achten. Bald waren sie da. Frank
stoppte kurz im Halteverbot. "Ich komme dir von der anderen Seite
aus entgegen, bis gleich. Du siehst hinreissend aus !" Sie warf
den Trenchcoat ab und schlug die Tuer von aussen zu. Gluecklicherweise
war sie es gewohnt auf hohen Schuhen zu gehen. Muehe machte ihr
eher die Maske, die zum einen ihre Sicht etwas behinderte, zum zweiten
das Atmen erschwerte.
Der Weg, den
sie zu gehen hatte, war nicht besonders weit. Etwa fuenfhundert
Meter waren zurueckzulegen, Frank hatte ihr einen Teil erlassen.
Diese fuenfhundert Meter aber hatten es in sich. Kaum war sie ausgestiegen,
war sie schon von einer Gruppe kichernder Japaner umringt, die sie
auf Fotos und Videonband bannten - fuer die in der Heimat zurueckgebliebene
Verwandschaft. Der etwas ratlos wirkende Stadtfuehrer lenkte ihre
Aufmerksamkeit bald wieder auf das historische Rathaus. - Den Platz
ueberquerte sie dann ohne groessere Muehe, schwierig wurde es erst
wieder an den U-Bahn-Ausgaengen, aus denen wahre Menschenmengen
quollen. Es half nichts, um zum Auto zu gelangen musste sie da durch.
"Mutti, Mutti", ein kleines Maedchen zerrte an seiner Mutter, "da
ist Catwoman, vielleicht ist Batman auch in der Naehe, lass uns
'mal gucken!" Mara achtete nicht mehr auf die Antwort der Mutter,
denn in dem Gedraenge hatte ihr jemand die Hand zwischen die Beine
geschoben. Sie stiess dem grinsenden Widerling mit aller Kraft ihren
Ellenbogen in die Rippen. Von links kam ein aelteres Paar und schrak
bei ihrem Anblick zusammen. Von rechts toente es: "Ja, ist den schon
wieder Fasching?" Zwei Jungen fachsimpelten: "Ein Android. Vom Mars"
- "Nein, vom Vulkan!" Mara hoerte Wortefetzen wie "unmoeglich",
"pervers" und "ungeniert". Eine Gruppe Jugendlicher vermutete Filmaufnahmen
und hielt nach der Kamera Ausschau. "Komm mit zu mir", raunte ihr
jemand ins Ohr. Sie fluechtete. Endlich gab es wieder mehr Platz.
Die Menschen wichen jetzt vor ihr auseinander und gafften ihr nach.
Einige folgten ihr. Sie schwitzte inzwischen gewaltig unter dem
hautengen Overall. Wenn ihre Beine sich beruehrten, gab es ein quitschendes
Geraeusch. Die feste Naht ihrer Bekleidung drueckte sich in den
Schritt und loeste ploetzlich eine starke Erregung in ihr aus. Im
Gehen betrachtete sie sich in einem spiegelnden Schaufenster. Sie
kam sich ausgesprochen obszoen vor. Sie war gleichzeitig verkleidet
und nackt, kuenstlich und natuerlich. Ihr Gesicht war wie aus dunklem
Marmor, wie Maschinen wirkten ihre Muskeln, das elastische Fleisch
wie schwarzes Silikon, die hohen Stiefel, die ihrem Korper eine
steife Haltung aufzwangen, betonten diese Widerspruche noch. Sie
war eine lebende Vision, der fleisch- gewordene Traum- oder Alptraum,
je nachdem. Sie hielt Ausschau nach Frank und aergerte sich darueber,
sich uberhaupt von ihm getrennt zu haben. Frank sah sie nicht, dafur
aber zwei Polizisten, die vor ihr in dieselbe Richtung schlenderten.
"Herrje, an die haben wir ja gar nicht gedacht", fuhr es ihr durch
den Kopf. Einer der Polizisten drehte sich um und sah sie an. Er
stiess seinen Kollegen an. Beide drehten sich um. Sie blieben stehen
und grinsten. Mara ging ungehindert an ihnen vorbei. Sie atmete
auf und ueberlegte, wie sie den naechsten Ausgang der U-Bahn, der
in naechster Naehe lag, ueberleben sollte. Da schoss ploetzlich
ein kleines Maennchen aus der Menge auf sie zu: "Also, das ist ja
ganz unmoeglich! So kann man doch nicht draussen umherlaufen! Anzeigen
sollte man solche wie Sie, anzeigen!" Er huepfte auf die Polizisten
zu. "Sie, Herr Wachtmeister, sorgen Sie doch da einmal fuer Ordnung,
so etwas geht doch nicht, das ist ja Erregung oeffentlichen Aergernisses!"
Mara kochte.
Sie hatte alles andere als Lust, sich jetzt noch auf einem Polizeirevier
rechtfertigen zu muessen. Und Frank war auch nicht zu sehen. So
setzte sie sich so schnell, wie es ihr in den hohen Stiefeln und
dem engen Anzug nur moeglich war, in Bewegung und lief in den U-Bahn-Eingang.
Auf der Rollbreppe draengte sie die Leute zur Seite. Manche kreischten
laut auf, andere bedachten sie mit wilden Verwuenschungen, wenn
sie von Maras Gummihand beruehrt wurden. Als sie sich kurz umblickte
sah sie die beiden Polizisten, die ihr - aller urspruenglicher Kulanz
zum Trotz - gefolgt waren. Sie hatte sich wohl zu schnell bewegt
und dadurch den rudimentaeren Instinkt der Beutegier bei ihnen wachgerufen.
Die beiden kamen in dem Chaos, das sie auf der Treppe hinterlassen
hatte, allerdings recht schlecht voran. So rueckwaerts blickend
stolperte sie am Fuss der Treppe ueber einen Mann. "Frank! Du Miststueck!
Wo warst Du so lange?" artikulierte sie undeutlich. Er zerrte sie
mit sich: " Komm, wir muessen hier weg!" Auf dem Marmor der unteren
Ebene tackerten ihre Schuhe. Das Echo hallte von den Waenden und
vermischte sich mit dem Rattern der einfahrenden U-Bahn. Mara stolperte
an Franks Arm um die Ecke. Schon ertoente das "Zurueckbleiben, bitte!".
Mit einem letzten Sprung waren die beiden in dem Wagen. Die Tueren
schlossen sich. Zurueck blieben zwei atemlose Polizisten. Mara zerrte
sich die Maske vom Gesicht und schuettelte die feuchten Haare aus.
Frank reichte ihr ihren Trenchcoat: "Du warst wunderbar!" - "Woher
willst Du das wissen?" fauchte Mara. "Ich habe Dich die ganze Zeit
beobachtet!" - Dafuer bekam er eine Ohrfeige, die er zwar ueberrascht,
aber doch mit Haltung hinnahm. Der Abdruck von Maras Hand war noch
zu erkennen, als sie lange schon wieder zu Hause waren.
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E N D E
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