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Dieser Blick.
Mary begegnete ihm nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Ein klarer,
harter, aber unbeteiligter Blick. Mit Sicherheit die arrogantesten
Blauaugen zwischen Lands-End und dem aeussersten Zipfel Schottlands.
Aber ungemein interessant ...
Seit er ins
Flackerlicht der Londoner Nobeldiskothek in der Hyatt Street getreten
war, hatte ihn Mary nicht mehr aus den Augen gelassen. Mal etwas
anderes. Schnieke Popper und schockfarbene Punker gab es schliesslich
an jeder Strassenecke. Extremer Einheitslook einer uniformen Gesellschaft.
Dafuer war kein Platz in Marys ausgezeichneter Erziehung. Behuetete
Kindheit, Privatschulen und das Studium an der Oxford-University
hatten Modetrends und Traeger endgueltig degradiert.
Keine Chance
fuer Nachlaeufer. Das wurde allen zeitweiligen Begleitern zwangslaeufig
klar: Mary war anspruchsvoll. In jeder Beziehung. Sie kannte fast
jeden Winkel der Erde von ausgedehnten Reisen in Begleitung ihrer
Eltern, sie kannte die besten Lokale von diversen Einladungen wechselnder
Verehrer und sie kannte auch danach alle Tricks, die Anwaerter beiderlei
Geschlechts anwanten, um bei Mary mehr als nur kurzzeitigen Eindruck
zu hinterlassen. Denn Mary war eines jener Maedchen, fuer das jeder,
der nur in Sichtweite kam, die besten Jahre seines Lebens opfern
wuerde. Und es hatte schon viele Opfer gegeben. Haare wie nachtschwarze
Seide, eine Figur, die selbst sittenstrenge Gottesdiener begeistert
in die Suende treiben wuerde, und das alles von einem Laecheln veredelt,
das Kriege verhindern oder entfachen koennte.
Mary war schoen.
Und sie wusste das. Eine gefaehrliche Kombination. Keiner konnte
dem lange genug wiederstehen. Alle hatten sich nach kurzer Zeit
in winselnde Bittsteller verwandelt, die um ein klein wenig Liebe
flehten. Sie hasste sie alle. Es war immer dasselbe und es wurden
immer mehr. Aber mit jedem Neuen wuchs Marys Hass. Und allmaehlich
kam eine seltsame Art Freude auf. Sie begann, die sklavische Abhaengigkeit
ihrer Verehrer zu lieben. Und zu hassen. Gleichzeitig und mit zerstoererischer
Intensitaet.
Langsam aber
war der Funke erloschen. Gleichgueltigkeit. Die ewig langweiligen
Feste feister Freunde, Abende zwischen Langeweile und Ekel.
Und jetzt er.
Noch nicht einmal
hatte er in ihre Richtung gesehen. Sein Blick schien die Menschen
auf der Tanzflaeche nicht einmal wahrzunehmen. Dieser Blick -- er
musste irgendwo weit hinter den Augen entstehen. Lange, gepflegte
Finger umschlossen ein Glas. Es war leer. Er schien es nicht zu
bemerken. Am schwarzen Nadelstreifenanzug, sicher vom besten Schneider
der Londoner Saville Road, glitzerte ein metallisches Emblem im
Licht der Neonroehren. Ein winziger Schluessel?
Da langsam,
ganz langsam wandte er die Augen in ihre Richtung, wild flackernde
Lichtreflexe in den hellblonden Haaren, die Augen kalt, unbeteiligt,
unheimlich.
Mary wusste
nicht, wie lange sie diesen Augen standgehalten hatte. Wie durch
einen Vorhang sah sie ihn, wie er einem Maedchen am selben Tisch
etwas zusteckte und dann wieder in Gedanken versank, unbeteiligt,
unheimlich.
"Entschuldigen
Sie bitte!"
Die zarte Maedchenstimme
drang kaum durch den Hoellenlaerm donnernder Tanzmusik. Der Plattenspieler
hatte eine weitere Schmerzschwelle gnadenlos ueberschritten, der
Boden bebte im Rhythmus, die Glaeser an der Bar klirrten im Takt.
"Bitte sehr!"
Das Maedchen
schob eine schmale Karte in Marys Hand. Zwei Zeilen einer eleganten
Handschrift:
"Ich erwarte
Sie morgen frueh in Sutmore Close auf Walnut Island."
Kein Name, nur
ein kleiner, goldener Schluessel am unteren Ende.
"Hallo, Sie!"
Aber das Maedchen
war schon wieder verschwunden. Auch er war nicht mehr da ...
Sutmore Close
-- allzuviel war auf der verwitterten Metalltafel nicht mehr zu
erkennen. Jahrzehnte hatten sie zernagt. Dicke Steinquader, dazwischen
ein schweres, schmiedeeisernes Tor. Darunter Lautsprecher und Klingelknopf
einer modernen Sprechanlage.
"Sie wuenschen?"
"Guten Tag,
mein Name ist Mary Ralston. Ich werde erwartet."
"Bitte kommen
Sie herein."
Lautlos schwang
das Tor nach rechts und gab einen feingeharkten Kiesweg frei. Zwischen
uralten Eichen im fahlen Lichtschein, dahinter mehrere erleuchtete
Fenster, ein grosses, duesteres Anwesen mit breitem, geschwungenen
Aufgang. Die gewaltige Eingangstuer stand weit offen. Vorsichtig
stieg Mary die steinernen Stufen herauf. Ihre spitzen Absaetze erzeugten
ein hohles Geraeusch, das von den Waenden gespenstisch zurueckklang.
Nicht gerade einladend -- aber Mary hatte schon ganz andere Situationen
erlebt.
"Guten Abend,
fuehren Sie mich bitte zu ..."
Die Ueberraschung
liess ihre Stimme stocken. Statt livriertem Butler stand im erleuchteten
Eingang ein Maedchen. Gross und schlank, die Laenge ihrer atemberaubenden
Beine noch durch hochhackige Schuhe betont. Doch das war nicht das
Erstaunlichste: das Maedchen war in ein bizarres Kleidungsstueck
geschnuert, eine Art Corsage aus schwarzem Leder, die bis zu den
Knien hinabreichte und sie zwang, sich mit kleinsten Schritten zu
bewegen. Die zerbrechliche duenne Taille war so brutal zusammengezogen,
dass die ueppigen Brueste ueber den oberen Rand der Corsage in ausgearbeitete
Koerbchen gepresst wurden. Sie hoben und senkten sich bei jedem
Atemzug. Die Arme des Maedchens steckten in langen schwarzen Handschuhen,
die ihr fast bis an die Schulter reichten. Um den schmalen Hals
trug sie ein staehlernes Halsband, sehr breit und dick, ohne erkennbaren
Verschluss, mit abgerundeten Kanten, an dem vorne ein massiver Ring
befestigt war.
Und in der ganzen
Aufmachung schien sie sich auch noch wohlzufuehlen! Sie laechelte
-- war das nicht das Maedchen, das gestern in der Diskothek die
Karte ueberbracht hatte?
"Folgen Sie
mir bitte. Wir warten bereits."
"Sie warten
...", aber da hatte sie schon eine eichene Tuer geoeffnet und mit
wiegenden Hueften den naechsten Raum erreicht.
"Guten Abend,
mein Fraeulein."
Aus einem der
schweren Ledersessel hatte sich eine Gestalt erhoben, ein Glas in
der Hand, den klaren, durchdringenden Blick direkt auf Marys Augen
gerichtet.
"Ich freue mich,
Sie wiederzusehen. Und ich darf bei Ihnen dieselben Gefuehle voraussetzen.
Bitte setzen Sie sich und hoeren genau zu, denn was ich Ihnen jetzt
zu sagen habe, werde ich nicht wiederholen. Und es wird Ihr Leben
vollstaendig veraendern. Reden sie nicht. Noch nicht ...
Ich habe ueber
Sie Erkundigungen einziehen lassen, ueber Ihre Eltern, Ihre Freunde,
Ihre Verhaeltnisse, nicht einmal Ihre versteckten Geheimnisse sind
mir verborgen geblieben. So weiss ich, dass Sie fuer das, was ich
mit Ihnen beabsichtige, ausgezeichnete Voraussetzungen bieten. Caroline
hat Ihnen ja bereits einen kleinen Vorgeschmack geboten."
Mit einer knappen
Handbewegung wies er auf die zierliche Gestalt, die bewegungslos
in einer dunkleren Ecke des Raumes wartete.
"Ja, aber wie
kommen Sie ... ?"
"Wie ich darauf
komme, dass bedingungslose Unterordnung einer Ihrer geheimen Wuensche
ist? Ich habe Sie analysieren lassen. Mit recht aufschlussreichen
Ergebnissen. Die moderne Psychologie verfuegt heutzutage ueber Mittel
und Methoden. Aber genug davon. Ich weiss, dass Sie in naher Zukunft
keinerlei Verpflichtungen oder Verabredungen haben. Ihren Eltern
erzaehlen Sie zunaechst von einem Urlaub in der Karibik -- den Sie
ohnehin schon lange planen. Und jetzt ... erklaeren Sie sich bereit!"
Der kalte, unnachgiebige
Blick drang direkt in Marys Unterbewusstsein, loeschte jede Weigerung,
bezwang den Willen und hinterliess ein dumpf flackerndes Gefuehl.
Neugier? Angst? Wahrscheinlich beides. Da war die Gefuehlsrichtung
einerlei. Es passierte etwas. Egal was.
Und es passierte,
ohne dass sie darueber eine direkte Kontrolle ausueben konnte. Ein
eigenartiger Moment. Aber neu und ungewohnt.
Ploetzlich wurde
sie an beiden Armen gefasst und aus dem Sessel gezogen. Nicht brutal,
aber bestimmt und ohne Widerspruch zuzulassen. Ein zweites Maedchen,
wie Caroline in eine lange, schwarze Ledercorsage geschnuert und
auf hochhackigen Schuhen taenzelnd. Wie in Trance sah sich Mary
aus dem Zimmer geleitet, einen hell erleuchteten Gang entlang, dann
in einen weiteren Raum mit gepolsterter Tuer.
"Wir werden
Sie jetzt fuer die Nacht vorbereiten. Haben Sie keine Angst."
Hinter der Tuer
war absolute Dunkelheit. Und bevor sich Marys Augen daran gewoehnen
konnten, hatte das Maedchen ihr eine Kapuze ueber den Kopf gezogen.
Nein, das war keine Kapuze, eher eine engsitzende zweite Kopfhaut,
die sich immer knapper ueber die Augenlider, die Lippen, ueber den
ganzen Kopf legte. Marys langes, schwarzes Haar war durch eine Oeffnung
nach hinten zu einem Pferdeschwanz gefasst, unter dem Caroline die
Schnuerung von oben nach unten zuzog. Der Lederhelm war anhand von
Fotografien exakt Marys Gesichtskonturen angepasst. Blind, taub
und stumm konnte sie nur noch erahnen, wie die letzten Zentimeter
festgezogen und die Maske mit einem kleinen Schloss gegen unberechtigtes
Oeffnen gesichert wurde.
Jetzt war sie
hilflos, ausgeliefert einer fremden Phantasie. Ohne dass sie sich
dagegen zur Wehr setzen konnte, spuerte sie, wie sich viele Haende
an den Knoepfen ihrer Seidenbluse zu schaffen machten und einen
nach dem anderen langsam oeffneten. Dann streifte sie jemand mit
sanfter Gewalt ueber ihre nach hinten gebogenen Arme. Fast gleichzeitig
glitt ihr Rock nach unten, zarte Finger loesten die Klipse des Strumpfguertels,
den Verschluss ihres Buestenhalters. Das Hoeschen wurde einfach
zerschnitten.
Jetzt war Mary
nackt -- bis auf die Ledermaske, die gerade genuegend Luft durch
die kleine Oeffnung an der Nase, aber sonst weder Licht noch Geraeusche
durchliess. Wieder wurde sie von zarten Haenden ergriffen und wenige
Schritte durch den unbekannten Raum gefuehrt. Irgend etwas schien
sich ueber ihrem Kopf abzuspielen, aber sie konnte den Sinn und
Zweck der Aktion nicht genau lokalisieren.
Ploetzlich spuerte
sie eine Kraft, die sie unnachgiebig nach oben zog -- nicht viel,
nur so wenig, dass sie auf Zehenspitzen stehen musste. Jetzt war
sie unfaehig, auch nur einen Schritt auszuweichen. Da -- wieder
eine Beruehrung. Diesmal flaechig, von der Ferse bis zum Hals eine
einzige kalte Wand. Mary erschauerte. Was hatte man mit ihr vor?
Auf einmal schien die kalte Wand um sie herum zuzuklappen, jetzt
wurden ihre Arme an den Koerper gepresst.
Das war keine
Wand. Es musste eine genau angepasste Lederhuelle sein, in die sie
immer fester eingeschnuert werden sollte! Schon waren ihre Beine
bewegungslos, jetzt nahm der Druck auf die Arme zu. Die Lederhuelle
war anscheinend mit stabilen Laengsstreben versehen -- Mary spuerte,
wie sie unnachgiebig geradegezogen wurde. Schliesslich liess der
Zug an der Maske nach. Im ersten Moment durchzuckte Mary nur ein
Gedanke: "Ich falle!" Aber die versteifte Lederhuelle liess sie
langsam nach hinten kippen, bis sie von vielen Haenden aufgefangen
und auf eine weiche Unterlage getragen wurde.
Der erste Gedanke
war: "Ich muss wohl getraeumt haben." Doch schon der zweite machte
Mary unmissverstaendlich klar, dass hier alles Realitaet war. Sie
fand sich unfaehig, auch nur den kleinen Finger zu ruehren. Trotzdem
war sie allem Anschein nach eingeschlafen, eingeschnuert in einen
Lederkokon, der sie voellig bewegungslos in einen tiefen Schlaf
gezwungen hatte. Doch jetzt schien die Nachtruhe beendet: die Schnuerung
liess nach, zuerst an den Beinen, dann konnte sie auch ihre Arme
wieder ausstrecken. Ein unbekanntes Gefuehl der Leichtigkeit durchstroemte
Mary, es war wie federleichtes Schweben.
Herrlich!
Aber es sollte
nicht lange dauern ...
Mary erwachte.
Ganz langsam, fast zaghaft versuchte sie, einen klaren Gedanken
zu formen. Doch die Traeume der letzten Nacht behielten die Oberhand.
War das alles womoeglich doch ein Traum gewesen, ein Gespinst aus
geheimen Sehnsuechten und unerfuellten Wuenschen? Die seltsame Begegnung
im naechtlichen London, das duestere Schloss, der Empfang durch
die bizarr gekleidete Dienerin. Hatte sie das alles nur getraeumt?
"Ich hoffe,
Sie hatten eine angenehme Nacht!"
Mary oeffnete
die Augen. Da stand er. Jeder Zentimeter laechelnde Realitaet, nicht
die kleinste Moeglichkeit, auch nur einen Moment ins Traumland zu
fluechten. Es war also Wirklichkeit!
"Es tut mir
nicht im Geringsten leid, Ihnen ueber Nacht derartige Umstaende
bereitet zu haben."
Er wies, immer
noch laechelnd, auf den Lederkokon, der schwarz glaenzend in einer
Zimmerecke lag, die zweite Haut, in die Mary die Nacht ueber eingeschnuert
gewesen war.
"Und ich bin
sogar sicher, dass Sie meine Ansicht teilen."
Mary schwieg.
Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass sie nackt war. Nackt auf seidener
Bettwaesche, schonungslos seinen Blicken preisgegeben. Ein kurzer
Schauer ueberlief ihren makellosen Koerper.
"Dies ist Ihr
Zimmer. Das Personal wird Ihnen beim Ankleiden helfen. Bitte beeilen
Sie sich."
Die schwere
Tuer schloss geraeuschlos. Jetzt erst bemerkte Mary die prunkvolle
Ausstattung des Zimmers, weiss und gold in allen denkbaren Variationen,
kunstvolle Schnitzereien an wertvollen antiken Moebeln, der Fussboden
aus weissem Cararra-Marmor. Der Herr hatte Geschmack. Zumindest
sein Innenarchitekt, doch spaetestens an den grossen Fenstern, die
auf einen scheinbar endlosen Park fuehrten hatte der Zweck die Kuenste
beleidigt -- phantasievoll verziert zwar, aber dennoch von brutaler
Stabilitaet, liess ein Gitternetz aus Schmiedeeisen keinen Zweifel
daran, dass die Bewohnerin des Zimmers in dieser Richtung keinen
Ausgang zu erwarten hatte.
Und durch die
Tuer?
Mary starrte
auf das, was soeben durch den goldenen Tuerrahmen geschritten war:
Zwei Maedchen in aehnlicher Aufmachung wie am ersten Abend, auf
bleistiftduennen Stoeckelschuhen, die den trippelnden Schritten
gerade genug Halt boten, die derart verlaengerten Beine in Kniehoehe
durch den unteren Abschluss der engen Ledercorsage dicht zusammengehalten,
in der Taille unnachgiebig geschnuert, die vollen Brueste nach oben
gepresst und durch einen Lederriemen geteilt, der an einem staehlernen
Halsband angebracht war. Kuenstliche Geschoepfe aus einer anderen
Welt.
Doch das Merkwuerdigste
war -- sie hatten keinen Mund! Unter den faszinierend geschminkten
Augen wurde das ebenmaessige Makeup nicht einmal durch eine winzige
Andeutung unterbrochen. Die beiden stummen Dienerinnen bedeuteten
Mary, ihnen durch eine Seitentuer zu folgen, die in ein weiteres
Zimmer fuehrte, das offensichtlich einem orientalischen Baderaum
nachempfunden war. Der Duft schweren Parfuems durchzog das schwuelwarme
Innere. Wie auf ein geheimes Zeichen legten sich zwei abgerundete
staehlerne Armreifen um Marys Handgelenke. Sie hatte, gefangen vom
Anblick dieser Maerchenszenerie nicht mehr auf ihre Begleiterinnen
geachtet. Sanft zogen diese Marys Arme nach vorne, leise schnappten
zwei Oesen ineinander, eine Kette wurde eingehakt und langsam nach
oben gezogen. Dann begannen die beiden stummen Schoenen behutsam,
Marys Koerper mit einer undefinierbaren Substanz einzureiben, Gesicht,
Kopfhaut, Haende, Beine, jeden Zentimeter.
Was hatte das
zu bedeuten? Marys leiser Protest verklang unbeantwortet. Einige
Minuten spaeter wurde sie mit warmen Wasser uebergossen, ein gewaltiger
Schwall, der sie kaum zu Atem kommen liess. Und jetzt sah sie, was
die Substanz bewirkt hatte: saemtliche Haare hatten sich geloest,
auch die Haare ihres Venushuegels lagen ihr zu Fuessen. Jetzt war
sie nackter wie nie zuvor und den Traenen nahe.
"Was tut ihr
mit mir? Warum das alles?"
Keine Antwort,
nur die zaertlichen Bemuehungen der beiden stummen Dienerinnen,
auch das letzte Troepfchen Wasser in die flauschigen Tuecher zu
tupfen. Mit immer noch hochgezogenen Armen sah Mary, wie die Maedchen
begannen, sie anzuziehen. Eine der beiden oeffnete eine konturierte
schwarze Huelle, eine Corsage, aehnlich ihrer eigenen, passten sie
Marys ohnehin ausgezeichneten Koerperformen an und zogen langsam
und unnachgiebig zu.
Mary spuerte,
wie ihr das ungewohnte Kleidungsstueck mehr und mehr den Atem nahm,
die Taille zusammenpresste und den Beinen immer weniger Bewegungsfreiheit
liess. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Zug an ihren Haenden
nachliess und die beiden ein enganliegendes Satinkleid ueber ihren
straff geschnuerten Koerper zogen, das bis fast zum Boden reichte
und im Ruecken nochmals verschnuert wurde. Es war weiss, glaenzend
weiss, und die Umrisse, die Mary beim Blick in einem der vielen
Spiegel wahrnahm, schimmerten unirdisch. Es war schoen. Schrecklich
schoen. Grausam schoen.
Sanft fuehlte
sie sich auf eine seltsame Liege gezogen, die Arme und Beine in
Klammern festgehalten, den Kopf sacht, aber bestimmt auf die Liegeflaeche
gedrueckt. Wieder begann eine der Dienerinnen, eine Substanz auf
Marys Gesicht zu verteilen. Die staehlernen Klammern verhinderten
jeden Fluchtversuch. Dann glitt eine Beruehrung ueber Marys Mund,
eine duenne Haut, die kundige Finger unter der Nase und ueber die
Wangen glattstrichen. Jetzt war Mary stumm, unfaehig, auch nur ein
Wort ueber die versiegelten Lippen zu bringen. Sie hatte Angst.
Angst vor dem, was noch kommen wuerde. Aber eine Angst, die seltsamerweise
der Neugier wich. Sie spuerte wie Makeup aufgelegt wurde, duenne
Pinselchen die Wimpern faerbten, andere die Fingernaegel lackierten.
Dann oeffneten sich die Klammern. Weisse Pumps mit erregend hohen
Absaetzen standen bereit, die "Besichtigung" durch den Herrn und
Meister schien angesagt.
Mary wusste
nicht mehr, durch wieviele Tueren sie gegangen waren, in wie vielen
Gaengen das tickende Geraeusch ihrer Absaetze auf dem marmornen
Fussboden geklungen hatte. Das Anwesen musste ausgedehnte unterirdische
Raeume besitzen. Sie waren viele Stufen hinuntergeschritten, was
Mary anfangs einige Schwierigkeiten bereitet hatte. Doch die beiden
Begleiterinnen liessen ihr keine Wahl.
Man fuehrte
sie in eine grosse Halle, hinter schweren Samtvorhaengen keine Fenster,
im gewaltigen Kamin ein prasselndes Holzfeuer, ringsum wertvolle
Buecher und Folianten in verzierten Regalen und Schraenken, kostbare
Gemaelde mit finsteren Motiven - ein Raum, der Ehrfurcht gebieten
sollte. Und es auch tat. Mary musste in einem schweren Lederfauteuil
Platz nehmen, ein Stahlring wurde um ihren schmalen Hals gelegt,
der mit einer kurzen Kette an einem Ring der Sessellehne befestigt
wurde. Dann verschwanden die beiden Dienerinnen geraeuschlos.
Mary versuchte
nicht, gegen den Druck der Corsage, die Gewalt der Stahlringe anzukommen.
Sie war dem Willen dieses Mannes hoffnungslos ausgeliefert: Sklavin
seiner Phantasie. Und sie verspuerte zum ersten Mal den Anflug eines
vollkommen neuen Gefuehls, die Sinnlosigkeit eigenen Tuns durch
vollkommene Unterwerfung -- und damit einer Art besonderer Freiheit.
Paradox ... aber gerade fuer Mary ein tiefgreifendes, voellig unbekanntes
Erlebnis. Die Last der Selbstverantwortung war gewaltsam von ihr
genommen worden -- und sie genoss es. Sie konnte sich kaum bewegen,
kein Wort sprechen - und gerade das erregte Mary bis in die letzte
Faser ihres angespannten Koerpers.
Langsam erhob
er sich aus einem Sessel am Kamin und trat zu der weissschimmernden
Gestalt. In ihren Augen leuchteten die Lichtreflexe des Feuers,
ihre Brust hob und senkte sich unter ihren Atemzuegen, ihr versiegelter
Mund versuchte irgendetwas zu erklaeren. Er hob gebieterisch die
Hand. An seinem Handgelenk funkelte eine duenne Goldkette, ein kleiner
goldener Schluessel.
"Sie sind nun
in meinem Reich, in meiner Gewalt. Sie sind es so lange, wie es
mir gefaellt. Und es wird Ihnen gefallen. Denn das, was Sie bis
heute erlebt haben, war nur der Anfang. Ich werde Ihren Willen dem
meinen unterordnen, Sie zu meiner Sklavin machen. Ich werde Ihnen
aber auch zeigen, welch atemberaubende Empfindungen aus dieser Erfahrung
fliessen. Doch nun ist es auch an der Zeit, Sie ueber die Bewandnis
dieses kleinen Schluessels hier aufzuklaeren. Er passt zu einem
kleinen goldenen Schloss, wie Sie sicher schon vermutet haben. Ich
werde damit den Eingang zu Ihrer Pforte verschliessen lassen. Das
wird noch heute geschehen. Nadja! Annabel!"
Mit diesen Worten
traten die beiden schwarzgekleideten Maedchen herein. Sie oeffneten
Marys Halsband und geleiteten sie in einen Nebenraum. Dort loesten
sie die Schnuerung des Kleides und der Corsage. Die Mechanik der
Einrichtung war simpel, aber funktionell. Kaum war Mary in den lederbezogenen
Stuhl mit auseinandergespreizten Beinen festgeschnallt, klappte
er nach hinten. Mary spuerte wie durch eine dicke Wattewand, wie
jemand, den sie nicht erkennen konnte, vorsichtig ihre beiden Schamlippen
auseinanderzog. Und dann ein einziger berstender Schmerz!
Sie wusste nicht,
wie lange sie ohnmaechtig gewesen war. Man hatte sie in ihr Zimmer
getragen, die Versiegelung von ihren Lippen entfernt und in ein
seidenes Tuch gehuellt. Durch die vorhangverhangenen Fenster fiel
kein Licht mehr. Mary hatte jedes Zeitgefuehl verloren. Ihr Schoss
schmerzte noch, vorsichtiges Tasten ueberzeugte sie schnell davon,
dass auch das kein Traum gewesen war. Auch dieser Eingang war nun
verschlossen.
Jede Bewegung
unter dem seidenen Bettlaken machte ihr unwiderruflich klar: mit
dem kleinen goldenen Schloss, das man durch ihre Schamlippen gezogen
hatte, war sie zur voelligen Sklavin geworden. Das letzte Recht
auf eigene Entscheidung war ihr genommen. Sie war das Geschoepf
dieses Mannes, seinen Phantasien ausgeliefert, seiner Gewalt preisgegeben.
Ein kalter Schauer ueberlief den makellosen Koerper, der alle Haare
zu Berge stehen lassen haette.
Aber Mary hatte
keine Haare mehr ...
Jeder Gedanke
an ihr frueheres Leben, an ihre Studien in Oxford, die Flirts in
der feinen Gesellschaft Londons, das alles war fast ausgeloescht,
den bizarren Erlebnissen der letzten Tage gewichen. Da war nur noch
er. Und dieser Blick, der jedesmal, wenn er sie ansah, noch weiter
in sie eindrang, jeden Winkel ihrer verhaltenen Neugier ausleuchtete
und sie mit den Irrlichtern seiner Phantasie fuellte.
Und sie spuerte
mit seltsamer Faszination, dass sie immer weiter wollte, weiter
auf dem Weg in das unbekannte Gebiet der Hingebung, der absoluten
Abhaengigkeit vom Willen eines anderen. Doch sie fuehlte auch, wie
eine neue Kraft sich in ihr entwickelte. Was hatte er gesagt?
"Ich werde Ihren
Willen dem meinen unterordnen, Sie zu meiner Sklavin machen. Ich
werde Ihnen aber auch zeigen, welche atemberaubenden Empfindungen
aus dieser Erfahrung fliessen."Etwas davon hatte Mary schon zu spueren
bekommen. Jetzt wollte sie mehr ...
"Sie werden
bekommen, was Sie sich wuenschen!"
Mary schrak
aus ihren Gedanken. Ohne einen Laut war er ins Zimmer getreten,
hatte leise die schwere, mit kunstvollen Schnitzereien verzierte
Tuer hinter sich geschlossen.
"Wir erwarten
Gaeste heute Abend. Ich moechte Sie Ihnen vorstellen, auf meine
Art. Man wird Sie entsprechend vorbereiten."Damit verschwand er
wieder durch die Tuer, die sich gleich darauf erneut oeffnete. Nach
den grazilen Figuren und den taenzerischen Schritten zu schliessen,
mussten es die beiden Dienerinnen sein, die schon am Morgen die
Ankleideprozedur uebernommen hatten.
Das bizarre
Bild hatte sich in Marys Gedaechtnis eingegraben. Dennoch haette
sie die beiden Gestalten nicht wiedererkannt. Sie steckten von der
Kopfhaut bis an die Spitze der Absaetze in schwarzen, glaenzenden
Anzuegen in der Taille deutlich verstaerkt und zusammengeschnuert,
nur die Augen blitzten durch mandelfoermige Einschnitte aus der
tiefen Schwaerze. Waehrend Mary noch versuchte, das Material dieser
Anzuege zu ergruenden, das keinerlei Falten und keine sichtbaren
Naehte aufwies, wurde sie von den beiden Dienerinnen sanft aus dem
grossen Bett gezogen und in die Mitte des Raumes geleitet. Marys
Haende wurden an zwei ledergefuetterten Manschetten befestigt und
ueber eine an der Decke befestigte Kette in die Hoehe gezogen, so
dass sie auf den Zehenspitzen balancieren musste. Eine der beiden
Gestalten passte Schuhsohlen mit ueberhohen Absaetzen an, die andere
legte behutsam zwei Abdeckplaettchen aus Kunststoff auf Marys Augen.
Dann spuerte sie, wie zwei Pfropfen ihre Ohren verschlossen, sie
hoerte ihr Blut im Rhythmus ihres Herzschlages pochen.
Mary begann
zu froesteln. Bei jeder Beruehrung spitzer Fingernaegel zuckte sie
zusammen, und als sie fuehlte, wie sich zarte Haende zwischen ihren
Beinen zu schaffen machten, oeffnete sie den Mund, um zu schreien.
Doch bevor sie Luft holen konnte, hatte man ihr einen Knebel auf
die Zunge gelegt und den Mund mit einer klebenden Folie verschlossen.
Die Beruehrungen zwischen Marys Beinen wurden jetzt intensiver,
sie spuerte, wie das kleine goldene Schloss an ihren Schamlippen
abgenommen wurde.
Dann, zwei Dorne,
die die Eingaenge in ihren Koerper suchten und schliesslich in sie
eindrangen. Fuer einen kurzen Moment schien die langgestreckte Gestalt
in ihren Fesseln zu erstarren, dann ueberlief alle Muskeln des schlanken
Koerpers ein wiederholtes Zucken, das erst staerker wurde und schliesslich
langsam abnahm. Mary nahm kaum wahr, dass sie immer weiter in die
Hoehe gezogen wurde und endlich an den gefuetterten Manschetten
knapp unter der hohen Decke des Zimmers hing.
Ploetzlich lief
die Aufwaertsbewegung langsam rueckwaerts, nach unten. An den Zehen
zuerst, dann an den Beinen hoch, ueber die Knie stieg eine warme
zaehfluessige Masse, die immer hoeher kroch, jede Spalte von Marys
Koerper erreichte, ausfuellte, mit Ausnahme derer, die ihr von den
beiden Dienerinnen verschlossen worden waren. Jetzt wurden die festen
Brueste von der warmen Masse umflossen, dann reichte sie bis zum
Hals.
Da stoppte die
Bewegung. Mary konnte gerade noch einmal durch die Nase Luft holen;
schon waren auch die Nasenloecher mit festsitzenden Stopfen versiegelt.
Sekunden spaeter, bevor Panik in Mary hochsteigen konnte, schwappte
die weiche, warme Masse ueber ihren Kopf zusammen, um sofort wieder
abzutropfen. Schnell hatte man sie wieder herausgezogen und von
den Nasenstoepseln befreit. Doch von ihren Fesseln wollte sie offenbar
noch niemand losbinden. Trotz der gefuetterten Manschetten schmerzten
ihre Handgelenke sehr. Nach einer fast endlos erscheinenden Zeit
wurde sie langsam auf den Boden hinabgelassen. Die Spitzen der steilen
Absaetze beruehrten zuerst den Fussboden, dann konnte sie mit ihren
Zehenspitzen festen Grund ertasten. Vorsichtig wurden die Abdeckungen
ueber den Augenlidern entfernt.
Langsam glitten
Marys Blicke ueber flirrendes Weiss, einen Koerper, dessen Haut
zu leuchten schien. Der Aufschrei Marys war nur ein leises Atemholen,
das Geraeusch ihres zum Zerreissen pochenden Herzens das einzige,
das an ihre versiegelten Ohren drang. Dann loesten die Dienerinnen
behutsam die Handfesseln, so dass Mary ihren voellig eingehuellten
Koerper betasten konnte. Die erste Beruehrung loeste sofort einen
Orgasmus aus. Mary sank zu Boden, die beiden Dorne unter ihrer zweiten
Haut zitterten und bebten.
Als es ihr moeglich
war, einen klaren Gedanken zu fassen, bemerkte sie, wie sie von
vielen Haenden auf die Beine gestellt wurde. Schwankend versuchte
sie, auf den angepassten Absaetzen Balance zu halten, die jetzt
quasi mit ihren Beinen verbunden, ein Teil ihres Koerpers geworden
waren.
Behutsam wurde
sie von den beiden glaenzenden Gestalten in die Mitte genommen und
aus dem Zimmer geleitet. Das Material ihrer zweiten Haut dehnte
sich bei jeder Bewegung und gab ihr das Gefuehl, voellig eingeschlossen
zu sein. Die Dorne im Unterleib, beide miteinander verbunden und
durch die Eigenspannung festgehalten, rieben und wanden sich bei
jedem Schritt. Die Brueste waren bis ins feinste Detail durchmodelliert,
die weiche Masse hatte sich jeder Kontur exakt angepasst und war
dann angetrocknet. Ein undurchlaessiger Film, fast zwei Millimeter
dick, der Mary voellig umgab.
Man war im grossen
Saal angekommen, dem Saal, den Mary schon am ersten Tag ihrer Reise
ins Ungewisse kennegelernt hatte. Dem Saal mit den schweren Samtvorhaengen,
dem gewaltigen Kamin, in welchem auch jetzt ein Holzfeuer prasselte,
den kostbaren Gemaelden. In diesem Saal hatte sich Mary, mit einem
Stahlring an einen der grossen Lederfauteuils angekettet, die Worte
ihres Meisters anhoeren muessen. So auch jetzt:
"Sie sind nun
in meinem Reich, in meiner Gewalt. Und das, was Sie bisher erlebt
haben, war nur der Anfang!"
Schwarze lederne
Baender wurden um Marys schlanke Fussfesseln gelegt und an zwei
kurzen Ketten mit Stahlringen im Fussboden verbunden, die unter
einer versteckten Platte des Parketts zum Vorschein gekommen waren.
Sie musste die Haende in ebensolche Lederbaender legen, die zwischen
ihren Beinen hindurch nach hinten gezogen und an weiteren Stahlringen
befestigt wurden. Man verschloss ihr die Augen. Jetzt stand sie
da, blind, taub und stumm, angekettet mitten in dem grossen, dunkeln,
nur durch das Feuer erleuchteten Saal. Auf dem glaenzenden Material,
das ihren festgespannten Koerper bedeckte, flackerten die Lichtreflexe.
Nur muehsam konnte sie durch die beiden kleinen Nasenloecher der
festanliegenden Gesichtsmaske atmen. Wie durch eine Wand hoerte
sie ploetzlich Geraeusche, Stimmen, dann eine erste, fluechtige
Beruehrung am Ruecken, die sie bis ins Mark erzittern liess. Immer
mehr Haende, die den wehrlosen Koerper streichelten, liebkosten,
an jede denkbare Stelle reichten.
Auf einmal ein
leichtes Zerren an ihrem hochaufgerichteten Hinterteil, kaltes Metall,
das eine Oeffnung in die flexible Haut ueber ihrer Spalte schnitt,
den dickeren Dorn langsam herauszog, um die freigewordene Liebesgrotte
sofort wieder zu verschliessen. Mit langsamen Bewegungen drang jemand
in Mary ein, erst sacht, dann immer ungestuemer, groesser und wilder,
mit beiden Haenden fest um die schmale Taille der angeketteten Frau
gekrallt, mit schweren Stoessen, eine einzige, gleissende Explosion
der Sinne ...
Mary erwachte
erst wieder, als sich, zurueck in ihrem Zimmer, die Kunststoffhuelle
von ihrem Koerper zu loesen begann. Eine der Dienerinnen hatte mit
einer Schere den ganzen Kokon der Laenge nach aufgeschnitten. Danach
wurde ein Bad eingelassen und hinterher das kleine, goldene Schloss
wieder zwischen ihren Beinen angebracht. Bevor die beiden Dienerinnen
wieder die schwarze Lederhuelle um Marys Koerper festzurrten und
die Ledermaske ueber den Kopf zogen, versuchte sie noch zu fragen:
"Wer war es?" Doch sie erhielt keine Antwort. Bewegungslos eingeschnuert
erwartete Mary den naechsten Tag.
Totale Dunkelheit.
Schwarz wie die schwaerzeste Nacht, kein Lichtschimmer, der irgendwann
durch irgendeine versteckte Ritze faellt und fuer Sekunden nur einen
matten Schimmer auf die naechste Umgebung werfen kann. Dazu noch
absolute Stille, nicht das rhytmische Knacken einer Uhr, der die
Chips noch Geraeusch gelassen haben, kein Treppenknarren, kein Autohupen,
nichts. Ueberhaupt nichts. Nur dieses Gefuehl. Auf jedem Zentimeter
Haut, jedem Winkel des zum Zerreissen gespannten Koerpers, der nicht
zerreissen kann, nicht ausreissen, keine Muskelfaser ruehren, nichts
tun kann. Um es abzustreifen, loszuwerden, irgendwie zurueckzufinden
aus -- der Lust. Einer Lust, die nicht mehr nur "da unten" sitzt,
weit weg und immer unter Kontrolle, einschalten, abschalten und
doch nur ein Anflug von Begierde. Stattdessen Lust, die Besitz ergreift.
Wie ein wildes Tier an sich reisst, keinen Ausweg laesst, sich im
Gehirn festsetzt und nur einen Gedanken kennt: Mehr! Noch mehr!
Eingeschnuert
in den engen Lederkokon, die Augen, die Ohren, der Mund verschlossen,
zu keiner Bewegung faehig, hatte die Phantasie Mary voellig in der
Gewalt. Sie war einer Gedanken- und Gefuehlswelt ausgeliefert, die
mit jeder Minute in der engen Lederhuelle intensiver, realistischer,
ja bedrohlicher wurde. Ihr Geist, der nicht mehr in der Lage war,
sich durch Bewegung, Sprache oder sonst zu aeussern, schaffte sich
ganz allmaehlich eine eigene Welt im Inneren, gaukelte Sinneswahrnehmungen
vor, Toene, Geraeusche, Bilder, die nur im Gehirn entstanden sein,
und nur dort verarbeitet werden konnten.
Gefuehl war
nicht laenger mehr nur eine abstrakte Groesse. Jede Beruehrung,
offensichtlich nicht nur eine gedachte und nicht tatsaechliche,
brach wie ein Blitz in Marys Gedanken, liess die permanent vorhandene
Lust wie ein Feuerwerk aufflackern und nur einen Wunsch zurueck:
ganz Koerper zu sein, sich aufzugeben und dadurch -- vielleicht
-- zu einem anderen Ich zu finden. Wenn er es so wollte?
Aber noch war
sein Prozess der Umformung nicht abgeschlossen. Mary spuerte, wie
der zarte Druck auf ihr Gesicht langsam nachliess, konnte Haende
fuehlen, die ihren Kopf vorsichtig einige Zentimeter vom Kissen
hoben und die Verschnuerung am hinteren Ende loesten. Die lederne
Maske wurde abgehoben. Mary hielt die Augenlider zunaechst fest
zugepresst, erwartete einen grellen Lichtschein, der die wilden
Phantasiebilder mit einem Schlag ausloeschen wuerde. Doch der brutale
Einbruch in die Realitaet blieb aus. Nur ein dezenter, gelb- goldener
Schimmer durchflutete den Raum. Gerade genug, um schemenhafte Gestalten
zu erkennen, die neben dem Bett standen. Sie schienen auf etwas
zu warten.
Mary oeffnete
die Augen ganz. Da beugte sich eine der Gestalten langsam zu ihr
herab, ein schoenes Frauengesicht zwischen langen, nachtschwarzen
Haaren, die wie feiner Sand auf Marys Wange fielen. Es musste eine
der Dienerinnen aus seinem Gefolge sein, denn sie hatte keinen Mund.
Der Ansatz der hauchduennen Gummihaut, die sich eng ueber die fest
geschlossenen Lippen schmiegte, war kaum zu erkennen. Zudem machte
das perfekte Makeup den verblueffenden Eindruck noch eindrucksvoller.
Die Augen unter den langen Wimpern schienen zu sprechen. Eine Frage?
Aber kein Laut. Sanft hoben und senkten sich ihre Brueste ueber
dem Ansatz des gnadenlos engen Korsetts, mit dem sie auch am Hofe
Ludwigs XVI. zu den Favoritinnen gezaehlt haette. Mehr als 30 Zentimeter
konnte der Umfang der zerbrechlich schmalen Taille nicht betragen.
Mary war kaum faehig, ihren Blick von dieser faszinierenden Erscheinung
abzuwenden. So hatte sie kaum wahrgenommen, dass eine weitere Dienerin
die enge Lederhuelle geoeffnet hatte und ihr jetzt bedeutete, aufzustehen.
Noch etwas benommen setzte sich Mary auf, betastete mit nackten
Zehen den kalten Marmorfussboden und versuchte, auf die Beine zu
kommen. Sie stand kaum, als ihr auch schon lederne Armbaender um
die Handgelenke gelegt wurden, ein Verschluss klickte leise. Unnachgiebig
zog es ihre Haende nach oben.
Das Ankleiden
hatte begonnen.
Ein ploetzlicher
Druck um ihre Taille, der staendig zunahm, ihr fast den Atem raubte,
dann wieder nachliess um kurz darauf noch staerker zuzupacken. Man
hatte ihr ein Korsett umgelegt, eines von der stahlharten Sorte
und war nun dabei -- so wenigstens empfand Mary --sie in zwei Teile
zu schneiden. Als der Druck nicht mehr zunahm, stand sie einige
Minuten keuchend, bis sie sich, schneller als erwartet, an die ungewohnten
Atemverhaeltnisse gewoehnt hatte. Anscheinend war die Prozedur mit
dem Ueberziehen eines schwarzen Minikleidchens aus glaenzendem Latex
beendet, denn die Dienerin hatte ihre Arme aus den Ledermanschetten
befreit und machte nun keine Anstalten, sie wieder festzubinden.
Doch da zog
die zweite Dienerin eine lange, duenne Goldkette aus einem kleinen
Behaeltnis. Bevor Mary zurueckweichen konnte, hatte die Dienerin
das eine Ende um Marys Hals gelegt und mit einem unsichtbaren Mechanismus
einschnappen lassen. Damit zog sie Mary langsam, aber unerbittlich
nach unten, trat hinter sie und zog ihr das andere Ende zwischen
den Beinen hindurch. Ploetzlich spuerte Mary, wie sich kundige Finger
an dem kleinen Schloesschen vor ihrer Pforte zu schaffen machten.
Es schmerzte leicht und das lose Ende der duennen Kette war mit
dem Schloesschen untrennbar verbunden.
Mary durfte
sich aufrichten. Wie eine weithin sichtbare goldene Faehrte lief
die Kette von ihrem Hals ueber das schwarze Latexkleid, um in sanftem
Bogen leicht pendelnd zwischen ihren Beinen zu verschwinden. Die
schwarzen Lackschuhe mit den hohen Pfennigabsaetzen zierte ebenfalls
jeweils ein duennes goldenes Kettchen, das von den Dienerinnen um
Marys Fesseln gelegt und mit den Schuhen verschlossen wurde. Ein
lustvoller Schauer durchlief ihren Koerper.
"Sind Sie bereit?
Dann werden wir jetzt einen kleinen Ausflug in die feine Gesellschaft
unternehmen."
Er war eingetreten.
Sein weitschwingendes, schwarzes Pelzcape liess ihn noch groesser,
noch ehrfurchtgebietender erscheinen. Langsam glitt sein Blick aus
den kalten blauen Augen ueber Marys Koerper, folgte der schmalen
Goldkette ueber die schwarzglaenzende Oberflaeche des hautengen
Latexkleids. Er schien zufrieden:
"So ist es gut.
Folgen Sie mir."
Er reichte ihr
die Hand und Mary trippelte vorsichtig und mit kleinen Schritten
neben ihm her, die ausladende Treppe des Eingangs hinunter, wo ein
grosser Wagen mit laufendem Motor wartete. Der Chauffeur hielt die
hintere Tuer geoeffnet. Aber das war kein Chauffeur -- eher eine
Chauffeuse und unschwer als eine der Dienerinnen zu erkennen, die
sie schon des oefteren gesehen hatte: sie hatte keinen Mund. Der
Ansatz der hauchduennen Gummihaut, die sich eng ueber die fest geschlossenen
Lippen schmiegte, war kaum zu erkennen.
Nachdem Mary
und er Platz genommen hatten, schloss die stumme Dienerin die Tuer
und ging auf die andere Seite des Wagens. Die angedeutete Uniformjacke
ueber dem engen Rock sass knapp um die eng geschnuerte schmale Taille.
Da das Fahrzeug durch eine dunkle Glasscheibe geteilt wurde, konnte
Mary nur noch die Umrisse der Fahrerin erkennen. Langsam setzte
sich der Wagen in Bewegung, knirschte vernehmlich ueber den Kies
der Zufahrt. Mary sah sich um und begegnete seinem Blick, der zum
ersten Mal so etwas wie versteckte Erwartung zeigte.
"Ich moechte
Sie nicht beunruhigen, aber es ist doch besser, wenn Sie nicht sehen,
wohin wir fahren."
Mit einer schnellen
Handbewegung hielt er ihre langen schwarzen Haare zusammen und zog
eine Latexmaske ueber ihren Kopf. Durch die Oeffnungen fuer Mund
und Nase konnte Mary Atem holen. Dunkelheit umhuellte sie und die
leisen Schaukelbewegungen des Wagens oeffneten sacht die Pforten
zur Phantasie. Sie unterschied sich kaum noch von der fantastischen
Wirklichkeit. Was hatte er mit ihr vor? Nicht dass sie es unbedingt
wissen wollte -- sie genoss diese voellige Entscheidungslosigkeit,
dieses Treibenlassen in den Strudel des Ungewoehnlichen.
Das Schaukeln
hatte aufgehoert. Die Wagentuer oeffnete sich und liess einen Schwall
warmen Abendwind herein. Mary spuerte eine Hand in ihrer, die sie
hinausgeleitete und dann zwei starke Arme. War das er, der sie ueber
einige Stufen trug? Die Geraeusche veraenderten sich.
Sie mussten
eine grosse Halle betreten haben, auf deren Fussboden die Schritte
vieler Leute klickten und klapperten. Mary wurde auf die duennen
Spitzen ihrer hohen Absaetze gestellt und festgehalten. Noch blind
und benommen von der Schaukelei haette sie sofort das Gleichgewicht
verloren. Jemand zog ihre Arme nach hinten und machte sich an der
Schnnuerung ihrer Latexmaske zu schaffen. Ploetzlich war die warme
weiche Huelle nicht mehr da, die unvermittelte Helligkeit brannte
in den Augen, Mary warf den Kopf nach hinten, um die langen Haare
aus dem Gesicht zu bekommen. Jetzt konnte sie sehen. Der Anblick
raubte ihr fast den Atem.
"Was Sie hier
sehen, meine Liebe, ist eine meiner Realitaet gewordenen Phantasien
-- ein moderner Sklavenmarkt. Modern deshalb, weil die Menschen,
die in diesen Raeumen begutachtet und verkauft werden, damit einverstanden
sind. Sie haben sich aus einer tiefen, inneren Ueberzeugung entschlossen,
den eigenen Willen zugunsten eines anderen aufzugeben. Manche nur
fuer ein paar Stunden, andere Wochen und einige fuer ein ganzes
Leben. Ich bin der Vermittler zwischen diesen Dienerinnen und Dienern
aus Leidenschaft und ihren zukuenftigen Meistern. Begleiten Sie
mich."
Das Innere der
Halle war fast vollstaendig mit weissem, grau gemaserten Marmor
ausgekleidet. Grosse Kristalleuchter funkelten von der Decke und
gaben der Szenerie Tausende tanzender Schatten. Es mussten annaehernd
zweihundert Menschen sein, die in der grossen Halle kleine Grueppchen
bildeten, sich leise unterhielten. Doch sie waren nicht die Hauptpersonen:
in regelmaessigen Abstaenden hatte man Marmorsaeulen, etwa eineinhalb
Meter hoch und mit einem Meter Durchmesser errichtet, auf denen
nackte Statuen standen. Aber diese Statuen lebten -- nur die Beine
der Maenner und Maedchen auf den Sockeln schienen fest mit der Unterlage
verbunden. Sie waren es auch, wie sich bei naeherem Dazutreten zeigte:
breite, glaenzend polierte Klammern hielten die "Schaustuecke" auf
ihren Plaetzen.
"Wie gefaellt
Ihnen meine kleine Veranstaltung? Ich bin sicher, dass sie Ihr Interesse
findet. Und da ich von Ihrer unbedingten Ergebenheit zu mir weiss,
habe ich mich entschlossen, Sie daran teilhaben zu lassen."
Noch bevor Mary
irgendetwas erwidern konnte, hatten zwei von seinen Dienerinnen,
die ploetzlich hinzugetreten waren, ihre Arme und Beine zusammengebunden
und den duennen Gummifilm ueber ihre Lippen gelegt. Stumm musste
Mary nun mitansehen, wie ihr zunaechst die Goldkette vom Hals genommen
wurde. Dann zog man ihr das Latexkleid aus und hob sie auf den kalten
Marmorsockel. Als Ihre Beine einen Kontakt in den Metallklammern
beruehrten, schlossen sie sich, bewegt durch unsichtbare Elektromotoren,
leise summend um ihre Fesseln. Mary war gefangen. Mit belustigtem
Laecheln trat er auf sie zu, fing die sacht schwingende Goldkette
auf, die immer noch mit dem kleinen Schloss an ihrem Schoss verbunden
war und hielt sie zwischen zwei Fingern fest. Mit der anderen Hand
zog er den kleinen goldenen Schluessel, den er jetzt an einem Kettchen
um den Hals trug, aus dem Hemd.
"Ich werde Sie
nun fuer einige Zeit verlassen. Den kleinen Schluessel gebe ich
nicht aus der Hand. Vielleicht noch nicht jetzt. Aber das wird Ihr
Verhalten in den naechsten Tagen zeigen. Leben Sie -- oder vielmehr
-- leiden Sie wohl ..."
Nach diesen
Worten verschwand er mit seinen Begleiterinnen durch eine Seitentuer.
Sofort bildete sich um Mary eine groessere Menschenansammlung. Ihr
Verkauf hatte begonnen. Unfaehig, den Blicken der Umstehenden auszuweichen,
die Beine fest umschlossen von den beiden staehlernen Halteklammern,
voellig nackt und stumm durch den duennen Gummifilm, der ihre Lippen
umschloss, blieb Mary keine andere Wahl, als zu warten. Zu warten
auf die unbegreiflichen Dinge, die noch mit ihr geschehen wuerden.
Er hatte es so gewollt. Was verlangte er noch von ihr? Hatte sie
ihm ihre Liebe nicht schon deutlich genug bewiesen?
Ein donnernder
Gongschlag durchbrach jaeh Marys Gedankenflug. Zwei grelle Scheinwerfer
flammten auf und tauchten ein Podest an der Schmalseite der marmorgetaefelten
Halle in weisses Licht. Das gleiche grelle Licht flutete auch von
Deckenstrahlern auf die Marmorsaeulen und die darauf festgehaltenen
Sklaven, die dadurch noch nackter, noch ausgelieferter wirkten ...
Mary schloss
die Augen. Erst nach einigen Minuten konnte sie die Gestalt auf
dem Podest einigermassen erkennen. Eine unverkennbar weibliche Figur,
schmale Taille, grosse feste Brueste, extrem lange Beine und auch
insgesamt von eindrucksvoller Groesse, mit den enormen Absaetzen
mussten es fast zwei Meter sein. Das knappsitzende, glaenzendschwarze
Kleid spannte sich ueber jede Rundung und endete in einem hohen
Kragen. Das Gesicht blieb unter einer Maske verborgen. Ohnehin wurde
es durch die langen blonden Haare fast verdeckt. Die Gespraeche
im Saal verstummten. Alle Aufmerksamkeit war jetzt auf die eindrucksvolle
Dame in Schwarz gerichtet.
"Guten Abend,
meine Damen und Herren," klang ihre Stimme lautsprecherverstaerkt
zwischen den Marmorwaenden. "Ich freue mich, so viele Anhaenger
unserer kleinen Vergnuegung hier zu sehen und moechte Sie auch im
Namen unseres Gastgebers herzlich begruessen."
Damit war sicher
er, ihr Herr gemeint. Doch wohin war er verschwunden?
"Da sie alle
mit den Formalitaeten unserer Auktion vertraut sind, moechte ich
gleich beginnen. Sie haben sich von den offensichtlichen Qualitaeten
der angebotenen Damen und Herren bereits ueberzeugt, so dass Sie
sicher meiner Meinung sind, wenn ich als Grundgebot fuer Steven,
hier auf einer Saeule zur linken, 85.000 Pfund vorschlage. Wer bietet?"
Das Handzeichen
einer elegant gekleideten Dame in der vordersten Reihe kam in der
naechsten Sekunde.
"86.000, vielen
Dank."
Doch da war
noch jemand, der sich fuer den muskuloesen Steven, der sicher kaum
ueber 20 Jahre war, stark interessierte: ein baertiger Mensch von
erheblicher Leibesfuelle und wohl noch umfangreicheren Portemonnaie.
"90.000. Ich
biete 90.000 Pfund!"
Ein scheuer
Blick aus Stevens hellblauen Augen zur Dame vorn besagte Eindeutiges
ueber den vom Betroffenen erhofften Ausgang des Gebots. Noch ein
Handzeichen. 100.000, nein 150.000 ...
"Ist 150.000
Pfund richtig, gnaedige Frau?"
Bestaetigt.
Vom beleibten Herrn keine weitere Reaktion, dagegen fast ein Laecheln
auf Stevens Mundwinkeln.
"Zum dritten!
Steven geht fuer 150.000 Pfund an Lady Mosley. Vielen Dank, Madame."
Auf ein Handzeichen
der Auktionsleiterin oeffneten sich die staehlernen Halteklammern
um Stevens Beine, zwei Helfer hoben ihn vom Sockel und geleiteten
ihn durch eine Seitentuer. Mary konnte nicht sehen, wohin sie ihn
brachten. Die ganzen Geschehnisse wurden immer undeutlicher, wie
ein Film flimmerte es vor ihren Augen, die Stimmen zu Gemurmel verwischt,
so dass sie die folgenden Versteigerungen nicht bewusst wahrnahm.
Es war wie ein Traum -- nur das zarte Zerren des Kettchens am goldenen
Schloss zwischen ihren Beinen erinnerte sie in jeder Sekunde daran:
das alles war Realitaet, kein Traum. Das war die Wirklichkeit!
"Und jetzt kommen
wir zum Hoehepunkt des Abends, zu einem ganz besonderen Angebot,
das wir unserem Gastgeber verdanken. Es ist die Dame auf der Saeule
rechts in der Mitte. Das Grundgebot fuer die schoene Mary liegt
bei 200.000 Pfund!"
Ein leises Raunen
flog durch den Saal, das nach einer gebieterischen Handbewegung
vom Podest herab sofort verstummte.
"Ich hoere ihre
Gebote. Ja, dort hinten, 210.000 Pfund, 220.000 von links, 230.000,
240.000, 250. 000, nicht mehr als 250. 000 Pfund. Niemand bietet
mehr?"
Kein Laut drang
durch die Stille, die Spannung knisterte hoerbar, jedoch kein weiteres
Handzeichen.
"Dann mache
ich vom Biet-Recht des Auktionators Gebrauch und biete 300.000 Pfund.
Jemand dagegen?"
Leises Raeuspern
klang aus der hintersten Reihe der Anwesenden, aber sonst keine
weitere Aeusserung.
"Zum dritten!
Damit geht dieses Angebot an mich. Fuehrt sie nach hinten! Die Auktion,
meine Damen und Herren, ist damit beendet. Falls Sie Ihre Erwerbungen
gleich mit nach Hause nehmen moechten, steht entsprechendes Fuehrungs-Material
gleich hinten zu Ihrer Verfuegung. Wir machen aber auch darauf aufmerksam,
dass wir Ihnen Ihren Kauf auch sorgsam verpackt zustellen. Vielen
Dank!"
Mary war mit
immer noch versiegelten Lippen in einen dunklen Nebenraum gefuehrt
worden. Jetzt nahm man ihr den Gummifilm ab, verbot ihr aber, zu
sprechen. Dann wurde die duenne Goldkette zwischen ihren Beinen
entfernt, das Schloss an ihren Schamlippen blieb aber an seinem
Platz. Im Dunkel des Raumes konnte sie kaum erkennen, wer oder was
um sie herum vor sich ging. Eine Hand hielt ihren Kopf fest, eine
andere zog eine duenne Latexmaske darueber. Mary fuehlte, dass diese
Maske keine Loecher fuer die Augen, fuer die Nase hatte.
Entsetzt schnappte
sie nach Luft und bekam ein enges Gummirohr zwischen die Lippen,
durch das sie ein- und ausatmen konnte. Jetzt sass die Maske wie
eine zweite Haut auf ihrem Gesicht und drueckte die Haare fest an
ihren Kopf. Mary wurde sanft ein paar Schritte nach vorn gezogen,
dann glaubte sie, eine schliessende Tuer wahrzunehmen. Ploetzlich
stiessen ihre Haende ringsherum auf Widerstand, nach vorne, nach
hinten, ueberall. Sie war in einem engen Behaelter eingeschlossen,
aus dem es keinen Ausweg gab. Panik stieg in ihr auf, noch mehr,
als sie bemerkte, wie irgendetwas um ihre Fuesse herum brodelte,
zaehfluessig erst ihre Zehen umschloss, dann die Knoechel erreichte
und langsam, aber unaufhaltsam hoeher stieg. Die zaehe Fluessigkeit
war warm und weich, das Gefuehl eigentlich eher angenehm, im absoluten
Dunkel aber furchteinfloessend. Mittlerweile war Mary bis zu den
spitzen Bruesten von der einfliessenden Masse umgeben, die immer
noch weiter nachfloss.
Da wurde ihr
schlagartig bewusst, dass die Masse sich um ihre Beine zu verfestigen
begann. Erst allmaehlich, dann immer schneller. Schon konnte sie
ihre Fuesse keinen Millimeter mehr bewegen, nun die Knie, den ganzen
Unterkoerper. Die Masse musste einer dieser Kunststoffe sein, die
aufgeschaeumt wurden und sich schnell in einen festen Stoff verwandelten.
Jetzt erreichte es ihren Hals, dann den Mund -- schliesslich schwappte
es ueber Mary zusammen. Sie war nun ganz von einer Masse bedeckt,
die sich schneller und schneller verfestigte und damit jede Bewegung
unmoeglich machte. Durch das Gummirohr bekam sie zwar ausreichend
Luft, war aber sonst restlos hilflos, gefangen, ohne die Moeglichkeit
der kleinsten Bewegung, allein den Wahrnehmungen ihrer verbliebenen
Sinne ausgeliefert und dem, was ein ueberreiztes Gehirn daraus machte.
Der Gleichgewichtssinn, zwar ohne jede brauchbare Funktion, aber
dennoch intakt, signalisierte Mary, dass man sie aus der engen "Gussform"
herausgenommen und auf den Boden gelegt hatte.
Der Abtransport
hatte begonnen. Kein Lichtstrahl, kein Geraeusch drang ins Innere
des Kunststoffpanzers, der gerade soviel Zwischenraum liess, dass
Mary in kleinen Zuegen Luft holen konnte. Sonst war absolut keine
Bewegung moeglich. Ohne aeussere Eindruecke ging ihr Gefuehl fuer
Zeit verloren, sodass Mary nicht mehr wusste, wie lange sie so eingeschlossen
gewesen war. Ein leichter Ruck riss sie aus den erzwungenen Traeumen,
eine Ahnung nur, irgendwo zwischen dem, was an verwertbarer Realitaet
uebriggeblieben war und dem, was die Phantasie in den letzten Tagen
zwangsweise dazugelernt hatte.
Der Gleichgewichtssinn
signalisierte eine undefinierbare Lageaenderung, kurz darauf glaubte
Mary, ein Geraeusch zu hoeren. Tatsaechlich -- ein hohes Sirren,
wie von einem Schwarm wildgewordener Wespen, der gegen die Kunststoffhuelle
Sturmangriff flog. Einen erfolgreichen, wie das leise Knistern vermuten
liess. Dann ein ploetzliches Krachen, ein Gefuehl der Leichtigkeit.
Der obere Teil der Huelle war abgehoben worden, Mary lag nun noch
im unteren Teil der angegossenen Form. Noch liess die Gummimaske
kein Licht an die Augen, doch den Gummischlauch zwischen ihren ausgetrockneten
Lippen hatte irgend jemand bereits entfernt. Dann machten sich zaertliche
Haende an der duennen Latexmaske zu schaffen, die ihr Gesicht vor
dem Kunststoffueberzug geschuetzt hatte. Vorsichtig wurde sie angehoben
und ueber den Kopf nach hinten gerollt.
Mary oeffnete
die Augen.
Der Schreck
liess sie unkontrolliert zusammenzucken. Das Gesicht ueber dem ihren
war keines. Ebenmaessig zwar, fast natuerlich, aber doch eine Maske
aus schwarzem Leder, eingerahmt von langen blonden Haaren. Das knappsitzende,
glaenzend schwarze Kleid spannte sich ueber jede Rundung und endete
in einem hohen Kragen. Diese faszinierende Gestalt hatte Mary schon
einmal gesehen, der Anblick hatte sich fest in ihr Gedaechtnis gebrannt:
Das war die grosse Vorsitzende der geheimnisvollen Sklaven-Auktion,
die Frau, die sie gekauft hatte.
Das war Marys
neue Herrin.
"Nun, hast Du
Dich von der Reise erholt? Sicher nicht besonders gemuetlich in
der von mir gewaehlten Verpackung. Aber das war auch in Deinem Interesse.
So wird nichts beschaedigt -- an meinem Besitz."
So war das also.
Besitz nehmen wollte die feine Dame. Ein paar Hunderttausend Pfund
auf den Tisch des Hauses legen und mit neuem Spielzeug von dannen
ziehen. Aber da hatte sie sich gruendlich getaeuscht. Marys Unterordnung
war noch persoenlichkeitsgebunden, noch von den Eindruecken gepraegt,
die sie auf dem Landsitz er, der Herr dieses Landsitzes hatte ihren
Willen nur fuer sich gebrochen. Jetzt leuchtete wieder der Funken
des Eigensinns in Marys Augen. So einfach war sie nicht zu schlagen!
Jetzt wuerde sie ihre Meinung klar zum Besten geben.
Doch dazu kam
es nicht. Kaum hatte sie den Mund geoeffnet, als auch schon ein
Ballknebel ihre Zunge gegen den Gaumen drueckte und jedes Wort im
Ansatz erstickte.
"Aber, aber,
wer wird denn jetzt schon nicht mehr mitspielen. Ich habe schliesslich
viel Geld fuer Dich bezahlt, da will ich auch meinen Spass mit Dir
haben. Und Du sollst schliesslich auch nicht zu kurz kommen ..."
Mit diesen Worten
pumpte die Lady in Schwarz den Ballknebel in Marys Mund bis zum
Aeussersten auf und entfernte die kleine Ballpumpe. Bevor Mary ihre
Glieder aus der Kunststoff-Form heben konnte, wurden ihre Beine,
eines nach dem anderen, leicht angehoben und durch engsitzende Ledermanschetten
ueber ihren Fesseln miteinander verbunden. Dasselbe geschah mit
ihren Armen, ein breites Lederhalsband vervollstaendigte ihre Bekleidung.
"Steh' auf,
meine Kleine! Noch bin ich nicht fertig mit Dir. Aber was hast Du
denn da Schoenes an?"
Ihr Blick war
auf das kleine goldene Schloss an Marys Schoss gefallen, das er
angebracht und verschlossen hatte. Und - eigenartig -- irgendwie
fuehlte Mary sich seitdem sicherer, beschuetzter. Auch jetzt. Pruefend
tasteten feingliedrige Finge mit enorm langen Naegeln nach dem glitzernden
Anhaengsel zwischen ihren Beinen.
"Wirklich sehr,
sehr huebsch. Ich denke, dass ich Dir etwas Aehnliches schenken
werde. Am besten gleich ..."
Zaertlich, aber
doch bestimmt zog sie Mary auf die Beine. Noch etwas zittrig, doch
hellwach stand Mary stumm in dem dunklen Raum, dessen Ausmasse sie
im Zwielicht nicht schaetzen konnte. Jetzt wurde sie mit festem
Griff nach hinten gezogen. Sie folgte mit kleinen Schritten. Mehr
liessen die Ledermanschetten an ihren Fesseln, die mit einer dicken
kurzen Kette verbunden waren, nicht zu. Ploetzlich fuehlte sie im
Ruecken einen kalten, harten Widerstand. Sekunden spaeter schlossen
sich feste Baender um Beine und Armgelenke, selbst um die Stirn
wurde ein kraeftiges Lederband gezogen und festgeschnallt. Der Ballknebel
in ihrem Mund verhinderte jeden Laut. Was, um alles in der Welt,
hatte man mit ihr vor?
"Nachdem Du
an Deiner Liebespforte bereits ein sehr praktisches Utensil traegst,
werde ich Dir mein Zeichen anderswo anbringen. Es wird dort gleich
sehr kalt werden."
Mary zerrte
an den Fesselbaendern, versuchte sich irgendwie vor dem Unbekannten
in Sicherheit zu bringen. Aber es gab kein Entrinnen, die Baender
liessen kaum einen Millimeter nach. Stattdessen kippte die Unterlage
nach hinten, es musste ein Tisch auf einem Gelenk oder etwas aehnliches
sein. Und dann fuehlte Mary, wie ihre Brustspitzen ploetzlich eiskalt
wurden -- als ob ein eisiger Windhauch sie scharf anblasen wuerde.
Das konnte doch nicht sein, nein, bitte, nur das nicht ...
Der Schmerz
war laengst nicht so intensiv gewesen, wie sie befuerchtet hatte.
Ein leichtes Brennen, mehr hatten die gekuehlten Nervenenden nicht
gemeldet. Jetzt fuehlte Mary zwar noch ein leichtes Ziehen beider
Brustwarzen. Aber das blieb ertraeglich und klang schnell ab. Noch
hatte niemand ihre Fesseln geloest, noch war sie fest an den kalten
Tisch geschnallt. Auch konnte sie nicht sehen, was die schwarzgekleidete
Dame mit ihren Bruesten gemacht hatte. Wie ein Blitz flammte ein
helles Licht an, das in ihren Augen brannte und sie einen Moment
blind werden liess. Am Klackern spitzer Absaetze konnte sie erahnen,
dass jemand den Raum betreten hatte. Die Tischplatte schwenkte wieder
in senkrechte Position.
"Sehr huebsch
geworden, findest Du nicht?"
Das Lederband
um ihre Stirn loeste sich und erlaubte Mary, ihre Brustspitzen anzuschauen.
Der Schock traf sie wie ein Keulenschlag. Ihre beiden Brueste umschlossen
exakt geformte kleine Metallkegel mit Oeffnungen an den Spitzen,
die gerade gross genug waren, um die Brustwarzen durchzulassen.
Beide waren durchbohrt, von duennen Metallstaebchen durchstossen,
die gleichzeitig die beiden Kegel an ihrem Platz hielten. Jetzt
hatten ihre Brueste silbern schimmernde Spitzen ...
Alles um Mary
herum begann sich zu drehen. Wie durch eine dichte Nebelwand nahm
sie die Gestalt vor ihr wahr, die unverkennbar weibliche Figur,
die schmale Taille, die enorm langen Beine. Ihre neue Herrin lachte:
"Ich wusste,
dass es Dir gefaellt. Und ich weiss noch viel mehr. Und vielleicht
werde ich Dir eines Tages auch etwas ueber mich erzaehlen. Ein kleines
Geheimnis. Aber zuvor wirst Du noch viel lernen und leiden muessen.
Aber jetzt komm' mit. Schliesslich habe ich noch einiges vor mit
Dir."
Mit einigen
schnellen Handgriffen hatte sie die restlichen Fesseln geloest und
Mary auf die Beine geholfen. Bis auf die glitzernden Metallkegel
auf Marys Bruesten und dem kleinen Schloss zwischen ihren Beinen
war sie nackt. Mary froestelte. Ihre neue Herrin schien das bemerkt
zu haben.
"Du frierst
ja, Kleine. Dagegen sollten wir schnellstens etwas unternehmen.
Doch zunaechst zeige ich Dir, was Du in naechster Zeit zu tun hast."
Damit hatte
sie Mary an der Hand genommen und eine Tuer geoeffnet. Der Flur
dahinter war breit, mit hellgrauem Marmor ausgelegt und mit weissleuchtenden,
modernen Strahlern hell ausgeleuchtet. Mary spuerte den kalten Fussboden
unter ihren nackten Fuessen, hatte das scharfe Klackern der hohen
Absaetze neben ihr im Ohr und nach einigen Biegungen keine Ahnung
mehr, wie lange sie schon gelaufen waren und wo sie war. Nur dass
das Haus ungewoehnlich gross sein musste, das wurde ihr mit jedem
Schritt klarer.
"Im Moment ist
hier alles noch menschenleer. Aber das wird sich in etwa zwei Stunden
aendern. Und das ist Dein neuer Arbeitsplatz."
Es musste die
Eingangshalle dieses grossen Hauses sein: aus gewaltigen Glasflaechen,
luftig und hoch, sonnendurchflutet und eindrucksvoll, nur mit einem
einzigen Moebelstueck ausgestattet, einer kleinen runden Insel mitten
inm Lichtmeer. Etwas erhoeht konnte sie eine Art Schaltpult sehen,
rund und mit schimmerndem Mahagoni verkleidet.
"Das hier ist
-- neben meinem -- der wichtigste Platz in meiner Firma. Hier ist
der einzige Zugang und daneben die technische Voraussetzung, saemtliche
weiteren Eingangs- Moeglichkeiten abzuschirmen. Du wirst hier berechtigte
Besucher empfangen und an die entsprechenden Stellen weiterleiten.
Das ist alles. Telefone wirst Du keine finden. Es ist auch nicht
noetig, Gespraeche zu fuehren. Aber das wird auch nicht mehr moeglich
sein ..."
Ohne Widerspruch
abzuwarten, nahm die Herrin Mary an der Hand und fuehrte sie zwei
Tueren weiter. Nach der Helligkeit draussen konnte Mary im Halbdunkel
dieses Raumes kaum etwas erkennen. Als sie sich naeher umschauen
wollte, bemerkte sie ploetzlich die Hand der neuen Herrin an ihrem
Handgelenk, dann fuehlte sie erst dort, dann an der anderen Hand
etwas zuschnappen. Bevor sie sich darueber klar wurde, ertoente
ein summendes Geraeusch und Marys Arme wurden langsam nach oben
gezogen.
Als sie nur
noch auf Zehenspitzen stehen konnte, hirte das Summen auf. Mary
stand mit hochgereckten Armen ausgestreckt, nackt und wehrlos mitten
im Raum.
"Meine Mitarbeiterinnen
kommen gleich, um Dir die notwendige `Arbeitskleidung' anzulegen.
Bis dahin kannst Du noch eine Weile nachdenken und Dich an Deine
Rolle als stumme Dienerin gewoehnen. Mach' den Mund auf!"
Der Gummiball
in Marys Mund entwickelte sogleich Eigenleben. Nach einigen kurzen
Luftstoessen hatte er ihren Kiefer so weit auseinander gedrueckt,
dass sie keinen Laut mehr von sich geben konnte. Als die kleine
Pumpe entfernt wurde, war Mary stumm. Die Tuer wurde geschlossen,
aus dem Halbdunkel wurde vollkommene Dunkelheit. Wie lange hatte
es wohl gedauert? Eine Stunde, zwei? Als die Tuer ploetzlich leise
geoeffnet wurde, hatte Mary keine Vorstellung mehr von Zeit. Der
Druck um ihre Handgelenke war ertraeglich gewesen, das Brennen ihrer
durchstochenen Brustwarzen hatte nachgelassen. Mary fuehlte sich
fast wohl. Das sollte sich jetzt aendern.
Erstaunt betrachtete
Mary die beiden Gestalten, die durch die Tuer hereingetreten waren.
Diesen Anblick hatte sie doch schon einmal erlebt. Genau -- das
waren exakt die schlanken, schoenen Gestalten, die sich auch schon
bei ihm, dem Herren, mit ihr beschaeftigt hatten. Das waren dieselben
Korsagen, dieselben Gesichter ohne Mund, den man ihnen mit einem
duennen Latexfilm verschlossen und dann mit Makeup ueberzogen hatte.
Jetzt wurden
Schraenke geoeffnet und wieder geschlossen. Dann spuerte Mary kaltes
Leder auf ihrer Haut, gleichzeitig einen Druck um ihre Taille, der
stetig zunahm. Ein Korsett also, wie sie es nun schon in etlichen
Ausfuehrungen kannte. Doch dieses Mal schien die Form aussergewoehnlich
zu sein. Tatsaechlich liess es vom gesamten Oberkoerper nur die
Brueste frei, und ging dann in eine hohe Halscorsage ueber, die
erst knapp unter Marys Nase ihren Abschluss fand.
Unten endete
die immer enger rueckende Lederhuelle fast an den Knien. Jetzt war
dort das Maximum der Schnuerung erreicht. Vier Haende machten sich
nun an die Leinen ueber Marys Taille. Dort mussten lange Stahlstaebe
ins Leder eingearbeitet sein. Mary fuehlte, wie der zunehmende Druck
sie allmaehlich zwang, kerzengerade zu stehen. Dann zog sich das
Halskorsett enger, gerade so weit, dass Atmen noch problemlos moeglich
war. Den Ballknebel im Mund hatten die beiden Dienerinnen wohl vergessen?
Mary wollte
protestieren, brachte aber keinen Laut zustande. Durch die strammgezogene
Lederhuelle wurde ihr Mund nun voellig verschlossen. Ein schmaler
Lederriemen, der sich ueber ihrer Nase teilte und hinten festgeschnallt
wurde verhinderte schliesslich jede restliche Kopfbewegung.
Doch was war
das? Eine der Dienerinnen hatte ein "Gesicht" hervorgezaubert, eine
helle, fleischfarbene Latexmaske, die ein laechelndes Gesicht zeigte,
taeuschend echt, nur die Augen fehlten. Jetzt ahnte Mary, was mit
ihr geschehen sollte. Behutsam wurde die laechelnde Maske ueber
ihr fest verpacktes Gesicht gezogen und am Hinterkopf zusammengeschnuert.
Jetzt waren ihre eigenen Augen Bestandteil eines Gesichts, das sie
noch nie zuvor gesehen hatte. Ein sehr schoenes Gesicht -- sicherlich
-- aber nicht ihr eigenes und zudem voellig unbewegt. Eine laechelnde
Maske auf einem atemberaubend schoen geformten Koerper ...
Unter einer
Peruecke mit langen, hellblonden Haaren verschwand Marys eigener,
kurz nachgewachsener Haarschopf. Schwarze, armlange Handschuhe und
Pumps mit sicherlich 16 Zentimeter hohen Stilettoabsaetzen vervollstaendigten
die "Arbeitskleidung". Die Schuhe wurden mit duennen Kettchen und
jeweils einem kleinen Schloss an ihrem Fuss verschlossen. Ausziehen
war unmoeglich. Aber auch diese Schuhe hatte Mary schon einmal getragen.
Sollte es irgendwelche Zusammenhaenge zwischen ihm, dem Herren und
ihr, der Herrin geben? Doch Mary kam nicht zu weiteren Ueberlegungen.
Die Tuer hatte sich geoeffnet und sie, ihre Herrin war eingetreten.
Eindrucksvoll wie immer -- eine unverkennbar weibliche Figur, schmale
Taille, grosse feste Brueste, enorm lange Beine und auch insgesamt
von eindrucksvoller Groesse, mit den ueberhohen Absaetzen fast zwei
Meter.
Das knappsitzende,
glaenzend schwarze Kleid spannte sich ueber jede Rundung und endete
in einem hohen Kragen. Das Gesicht war wieder unter einer schwarzen
Ledermaske verborgen. Ohnehin wurde es durch die langen blonden
Haare fast verdeckt.
"So, jetzt hast
Du genau die richtigen Eigenschaften einer Empfangssekretaerin --
tadellose Figur, vollendete Haltung und vor allem: Verschwiegenheit.
Und den ganzen Tag freundlich zu laecheln bereitet Dir ja wohl auch
keine Schwierigkeiten mehr ..."
Mary konnte
unter ihrem zweiten Latex- Gesicht nicht antworten. Laechelnd folgte
sie ihrer Arbeitgeberin zur Empfangsinsel in der Eingangshalle.
Eine Tuer in der Mahagonitaefelung schwang auf, sie stoeckelte hinein,
dann wurde die Tuer von aussen verriegelt. Mary musste sich kurz
an der hohen Umrandung festhalten. Wer mochte wohl zu den "Kunden"
ihrer neuen Herrin zaehlen? Und wer wuerde sie wohl in dieser Aufmachung
zu sehen bekommen? Auf einem Kontrollpult leuchtete ein rotes Licht.
Jemand stand an der Eingangstuer! Und ihre neue Arbeitgeberin war
verschwunden ...
Marys erster
Arbeitstag hatte begonnen. Mit einer langsamen, eleganten Bewegung
-- mehr verhinderte die unnachgiebige Verschnuerung des Korsetts
-- wandte sich Mary dem glitzernden Kontrollpult zu. Ein Lichtstrahl
spielte mit den silbernen Kegeln auf Marys durchbohrten Brustspitzen.
Sie konnte gerade noch soweit nach unten sehen, dass das leichte
Zittern ihrer sonst voellig nackten Brueste nicht nur Gefuehl blieb.
Welcher von diesen verflixten Knoepfen war der Tueroeffner? Oder
war es vielleicht besser, den unbekannten Besucher erst gar nicht
hereinzulassen? Schliesslich konnte ihre Aufmachung nicht gerade
als "strassentauglich" gelten. Was tun? Den Besucher einfach vor
der glaesernen Eingangstuer stehen lassen? Aber er hatte sie sicher
schon gesehen, undeutlich zwar -- aber immerhin wusste er, dass
jemand in der Empfangsinsel stand. Und soviel hatte Mary auch erkannt:
das da draussen war unverkennbar ein Mann. Auch das noch.
Das rote Licht
am Kontrollpult leuchtete immer noch, ein leiser Summton drang jetzt
an Marys ledergepolsterte Ohren. Also gut! Schliesslich die einzige
Moeglichkeit, quaelende Neugier durch erlebte Realitaet zu ersetzen.
Wuerde schon nicht so schlimm werden. Und wenn es womoeglich irgendein
bekanntes Gesicht sein sollte, dann war sie unter ihrer Maske sowieso
nicht zu erkennen. Ein Laecheln versuchte unter der laechelnden
Latexhaut Marys Mund zu finden, doch der war durch den festsitzenden
Ballknebel zu keiner Regung faehig.
Marys langer
Zeigefinger fand den Knopf neben der roten Lampe, die nach dem ersten
Druck sofort verloeschte. Mit verhaltenem Zischen oeffnete sich
die grosse glaeserne Eingangstuer, der Besucher stand noch einen
Augenblick unschluessig und ging dann langsam auf Marys Mahagoni-Insel
zu.
"Guten Tag,
mein Name ist Pieter van Sonten. Ich bin angemeldet. Wenn Sie bitte
nachschauen wollen ..."
Mary konnte
kaum mehr als einen Finger ruehren. Die Stahlverstrebungen ihres
Korsetts hielten Koerper und Kopf in absolut aufrechter Haltung,
so dass sie nur die Arme bewegen und mit den Beinen kleine Schritte
in den steilen Stoeckelschuhen machen konnte. Aber das alles war
doch auch fuer den gutaussehenden Herrn erkennbar, der nicht einmal
einen halben Meter vor Marys nackten Brustspitzen stand? Doch Pieter
van Sonten blickte mit abwesendem Blick nur einmal von oben nach
unten, als ob das alles nichts Besonderes sei. Marys zweites Gesicht
laechelte freundlich, waehrend sie nervoes in einem grossen Terminkalender
suchte, der neben dem Kontrollpult aufgeschlagen lag. Hier -- unter
dem Datum von heute war Pieter van Sontens Name der erste unter
einem knappen Dutzend. "Zimmer 12" stand dabei.
Aber Mary konnte
nicht sprechen. Aus "Zimmer 12, bitte" wurde nicht einmal ein Nuscheln.
Da nahm Mary das Buch kurzentschlossen hoch, drehte es und legte
den lederumschlossenen Zeigefinger neben die Eintragung.
"Ah ja, vielen
Dank, Zimmer zwoelf, ich finde schon hin, bitte bemuehen Sie sich
nicht."
Der Herr im
grauen Zweireiher, erlesenen Gucci- Schuhen und einer glaenzenden
Audemars-Piguet am Handgelenk wartete nicht auf eine Bestaetigung,
sondern ging zielsicher auf einen der vielen Gaenge zu, die in die
Empfangshalle muendeten.
Mary hatte kaum
Zeit, sich Gedanken ueber die merkwuerdige Situation zu machen.
Die rote Lampe flammte auf und ein Blick zur Eingangstuer liess
diesmal gleich zwei Gestalten erkennen. Mary oeffnete und ein junges
Paar betrat den glasueberdachten Vorraum. Sie waren beide kaum 30,
schlank und gross, gepflegt gekleidet." Wie aus einem dieser teueren
Modejournale", dachte Mary spontan.
"Wir haben fuer
heute reserviert. Madame Vanbergen und Begleitung."
Die Stimme der
jungen Frau war angenehm tief und von sanfter Melodik, jedoch mit
einem unueberhoerbaren befehlsgewohnten Unterton. Sie wusste genau,
was sie wollte. Mary beeilte sich, der Aufforderung nachzukommen.
Diesmal fand sie den entsprechenden Eintrag im Terminbuch und Madame
schob Madame Vanbergen ein Zettelchen mit der Zimmernummer ueber
den Edelholztresen. Waehrenddessen nahm der junge Mann den Blick
nicht eine Sekunde von Mary, im Gegenteil, er schien jedes Detail
von Marys bizarrer Aufmachung regelrecht in sich aufzusaugen. Seine
grossen braunen Augen leuchteten -- aber er sagte kein Wort. Als
Mary die Richtung zum entsprechenden Raum mit einer leichten Handbewegung
angezeigt hatte, ging er hinter seiner Begleiterin her, ohne sich
noch einmal umzublicken.
Die naechsten
drei "Kunden" haetten weit besser in die Vorstandsetage irgendeiner
Grossbank gepasst. Adrette, ausgesucht elegante Herren von jung-
dynamisch bis grau- meliert. Alle drei auffaellig unauffaellig und
namentlich im grossen Terminbuch erfasst, jeder absolut puenktlich
zur angegebenen Uhrzeit. Keiner von ihnen sah laenger als versehentlich
noetig zu der enggeschnuerten Gestalt hinter dem Edelholztresen
auf. Als haetten sie es penibel eingeuebt, nahm jeder sein Zettelchen
mit der Zimmernummer in Empfang, um sich danach auf den Weg in einen
der dunklen Gaenge zu machen. Nacheinander wurden sie von der Duesternis
der Flure verschluckt, ein Eindruck, den die sonnendurchflutete
Eingangshalle noch verstaerkte.
Mary stand hochaufgerichtet
in ihrer Empfangsinsel und wartete auf die naechste Ueberraschung.
Es war noch Nachmittag, aber das enggeschnuerte Korsett liess so
etwas wie Hungergefuehl nicht aufkommen. An das leichte Spannen
der Latexmaske, die ihre eigenen Gesichtszuege voellig verdeckte,
hatte sie sich schon gewoehnt und da die Temperatur im glaesernen
Vorbau nicht gerade hoch war, war sie mit der Waerme unter der lang
herabwallenden blonden Peruecke sogar zufrieden. Nur ihre nackten,
durch das strammsitzende Korsett zur Schau gestellten, festen Brueste
ueberlief bei jedem Windhauch eine Gaensehaut.
Doch das war
auszuhalten und konnte ihre Neugier nicht im Mindesten daempfen.
Mary hatte schon Unangenehmeres mitgemacht. Ein wenig war sie ueber
sich selber erstaunt. Es war nicht viel geblieben von dem gelangweilten,
verwoehnten Geschoepf, das sie noch vor einigen Wochen gewesen war.
Oder waren es schon Monate? Sie hatte das Verhaeltnis fuer Zeitablaeufe
verloren, Zeit war einfach unwichtig geworden. Zwischen all den
unglaublichen Eindruecken blieben nur ab und zu Momente der Ruhe,
des Nachdenkens, in denen aber immer wieder er auftauchte. Er, der
Herr der ersten Stunden, der sie in all diese verwirrenden Erlebnisse
hineingezogen hatte, mit ihm hatte die Reise in eine unbekannte
Welt erst begonnen. Wo aber war er? Hatte er sie schon vergessen?
Gab es ueberhaupt noch einen Weg zurueck zu ihm?
"Wovon traeumst
Du, meine Kleine?"
Mary erschrak,
doch unter der Latexmaske wurden nur die dunklen Augen ein wenig
groesser. Ihr Latex- Gesicht laechelte die rassig gebaute Gestalt
an, die hinter dem Tresen stand. Das knappsitzende schwarze Kleid
spannte sich ueber jede Rundung und endete in einem hohen Kragen.
Das Gesicht war wie immer unter einer schwarzen Ledermaske verborgen.
Ohnehin wurde es durch die langen blonden Haare fast verdeckt. Mary
erkannte ihre neue Herrin.
"Ich stehe hier
schon eine ganze Weile, aber Du hast mich nicht bemerkt. Fuer eine
Empfangsdame nicht gerade die beste Empfehlung. Ich werde mir etwas
Passendes fuer Deine Bestrafung ausdenken. Aber zuvor will ich Deine
Neugier etwas befriedigen. Sicher hast Du Dir schon eine Weile ueberlegt,
was wir hier eigentlich machen. Komm mit - ich zeige es Dir!"
Damit hatte
sie eine versteckte Tuer in der Mahagoni- Insel geoeffnet und die
erstarrte Mary an der Hand genommen.
"Komm schon,
jetzt kommt keine neue Kundschaft mehr, erst spaeter. Schliesslich
geht Qualitaet vor Quantitaet. Besonders bei uns ..."
Lachend zog
sie Mary auf den spitzen Absaetzen trippelnd hinter sich her. Rhythmisches
Klackern hallte durch den marmorgetaefelten Gang, bis sie an eine
ledergepolsterte Tuer kamen.
"Nachdem Du
jeden Kunden heute morgen schon einmal gesehen hast, duerfte es
Dir jetzt Schwierigkeiten machen, auch nur einen noch zu erkennen."
Die Herrin oeffnete
und sie betraten einen Raum, der nur in der Mitte durch Punktstrahler
erhellt wurde. Mary konnte keine Waende sehen, die Groesse des Raumes
nicht abschaetzen. Aber die war in diesem Moment auch nicht von
Bedeutung. Im Licht der Scheinwerfer stand der junge Mann, den sie
ein paar Stunden frueher in Begleitung von Madame Vanbergen begruesst
hatte. Auch sie war da, stand etwas abseits im Schatten und gab
den beiden Dienerinnen halblaut Anweisungen, die sich mit der hochaufgereckten
Gestalt im Scheinwerferlicht beschaeftigen.
Diese Dienerinnen
kannte Mary bereits -- sie hatte diese kuenstlichen Geschoepfe schon
mehrfach gesehen. Sie hatten keinen Mund. Der Ansatz der hauchduennen
Gummihaut, die sich eng ueber die fest geschlossenen Lippen schmiegte,
war kaum zu erkennen. Zudem machte das perfekte Makeup den verblueffenden
Eindruck noch eindrucksvoller. Doch was hatten die beiden bizarren
Gestalten vor?
Die Gestalt
zwischen ihnen war offensichtlich an den Haenden gefesselt, an einer
Art Trapez, das von der hohen Decke herabhing und die Arme nach
oben und auseinanderzog. Der Koerper war nackt. Eine der beiden
Dienerinnen entfernte gerade die letzten Anzeichen der Koerperbehaarung
mit einem leise surrenden Rasierapparat. Um die Fuesse des jungen
Mannes lag ein kleines Haeufchen eines matt schimmernden Materials,
aber Mary konnte nicht genau erkennen, um was es sich dabei handelte.
Jetzt hatte eine Dienerin ein Korsett aus fleischfarbenem Gummi
gebracht und um die kaum vorhandene Taille des maennlichen Koerpers
gelegt. Gemeinsam zogen beide die Schnuerung immer enger, bis sich
immer staerker die sanfte Rundung einer weiblichen Taille abzeichnete.
Ein leises Stoehnen war zu hoeren, als die hinteren Haelften des
Korsetts zusammenstiessen. Mit flinken Fingern verknoteten die beiden
Dienerinnen die Schnuerung.
Das Oberteil
des Gummikorsetts war anatomisch einer vollen weiblichen Brust nachgeformt
und wurde mit breiten Traegern ueber den Schultern verschlossen.
Ein speziell gestalteter Riemen nahm das leicht eregierte Glied
des jungen Mannes auf und wurde mit dem hinteren Ansatz des Korsetts
verschnuert. Jetzt waren die maennlichen Geschlechtsteile verschwunden.
Zugleich begannen die beiden Dienerinnen mit gleichmaessigen Bewegungen
das Haeuflein -- es musste ein hautfarbener Latexanzug sein -- erst
ueber die Fuesse, dann an den Beinen hoch und schliesslich ueber
den umgeformten Oberkoerper des leise stoehnenden Mannes zu ziehen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis die gepuderten Arme bis zu den
Fingerspitzen vom strammsitzenden Gummi umschlossen waren. Zuletzt
waren nur noch Gesicht und die kurzen schwarzen Haare frei. Mit
einem vorsichtigen Ruck wurde die angearbeitete Maske daruebergestreift.
Mary zuckte
zusammen. Das war genau das gleiche ebenmaessige, faszinierend geschminkte
Gesicht, das man ihr am Morgen ueber ihr eigenes geschnuert hatte!
Auch diese Maske zog sich mit einer Schnuerung am hinteren Ende
immer enger um den voellig eingeschlossenen Kopf, bis die Konturen
darunter und die Latex-Schicht darueber eine Einheit bildeten. Mary
konnte vor Erregung kaum noch atmen: aus dem jungen Mann war eine
vollendete weibliche Schoenheit geworden, mit unbewegten Gesichtszuegen,
aber lebhaft flackernden grossen braunen Augen.
"Es ist gut
so. Ihr koennt Sie jetzt vollends anziehen!"
Die Stimme von
Madame Vanbergen durchstiess den Wattenebel der Erregung, der Mary
umgeben hatte. Ganz langsam fand sie in die verwirrende Realitaet
zurueck. Ueber den Kopf der attraktiven Gummipuppe zog eine der
Dienerinnen eine Peruecke mit langen blonden Haaren, die gleichzeitig
die hintere Schnuerung verdeckte. Verbluefft erkannte Mary, dass
die Gestalt ihrer eigenen auch insgesamt taeuschend aehnlich sah
-- doch der Knebel in ihrem Mund verhinderte jeglichen Kommentar.
"Ich kann mir
denken, was jetzt gerade in Dir vorgeht," erklang die wohltoenend
tiefe Stimme ihrer Herrin. "Aber er hat es sich so gewuenscht, vielmehr
... er ist den Wuenschen seiner Herrin einen entscheidenden Schritt
naeher gekommen. Und das ist genau das, was wir hier machen -- wir
erfuellen Wuensche ..."
Die Ankleide-Zeremonie
war beendet, die schmalen Handgelenke wurden aus den weich gefuetterten
Fesseln befreit. Im Licht der Scheinwerfer stand jetzt ein schoenes,
junges Maedchen mit einer leichten Sommerkleidchen ueber einer absoluten
Traumfigur. Die leuchtend blonden Haare glitzernden um die Wette
mit den Lichtstrahlen, der verfuehrerische Mund schien leicht geoeffnet.
Aber kein Laut drang durch die Lippen. Doch der wahre Grund dafuer
war wohl erst durch Betasten zu erahnen. Jetzt nahm Madame Vanbergen
die stumme Schoene an der Hand.
"Vielen Dank,
Madame, ich bin Ihnen unendlich dankbar. Die vereinbarte Summe befindet
sich wie immer bereits auf Ihrem Schweizer Konto. Bis zum naechsten
Mal!"
Damit trippelten
die beiden durch die Tuer, die sich hinter ihnen unhoerbar schloss.
Marys stumme Frage schien sich irgendwie auf ihre Arbeitgeberin
uebertragen zu haben.
"Ich weiss schon,
Kleines. Das ist noch alles sehr neu fuer Dich. Denn wie die Wuensche
der Menschen aeusserst vielfaeltig sind, so sind es auch unsere
Dienstleistungen. Und solange meine Phantasie ausreicht, um die
Wuensche dieser Menschen zu befriedigen, ist es ein recht eintraegliches
Geschaeft. Fuer einige ist es das Paradies, fuer manche die Hoelle.
Und Du, mein Engel, bist genau die richtige Waechterin meiner paradiesischen
Hoelle. Aber noch hast Du nicht alle meine Geheimnisse erfahren.
Auch mein groesstes noch nicht. Doch vielleicht, vielleicht schon
sehr bald, werde ich Dir zeigen, was Du nicht einmal ahnen wirst.
Oder womoeglich doch? Nun, wir werden sehen ..."
Sie nahm Mary
wieder bei der Hand und zog sie sanft weiter. Das Klackern der spitzen
Absaetze auf dem weissen Marmorfussboden drang unter der Latexmaske
seltsam gedaempft an Marys Ohren, vermischte sich mit ihrem eigenen
Herzschlag, ein gleichzeitig monotones und aufreizendes Geraeusch,
das Marys Stimmung nur noch verstaerkte. Ihr war, als teile sich
Geist und Koerper, als ob der Rest logischen, rationalen Denkens
voellig selbststaendig ihren bizarr gekleideten Koerper verlassen
haette. Geblieben war nur noch Gefuehl, ausschliesslich koerperliche
Sinnesempfindungen, Waerme und Kaelte, Liebe, Schmerz ...
Ans Atmen im
strammgeschnuerten Lederkorsett hatte sie sich zwischenzeitlich
gut gewoehnt, obwohl die Stahlstaebe in der Taille kaum mehr als
zwei Handbreit Platz zwischen Ober- und Unterkoerper liessen. Die
silbern glaenzenden Kegel auf Marys durchbohrten Brustspitzen glitzerten
im Licht der Deckenscheinwerfer, der Schmerz beim Anbringen der
duennen Befestigungspfeile war laengst verflogen. Nicht einmal die
enorm hohen Absaetze bereiteten ihr Schwierigkeiten -- das Gefuehl
staendiger Erregung liess banale Schmerzen nicht einmal entstehen.
Jede Empfindung schien dem obersten Ziel der Lust untergeordnet,
alles andere war nebensaechlich, reden unmoeglich: durch die strammgezogene
Lederhuelle des Halskorsetts war ihr Mund voellig verschlossen.
Ein schmaler Lederriemen, der sich ueber ihrer Nase teilte und hinten
festgeschnallt war, verhinderte jede Kopfbewegung.
Mary und ihre
Herrin hatten eine weitere, unbekannte Tuer in einem der vielen
Gaenge des weitlaeufigen Hauses erreicht. In der Mitte war eine
matt schimmernde "12" angebracht. Sacht schwang die Tuer auf und
gab den Blick in das schwach erleuchtete Innere eines recht kleinen
Raumes frei. Mary konnte im Halbdunkel nur zwei schemenhafte Schatten
erkennen, der eine davon musste ein Mensch sein, daneben eine Art
Bank, ein grosser schwarzer Block mit metallisch glaenzenden Details,
die sich Mary nicht erklaeren konnte. Dafuer wusste sie im naechsten
Moment, dass sie die Person daneben schon einmal gesehen hatte:
es war dieser Pieter van Sonten, der Mann, den sie am Morgen zuerst
in Madames Haus eingelassen hatte. Was sollte das bedeuten?
"Herr van Sonten
ist Dir ja bekannt. Er hat recht aussergewoehnliche Wuensche, die
Du ihm erfuellen wirst. Ich habe Dich ausgesucht, weil ich ohnehin
aehnliches vorhatte. Also verhalte Dich entsprechend ..."
Noch ehe Mary
in irgendeiner Weise reagieren konnte - viele Moeglichkeiten liess
ihre bizarre Aufmachung ohnehin nicht zu - wurde sie von unsichtbaren
Haenden an den samtschwarzen Block geschoben. Sofort schlossen sich
zwei metallische Klammern in Hoehe ihrer Fussgelenke, so dass an
Gegenwehr nicht mehr zu denken war. Panik stieg in Mary auf -- diesmal
war sie den Phantasien eines Mannes ausgeliefert, den sie ueberhaupt
nicht kannte, zu dem sich nie Gefuehl entwickeln wuerde. Das war
etwas ganz anderes, nicht zu vergleichen mit den verrueckten Dingen,
die ihr Herr mit ihr unternommen hatte. Jetzt schien alles weitaus
gefaehrlicher, bedrohlicher.
Irgendjemand
machte sich an der Verschnuerung von Marys steifem Lederkorsett
zu schaffen. Sie konnte nicht erkennen, was da in ihrem Ruecken
vor sich ging, spuerte nur, wie der konstante Druck auf ihre Taille
allmaehlich nachliess, wie eine Schnalle geloest und der enge Lederkokon
schliesslich abgenommen wurde. Das ploetzliche Nachlassen des stuetzenden
Drucks war unangenehmer als erwartet. Ohne einen Laut von sich geben
zu koennen, sank Marys Oberkoerper vornueber auf die mit einem samtartigen
Ueberzug versehene Oberflaeche des massiven Blocks. Nachgiebige
Vertiefungen an den Stellen, wo Marys Brueste und Gesicht den Block
beruehrten, bremsten den Fall sanft ab, gluecklicherweise, da sie
nicht in der Lage war, auch nur einen Muskel ihres Koerpers rechtzeitig
anzuspannen.
Da man ihr weder
Halscorsage noch Gesichtsmaske abgenommen hatte, konnte sie ihren
Kopf nicht drehen, um die zwei Haende zu sehen, die mit schwarzen
Lederbaendern erst Marys Oberkoerper, dann den Kopf in Stirnhoehe
und mit Metallklammern schliesslich Arme und Haende auf dem Block
sicherten, Die Flaeche war leicht nach vorn geneigt, sodass jeder
Teil von Marys Rueckseite jetzt jeglicher Manipulation schutzlos
preisgegeben war.
Genau darauf
hatte es van Sonten offenbar abgesehen. Marys Schrei erstickte der
Knebel unter ihrer laechelnden Latexmaske. Die langen blonden Haare
der Peruecke, die man ueber ihren verschnuerten Kopf gezogen hatte,
glitzerten mit dem hellen Punktstrahler um die Wette, der den ausgestreckten
Koerper jetzt unbarmherzig bis in jedes Detail ausleuchtete. Nur
das kleine, glitzernde Schloss an Marys Schamlippen versperrte noch
den Zugang, die rotleuchtende Pforte des wehrlos angepflockten Maedchens.
Das hatte wohl
auch Herr van Sonten erkannt. Erschrocken registrierte Mary, dass
sich etwas in ihrer Furche langsam nach oben bewegte, vor der Afteroeffnung
haltmachte und dann langsam in sie einzudringen begann! Der Schmerz
war anders als erwartet. Anfangs brennend zwar, aber dann schnell
verblassend. Es musste ein eingecremter dicker Zapfen sein, der
nun ihre hintere Oeffnung dehnte, vorn wesentlich dicker, dann mit
einer Einschnuerung versehen, so dass sie ihn nicht mehr ohne weiteres
ausstossen konnte. Er schien sogar jetzt noch dicker zu werden,
sich in ihrem Inneren auszudehnen. Doch bevor neuer Schmerz entstehen
konnte, war auch schon alles vorbei.
Die Fesselbaender
wurden geloest, Mary mit noch fixierten Beinen wieder aufgerichtet.
Pieter van Sonten war nicht mehr da. Stattdessen uebernahmen zwei
der Dienerinnen wieder die anstrengende Aufgabe, Mary wieder in
die stahlverstrebte Huelle ihres Korsetts zu packen. Gerade als
die letzte Verschnuerung geschlossen, die Riemen auf der Brust und
im Ruecken wieder mit dem Halskorsett verbunden waren, trat die
Herrin in den Raum.
"Na, wie gefaellt
Dir van Sontens Geschenk? Er moechte, dass alle Deine Faehigkeiten
irgendwann dem Einen zur Verfuegung stehen, wer immer das sein wird.
Deshalb wirst Du es so oft wie moeglich tragen, erst einmal bis
heute Abend, wenn Du Deinen Dienst beendet hast. Jetzt bringen Dich
meine beiden Helferinnen wieder in die Einganshalle. Und dass Du
mir dort guten Eindruck machst, verstanden!"
Mit zitternden
Knien tippelte Mary zwischen den beiden enggeschnuerten Dienerinnen
her, die sie an beiden Armen fast stuetzen mussten. Alle erotischen
Zonen ihres Koerpers vibrierten gleichzeitig, was in dieser Intensitaet
ein nicht immer nur angenehmes Gefuehl war. Ein grosser Kristallspiegel
an der Wand des breiten Flurs entwarf ein phantastisches Bild dreier
Gestalten, ein Bild, das Mary immer noch nicht spontan als eigenes
erkennen konnte: die ueberlang betonten Beine auf steilen Absaetzen,
die enggeschnuerten Taillen und dadurch steil aufgerichteten Brueste,
bei Mary noch auffaelliger durch die silbern glaenzenden Brustspitzen.
Nur Marys Gesicht laechelte - und dabei war es ja gar nicht ihr
eigenes, nur eine verblueffend echt wirkende Latexmaske, eine schoene
Larve ueber einem stummen Gesicht. Die grossen lebhaften Augen gehoerten
zu ihr, erinnerten noch an ihr eigenes Ich.
In diesem Augenblick
weitete sich die Iris, traten die Pupillen unglaeubig hervor, ein
untruegliches Zeichen aeusserster Ueberraschung. Durch die noch
geoeffnete Tuer hatte Mary das Gesicht ihrer Herrin gesehen, die
schlanke grosse Gestalt mit unverkennbar weiblicher Figur, schmaler
Taille, grossen Bruesten, enorm langen Beinen, den langen blonden
Haaren. Mary war ganz aufgeregt:
Das Gesicht
unter den Haaren, sie konnte ein Gesicht erkennen! Bisher hatte
eine schwarze Ledermaske nur die Augen freigelassen und damit jeden
individuellen Gesichtszug verdeckt -- jetzt war deutlich mehr zu
erkennen. Und genau das hatte in Mary so etwas wie einen Schock
ausgeloest. Dieses Gesicht erinnerte sie in vielen Einzelheiten
an jemanden, den sie kannte, der sie in Besitz genommen hatte, zu
dem sie zurueck wollte. Doch dieser Jemand war er, der Herr, war
ein Mann!
Das konnte doch
nur ein Irrtum sein?
Schliesslich
nicht das erste Mal, dass ein uebermaechtiger Wunsch Trugbilder
ausloeste, wie ein Verdurstender eine Oase zu sehen glaubt und dieser
Luftspiegelung zum Opfer faellt. War sie schon soweit? Wie stark
konnte dieses Verlangen denn sein, das er in ihr ausgeloest hatte?
Eines war klar -- sie wollte zu ihm, dem Einzigen zurueck, ganz
gleich unter welchen Umstaenden, keine Kette wuerde sie zurueckhalten.
Doch im selben Moment wurde ihr klar, dass es genau an ihren Ketten
und Fesseln scheitern musste.
Fast restlos
in ihrer Bewegungsfreiheit behindert, eingeschnuert in diese steife
Corsage, die sie kaum atmen, nicht einmal den Kopf drehen liess,
so eng lag das warme Leder an jeder Stelle ihres Koerpers bis hinauf
zum Kinn an. Nicht einmal aussprechen konnte sie ihren Wunsch --
der Knebel unter der laechelnden Latexmaske verhinderte jeden Laut.
Mary war verzweifelt.
Es gab kein Entrinnen. Die selbstgewaehlte Unterwerfung war eine
Einbahnstrasse ohne Umkehr. Es war zu spaet.
"Noch ist nicht
Feierabend, meine Kleine. Lass Dich nicht haengen -- Dein Dienst
ist noch nicht beendet."
Die melodische,
aber dennoch befehlsgewohnte Stimme ihrer Herrin brachte Mary schlagartig
aus ihren Gedanken in die noch phantastischere Realitaet zurueck.
Die beiden Dienerinnen, die sie bis zur Eingangshalle geleitet hatten,
waren verschwunden. Das Gesicht der Dame in Schwarz war wieder unter
einer duennen Ledermaske verborgen, die nur die Augen und den Mund
freiliess. Sie oeffnete Mary die edelholzgetaefelte Tuer des Empfangs
und schloss sie, nachdem Mary hineingetrippelt war.
"Ich erwarte
noch einige Gaeste, also benimm dich entsprechend. Und fuer heute
Abend habe ich mir eine kleine Ueberraschung ausgedacht, meine Kleine
..."
Mit leisem Lachen
ging die Herrin in einen der dunklen Gaenge davon. Und Mary war
wieder einmal allein mit der heraufziehenden Daemmerung und der
Gewissheit, nichts, aber auch gar nichts aus eigenem Entschluss
tun zu koennen. Oder war auch diese Gewissheit nur Einbildung? Selbst
wenn sie das gut gesicherte Haus haette verlassen koennen: sie hatte
nicht die geringste Ahnung, wo das Anwesen lag und -- wen konnte
sie in diesem bizarren Aufzug schon nach dem Weg fragen?
Das rote Licht
im Tresen leuchtete auf. Eine Dame, gross und von vollendeter Figur
stoeckelte herein, nachdem Mary auf den Tueroeffner gedrueckt hatte.
Im Gehen schwang sie ihr glaenzendrotes Cape nach hinten und warf
es Mary zu.
"Kuemmern Sie
sich bitte darum. Ich werde erwartet."
Noch ehe Mary
den Versuch einer Antwort loswurde -- aus dem durch den Knebel ohnehin
nicht viel geworden waere -- war die unbekannte Besucherin ihrem
Blick entschwunden.
Das glaenzende
Rot des Lackleder-Capes flimmerte wie ein grelles Signal. Marys
behandschuhte Haende betasteten das Kleidungsstueck vorsichtig.
Es war lang genug und konnte mit einem breiten Guertel um die Taille
vollstaendig geschlossen werden. Marys Entschluss wurde immer klarer,
greifbarer. Egal was passierte, sie musste hier weg, irgendwie zurueck
zu ihm, ihrem Herrn. Dieser Wille, gespeist aus Sehnsucht, mobilisierte
Kraefte in Mary, deren Vorhandensein sie vorher nicht einmal geahnt
hatte.
Ein leichter
Druck auf die Tuer der Empfangsinsel bestaetigte ihre Vermutung:
das Schloss war nicht eingerastet. Leise schwang die Tuer zur Seite.
So schnell es ihre enge Bekleidung erlaubte, zog Mary das Cape erst
ueber den einen, dann ueber den anderen Arm. Als das kuehle Material
die Metallkappen ihrer durchbohrten Brueste streifte, ging ein Froesteln
ueber ihre samtene Haut. Der Guertel zog das Material ueber der
enggeschnuerten Taille aufreizend zusammen, die langen blonden Haare
ihrer Peruecke fluteten ueber den glaenzend roten Kragen.
Das musste genuegen.
In der Daemmerung war die laechelnde Latexmaske hoffentlich nicht
von anderen Gesichtern zu unterscheiden, die ihr zwangslaeufig begegnen
mussten. Mary erschrak bei dem Gedanken in dieser Aufmachung "da
draussen" zu sein. Aber es half nichts, einen anderen Weg gab es
nicht. Ein Druck auf den Tueroeffner liess ein vernehmliches Summen
durch die Empfangshalle schwingen. Trotz ihrer versiegelten Ohren
kam es Mary fuerchterlich laut vor -- jeder im Haus musste es hoeren!
Jeder Schritt auf ihren hohen Absaetzen klang in Marys Ohren wie
ein Peitschenschlag. Nur noch zwei Meter, dann hatte sie die glaeserne
Eingangstuer erreicht, noch einer ...
Es war nicht
besonders kalt. Ein mehr oder weniger ueblicher Septemberabend.
Doch Mary war seit langer Zeit das erste Mal unter freiem Himmel.
Wie lange sie ihn nicht mehr gesehen hatte? Sie konnte sich nicht
erinnern. Zwei Monate, ein ganzes Jahr? Vielleicht konnte man in
den Baeumen die Voegel zwitschern hoeren? In Marys Ohren klang nur
das pulsierende Rauschen ihres eigenen, gehetzten Herzschlags. Die
parkaehnliche Anlage vor dem Gebaeude ihrer freiwilligen Gefangenschaft
schien endlos, bis endliche eine hohe Mauer, ein grosses, schmiedeeisernes
Gittertor hinter den Baeumen sichtbar wurde. Auch das schwere Tor
war nur angelehnt, einen Spalt breit offen, sodass Mary schnell
hindurch schluepfen konnte. Merkwuerdig war es doch, bei den sonst
ueblichen Sicherheitsmassnahmen.
Doch Mary liess
sich keine Zeit, jetzt ueber die drei ungesicherten Tueren nachzudenken.
Vor ihr lag eine breite Chaussee, auf der niemand zu sehen war.
Durch die maechtigen Baeume auf beiden Seiten konnte Mary keine
anderen Gebaeude erkennen. Wo auch immer sie im Moment war, es gab
keine brauchbare Orientierungsmoeglichkeit. Auch war es schon fast
dunkel. Da wurden in der Ferne ploetzlich die Lichtkeulen eines
naeherkommenden Fahrzeugs sichtbar. Im ersten Moment wusste Mary
nicht, ob sie weglaufen oder stehenbleiben sollte. Wie auch immer,
der Wagen war schon so nah, dass er die merkwuerdige Gestalt am
Strassenrand sehen musste. In der ploetzlichen Helligkeit konnte
Mary zunaechst nichts erkennen. Erst als eine Tuer geoeffnet wurde
und ein Gesicht in der dunklen Oeffnung erschien, trat sie naeher
an den Wagen heran. Es war ein Maedchen! Dem Himmel sei Dank, das
duerfte ihre Schwierigkeiten verringern.
Vorsichtig versuchte
Mary, ihren eng korsettierten Koerper in eine autositzgerechte Form
zu bringen. Es war fast unmoeglich. Als sie endlich sass, bekam
sie unter ihrer Maske kaum noch genuegend Atemluft. Das Maedchen
am Steuer hatte ihr Manoever staunend begutachtet.
"Meine Guete,
sowas von unbeweglich. Du solltest dringend was fuer Deine Kondition
tun, Schwester. Wo willst Du denn hin?"
Marys zweites
Gesicht laechelte unaufhoerlich und stumm. Ausser einem leichten
Wink mit der rechten Hand in Richtung der Strasse brachte Mary nichts
besseres zustande.
"Na gut, gespraechig
scheinst Du ja nicht gerade zu sein. Ich fahre nach Sued-London.
Dort wohne ich. Bis dahin kannst Du mitfahren. In Ordnung?"
Mary nickte
leicht, soweit das mit der steifen Halscorsage moeglich war. Nur
weg von hier, erst mal so weit wie moeglich. Dann wuerde sich alles
weitere schon ergeben. Die naechsten Kilometer sassen beide schweigend
nebeneinander -- Mary gezungenermassen, das Maedchen am Steuer zwangslaeufig
ob der stummen Begleiterin. Erst als deren rotes Cape in einer Kurve
leicht zurueckschwang und einen Blick auf das goldene Kettchen an
den 16-Zentimeter-Stilettos freigab, platzte sie heraus:
"Donnerwetter,
wo hast Du denn diese irren Instrumente her? Das ist ja genau, was
ich schon immer suche!"
Mary zog das
Bein ein wenig hoeher, so dass mehr Licht auf die schwarzen Pumps
fiel. Die Ampel zeigte noch immer rot und warf ein unwirkliches
Licht ins Wageninnere, auf die nachtschwarzen Haare der Fahrerin.
"Ich heisse
Beatrice. Und Du?"
Die offene Hand
wartete auf Reaktion. Stattdessen nahm Mary sacht die angebotene
Handflaeche und fuehrte sie an ihr latexbespanntes Gesicht. Vor
Schreck wuergte Beatrice den Motor des Wagens ab.
"Was zum Teufel
hat das zu bedeuten? Was ist das? Kommst Du von der Venus oder wie?"
Anstelle einer
Erklaerung oeffnete Mary ihren Guertel und zog das Cape weiter auseinander.
Im Licht der Strassenlaternen funkelten ihre durchbohrten Brueste,
vom Schwarz des knallengen Lederkorsetts herausfordernd zur Schau
gestellt. Kein Laut war zu hoeren. Beatrice starrte entgeistert
auf ihre bizarre Beifahrerin, die sie immer noch unbewegt anlaechelte.
"Das ... das
ist ein bisschen viel fuer mich vor dem Fruehstueck. Macht es Dir
was aus, wenn ich mir Dich zuhause etwas naeher anschaue? Es ist
nicht mehr weit und ich bin sowieso schon fix und fertig."
Keine zehn Minuten
spaeter rollte Beatrices Wagen in die Einfahrt des Haeuschens im
Sueden Londons.
"Ok, wir sind
da. Wuerde es Dir etwas ausmachen, den Mantel wieder etwas drueberzuziehen?
Es ist nur wegen der Nachbarn ... komm, ich helfe Dir beim Aussteigen."
Zu zweit war
das kein Problem mehr. Steif stolperte Mary hinter Beatrice her,
die vor ihr ueber eine kleine Treppe ins Haus voranging. Was wuerde
jetzt geschehen? Sicher war nur, dass sie sich ohne fremde Hilfe
weder von dem verschlossenen Korsett, noch von der Latexmaske befreien
konnte. Also war Beatrice ihre einzige Hoffnung.
Die Tuer fuehrte
ueber einen schmalen Flur in ein geschmackvoll eingerichtetes Wohnzimmer,
so gemuetlich, wie nur eine Frau einen Wohnraum einrichten kann,
wenn sie allein darin lebt. Dezente indirekte Beleuchtung, eine
weisse Ledergarnitur, moderne Skulpturen, viele Buecher in faszinierend
gestylten Schraenken. Keine ueberzogenen Effekte, alles ein durchgaengiger
Stil.
"So, jetzt lass
Dich mal anschauen. Denn bis jetzt glaube ich das alles nicht."
Mary hatte das
rote Cape abgelegt und drehte sich langsam im Schein zweier heller
Deckenstrahler, die ihre Haut, das glaenzende Leder, das funkelnde
Metall phantastisch beleuchteten. Erstaunlicherweise fuehlte sie
jetzt Stolz -- als Objekt uneingeschraenkter Bewunderung.
"Wer hat Dir
denn das angepasst? Egal, jetzt willst Du sicher erst mal 'raus.
Warte, ich helfe Dir ..."
Aus einem Eckschrank
holte Beatrice blitzschnell einen kleinen Werkzeugkasten hervor,
der verschiedene Zangen und eine Menge, fuer Mary voellig unbekannte
Werkzeuge enthielt.
"Dem haelt kein
Schloss lange stand, du wirst schon sehen. Ich kenne mich aus damit
..."
Beatrice nahm
einen seltsam gewinkelten Draht und steckte ihn in das kleine Schloss,
das ein Oeffnen der Halscorsage verhinderte und gleichzeitig die
Schnuerung der Latexmaske blockierte. Ein paar geuebt knappe Bewegungen
mit dem Draht, Mary hoerte ein leises Knacken und spuerte, wie die
Verschnuerung der Maske langsam geloest wurde. Vorsichtig hob Beatrice
die goldblonde Langhaarperuecke an, danach die duenne Maske, die
wie eine zweite Haut ueber Marys Gesicht gelegen hatte und sich
nur muehsam abziehen liess.
"Ist ja irre,
so siehst Du ja wirklich aus -- herzlich willkommen bei mir!"
Mehr als ein
Kraechzen brachte Mary nicht zustande, nachdem sie den Ballknebel
aus dem Mund entfernt hatte. Dann wollte sie noch ein "Danke" stammeln,
aber Beatrice hatte sich schon an die Schnuerung des Korsetts gemacht.
Mit dem nachlassenden Druck in der Taille war auch wieder die stuetzende
Kraft dahin. Marys Muskeln waren mit dem ploetzlichen Arbeitseinsatz
nicht einverstanden und versagten den Dienst. Es wurde Dunkel um
Mary ...
Einige Zeit
spaeter kam Mary auf der breiten Couch wieder zu sich. Beatrice
hatte inzwischen auch die Schloesschen der Schuhe geknackt und betrachtete
nun nachdenklich die perfekte Figur Marys, noch mit roten Striemen
in der immer noch engen Taille, die das Korsett verursacht hatten.
Immer wieder glitten ihre Blicke ueber das kleine Schloss an Marys
Schamlippen, ueber die silbernen Kegel an Marys durchbohrten Bruesten.
"Wenn ich es
nicht mit eigenen Augen sehen wuerde, koennte ich es nicht glauben.
Aber ich weiss auch noch nicht, ob ich das alles glauben soll. Auf
alle Faelle ist hier ein Nachthemd. Ich habe zwar nur ein Bett,
aber dafuer ein breites, das fuer uns beide genuegend Platz haben
duerfte. Komm' mit, ich muss jetzt Deine ganze Geschichte hoeren
..."
Beatrice war
eine perfekte Zuhoererin. Nicht ein einziges Mal unterbrach sie
die Erzaehlung Marys, die jedes Detail ihrer geheimnisvollen Abenteuer
beschrieb. Wie sie ihn, den Herrn in dieser Londoner Diskothek kennengelernt
hatte, die atemberaubenden Erlebnisse in seinem schottischen Schloss,
die Dienerinnen, der Markt der freiwilligen Sklaven, das merkwuerdige
Institut ihrer sicherlich jetzt erbosten Herrin und wie sie schliesslich
an die bizarren Utensilien gekommen war, das kleine Schloesschen
an ihrem Schoss, zu dem nur er den Schluessel hatte, die silbernen
Kegel auf ihren Brustspitzen, die jetzt durch den Stoff des duennen
Nachthemds schimmerten.
Die ganze Nacht
hindurch hatte Mary erzaehlt, froh darueber, ihre unglaubliche Geschichte
ueberhaupt mit jemandem teilen zu koennen. Jetzt war sie nicht mehr
allein mit ihren Erlebnissen und konnte vielleicht mit der Hilfe
von Beatrice auf die Suche nach ihm, ihrem Herrn gehen.
Das Maedchen
mit den langen schwarzen Haaren hatte die ganze Zeit gebannt zugehoert,
nur ab und zu hatte ein Blitzen in den Augenwinkeln gezeigt, dass
sie in Gedanken voll mit Marys Erzaehlung beschaeftigt war.
"Ich weiss nicht
so recht, wie ich Dich danach fragen soll," begann sie stockend,
"aber ich glaube, dass Du mich verstehen kannst. Wir sind beide
annaehernd gleich gross und haben beide eine aehnliche Figur. Ich
moechte unbedingt einmal fuehlen, wie Du Dich die ganze Zeit gefuehlt
hast. Bitte, bitte ..."
Einen Augenblick
war Mary sprachlos. Hatte sie in Beatrice jemanden gefunden, der
wie sie dachte und fuehlte? Oder war es nur Neugier? Das war leicht
herauszufinden.
"In Ordnung,
aber Du hast es selbst so gewollt ..."
Wie ein Wiesel
schluepfte Beatrice aus dem warmen Bett, lief ins Wohnzimmer und
holte all die Kleidungsstuecke und Riemen, die noch vom Vorabend
dort lagen. Mit leichtem Zittern hob sie das schwere Korsett hoch
und stieg vorsichtig mit nackten Beinen hinein.
Sie hat tatsaechlich
genau meine Figur, dachte Mary anerkennend, eine broncene Haut,
makellos bis zu den Fussspitzen mit grell pinkfarben lackierten
Fuss- und Fingernaegeln.
"Komm, hilf
mir bitte, ich kann das nicht alleine ..."
Langsam ging
Mary auf Beatrice zu, die mit glaenzenden Augen erwartungsvoll vor
ihr stand. Na gut, sie wuerde schon sehen. Zug um Zug zog Mary die
Schnuerung der Corsage enger um den schlanken Koerper, der dadurch
in der Taille enorm zusammengepresst wurde. Beatrice stoehnte nur
unter dem zunehmenden Druck, aber irgendetwas in Mary hatte bereits
Eigendynamik entwickelt. Jetzt war sie am Zug! Zentimeter um Zentimeter
schloss sich die Lederhuelle um Beatrice und schob die festen, grossen
Brueste herausfordernd nach oben. Jetzt schnuerte Mary noch den
rockaehnlich nach unten zulaufenden Teil der Corsage, der der Traegerin
nur noch kleinste Schritte erlaubte.
"Ich fuehle
mich ganz toll, es ist einfach unglaublich schoen ..." aechzte Beatrice
aus ihrer Lederverpackung.
"Wir sind noch
nicht fertig," antwortete Mary und legte ihr das lederne Halskorsett
um, das ueber das Kinn bis zur Nase reichte.
"Muss das denn
sein?" kam Beatrices aengstliche Frage.
"Es muss." lautete
Marys knappe Antwort. Mit einer Handbewegung hatte sie den Knebel
in Beatrices Mund geschoben und die lederne Huelle daruebergezogen,
die jetzt eng zugeschnuert wurde. Als Mary den ledernen Riemen ueber
Beatrices Nase zog und hinten an der Halscorsage verschloss, war
kein Laut mehr zu hoeren. Kerzengerade aufgerichtet stand die bizarre
Gestalt im kleinen Schlafzimmer, als Mary ihr vorsichtig die Latexmaske
ueber den Kopf streifte und hinten zusammenzog. Der Anblick liess
auch Mary einen Moment erschauern: Aus Beatrice war jetzt dasselbe
phantastische Geschoepf geworden, das man aus ihr gemacht hatte.
Die blonde Peruecke vervollstaendigte die faszinierende Verwandlung.
Mit einem Griff um die kaum handbreite Taille zog Mary die unbewegliche
Gestalt mit sich ins Wohnzimmer und passte ihr die hohen Stilettos
an. Selbst die Schuhgroesse stimmte haargenau. Ein leises Klicken
verschloss die Kettchen, die die Schuhe an die Traegerin fesselten.
Mit angehaltenem
Atem betrachtete Mary ihr Werk. Sie ahnte, welchen Eindruck sie
die letzten Wochen auf Betrachter gemacht haben musste, sie fuehlte,
was dieser Anblick fuer sie bedeutete. Ein Gefuehl der Macht, der
uneingeschraenkten Macht, gleichzeitig der Liebe fuer dieses hilflose
Wesen, das auf Gedeih und Verderb seinem Meister, seiner Herrin
ausgeliefert war. Mary beschloss, dieses Gefuehl zu geniessen, es
zu perfektionieren.
"Wir gehen aus,
meine Kleine! Ich will wissen, wo ich meinen Herrn finden kann.
Und Du wirst mich begleiten."
Ohne auf ohnehin
nicht zu erwartende Widerrede zu warten, zog sie Beatrice zurueck
ins Schlafzimmer.
"Da wir, wie
Du richtig bemerkt hast, in dieselben Kleider passen, werde ich
mir eines von Dir ausleihen. Und Dir muessen wir auch noch etwas
drueberziehen. Wegen der Nachbarn ..."
Mit vergnuegtem
Laecheln wuehlte sie in Beatrices Kleiderschraenken, bis sie ein
kurzes graues Lederkleid und ein rotes aus elastischem Stoff gefunden
hatte, das lang genug war, um ueber den unteren Rand der Corsage
zu reichen. Das zog sie der geschnuerten, stummen Beatrice ueber,
einen leichten Mantel dazu und sich selbst das Lederkleid an. Im
Schrank fanden sich ein Paar graue Pumps, im Vergleich zu denen
flach, die Beatrice jetzt nicht mehr ausziehen konnte.
Vorsichtig zog
sie die in kleinen Schritten taenzelnde Beatrice hinter sich her,
Haus- und Autoschluessel in der Hand. Sie wuerde ihren Herrn schon
finden. Und ein passendes Geschenk hatte sie auch schon dabei. Es
wuerde ein schoener Tag werden, da war sie sich ganz sicher ...
Auf der kleinen
Treppe zur Garage spielten die ersten Strahlen der Morgensonne.
Noch war kaum Verkehr in der Strasse vor dem kleinen Haeuschen.
Aber schon bald wuerde die Autokarawane der Pendler darin anschwellen
wie die Arme eines riesigen Polypen.
London erwachte.
Und vielleicht waere der eine oder andere Bewohner des Vorstaedtchens
etwas schneller erwacht, wenn er die beiden seltsamen Gestalten
aus der Naehe gesehen haette. Aber zu so frueher Stunde schauen
selbst die Neugierigsten nicht so genau hin und so verstaute Mary
in aller Ruhe ihre stumme Begleiterin auf dem Beifahrersitz. Da
sie sich nur zu gut daran erinnern konnte, welche Schwierigkeiten
sie selbst einen Tag zuvor mit dem Einsteigen in den Wagen gehabt
hatte, ging es diesmal um so schneller. In kaum einer Minute sass
die unbeweglich laechelnde Beatrice stocksteif und mit eng aneinandergepressten
Knien im Wagen. Eine andere Sitzhaltung liess das lange, rockaehnliche
Korsett gar nicht zu.
Die schwarzen
armlangen Lederhandschuhe bildeten einen faszinierenden Kontrast
zu dem roten, hautengen Kleid, das die Rundungen des eingeschnuerten
Koerpers atemberaubend hervortreten liess. Immer wieder suchten
die grossen Augen das eigene Bild im Schminkspiegel, die laechelndem
Gesichtszuege zwischen der blonden Haarflut, die scheinbar leicht
geoeffneten Lippen. Aus dem geknebelten und verschnuerten Mund drang
nur ein einziges Geraeusch - ein stossweises, aber gleichmaessiges
Atmen.
Mary hatte auf
dem Fahrersitz Platz genommen und den Motor gestartet. Nach einem
kurzen Blick ueber die Schulter setzte sie den Wagen zurueck und
reihte sich in den schon wesentlich staerker fliessenden Verkehr
ein.
"Was suchst
Du denn?" Beatrice hatte muehsam das Handschuhfach geoeffnet und
kramte darin herum. Sie zog ein kleines Notizbuch heraus, kritzelte
einige Worte auf eine Seite und schob es in Marys geoeffnete Hand.
"Was hast Du
mit mir vor?" stand da und gleichzeitig in den grossen Augen, die
aengstlich die laechelnde Latex-Fassade durchbrachen.
"Ich werde ein
wenig Abwechslung in Dein Leben bringen, meine Kleine." Mary war,
als ob diese Stimme nicht aus ihr selbst gesprochen haette. Ein
wenig hatte sie ihr eigener Tonfall an ihn, ihren Herrn erinnert.
Auch sie, ihre zeitweilige Herrin brachte ihre Anweisungen im gleichen,
befehlsgewohnten Ton.
War es vom Sklaven
zum Herrn nur ein solch kleiner Schritt? Genuegte schon das Vorhandensein
eines unterwuerfigen Menschen, um einen anderen zwangslaeufig darueberzustellen?
Mary erschrak ueber die Konsequenz dieses Gedankens und musste sich
angestrengt auf den dichten Verkehr konzentrieren. Ploetzlich kam
ihr die Gegend bekannt vor, sehr bekannt -- irgendwo hier musste
die Strasse abzweigen. Am naechsten Kreisverkehr hatte sie die Richtung
erkannt und sich eingeordnet.
"Sieh' mir in
die Augen, Kleines. Jetzt gibt es kein Zurueck mehr. Hier war ich
vor einer Ewigkeit schon einmal unterwegs in ein neues Leben. Mit
einem Unterschied: ich konnte damals noch umkehren. Du kannst das
nicht ..."
Kaum eine Stunde
spaeter bog Mary in die breite Einfahrt zwischen uralten Baeumen
ein, in der alles begonnen hatte.
Sutmore Close
-- die verwitterte Metalltafel hatte sich in ihrem Gedaechtnis eingebrannt.
Jahrzehnte hatten sie zernagt. Dicke Steinquader, dazwischen ein
schweres, schmiedeeisernes Tor. Darunter Lautsprecher und Klingelknopf
einer modernen Sprechanlage. Mary zoegerte einen kurzen Moment und
drueckte dann umso entschlossener den Knopf.
"Sie wuenschen?"
Der Klang der Stimme war trotz der elektronischen Uebertragung eindeutig
weiblich.
"Guten Tag,
mein Name ist Mary Ralston. Ich habe jemanden mitgebracht."
"Bitte kommen
Sie herein."
Lautlos schwang
das Tor nach rechts und gab einen feingeharkten Kiesweg frei. Zwischen
uralten Eichen das grosse, duestere Anwesen mit breiten, geschwungenem
Aufgang. Sogar im hellen Sonnenlicht wirkte dieses maechtige Gebaeude
bedrohlich, dunkel, unheimlich. Die gewaltige Eingangstuer stand
weit offen.
"Also los, schliesslich
weiss ich auch nicht, was mich erwartet."
Mary fasste
die vorsichtig durch den Kies stoeckelnde Beatrice um die schmale
Taille und ging mit ihr zielstrebig die weit ausladende Freitreppe
hinauf. Der Anblick des Maedchens, das sie am oberen Ende der Treppe
erwartete, ueberraschte Mary schon nicht mehr. Umso staerker musste
die fast aehnlich verpackte Beatrice mit ihrer Ueberraschung zu
kaempfen: das Maedchen war etwa so gross und schlank wie sie selbst,
die Laenge ihrer atemberaubenden Beine noch durch hochhackige schwarze
Schuhe betont. Genau wie sie war das Maedchen in ein bizarres Kleidungsstueck
geschnuert, eine Corsage aus schwarzem Leder, die bis zu den Knien
hinabreichte und sie zwang, sich mit kleinsten Schritten zu bewegen.
Die zerbrechlich wirkende, duenne Taille war so brutal zusammengezogen,
dass die ueppigen Brueste ueber den oberen Rand der Corsage in ausgearbeitete
Koerbchen gepresst wurden. Sie hoben und senkten sich bei jedem
Atemzug. Die Arme steckten in langen schwarzen Handschuhen, die
ihr fast bis an die Schulter reichten. Um den schmalen Hals trug
sie ein staehlernes Halsband, sehr breit und dick, ohne erkennbaren
Verschluss, mit abgerundeten Kanten. Vorne war ein massiver Ring
befestigt. Und die ganze Aufmachung schien ihr auch noch zu gefallen!
Sie laechelte. Mary gab sich einen Ruck.
"Fuehren Sie
mich zu ihm. Sie wissen schon, wen ich meine ..."
Marys Herz pochte,
aber ihrer festen Stimme war nichts von der Erregung anzumerken,
die jetzt immer staerker in ihr hochstieg. Die hohe Eingangshalle,
das gedaempfte Licht, das durch die schweren samtenen Vorhaenge
ins Innere des Raumes fiel, der leise Duft edler Hoelzer und des
lederbespannten Mobiliars, die Masse dieser Deja Vu-Erlebnisse,
diese Realitaet gewordene Erinnerung, an nicht allzulang vergangene
Traeume erzeugte Schwindelgefuehle, liess alle Eindruecke in eine
Wattewand zurueckweichen. Da -- diese Stimme. Mary hielt den Atem
an.
"Ich haette
nicht einmal gehofft, Sie wiederzusehen. Noch dazu in solch bezaubernder
Begleitung. Ich muss sagen, Sie ueberraschen mich ..."
Aus demselben
schweren Ledersessel wie damals hatte sich eine grossgewachsene
Gestalt erhoben, ein Glas in der Hand, den klaren, durchdringenden
Blick direkt auf Marys Augen gerichtet.
"Nachdem Sie
mein ... das Institut von Madame so ueberstuerzt verlassen hatten,
habe ich eigentlich nicht mit ihrer Rueckkehr gerechnet. Das Sie
zurueckgekommen sind, zeigt mir, dass ich vielleicht doch Recht
habe. Nein -- sagen Sie nichts -- noch nicht. Ich denke, es ist
an der Zeit, dass ich einiges erklaere. Nicht alles, dafuer bleibt
noch genuegend Zeit. Und sicherlich ist es nie moeglich, alles restlos
zu erklaeren. Aber doch eines: ich habe Sie damals "verkauft", um
Sie ganz zu besitzen. Das hoert sich absurd an - und ist es vielleicht
auch. Ich dachte, nur dann die endgueltige Treue zu haben, wenn
ich Sie auf die Probe stelle. Auf eine Probe, die ich selbst nicht
bestanden habe. Denn ich gebe zu, dass mich mein Entschluss nicht
nur einmal gereut hat. Obwohl ich Ihnen naeher war, als Sie wissen
koennen. Sie haben mir gezeigt, wie unbedingte Treue sein kann,
Treue, die nichts fordert, aber alles gibt."
Mary stand waehrend
dieser Worte unbeweglich neben Beatrice, die sich sowieso kaum bewegen
konnte. Der Schock dieser ploetzlichen Eroeffnung liess keinen klaren
Gedanken zu. Nicht nur sie hatte sich nach ihm gesehnt, umgekehrt
war es genauso! Das hatte sie waehrend der ganzen Zeit ihrer freiwilligen
Gefangenschaft nicht zu hoffen gewagt, und nun war es tatsaechlich
Wirklichkeit. Unausweichliche Wirklichkeit. Mehr als ein schoener
Traum. Oder weniger - eben einer, der keiner mehr war. Mary wusste
nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Aber vielleicht war das
ganz gut so ...
"Nachdem ich
Ihnen mein wichtigstes Geheimnis offenbart habe, kann ich Ihnen
auch ein weiteres anvertrauen. Bitte haben Sie ein wenig Geduld."
Mit schnellen
Schritten verliess er den Raum durch eine der vielen Tueren. Zwei
der bizarr gekleideten Dienerinnen tauchten wenig spaeter aus einer
anderen Tuer auf und bedeuteten Mary und Beatrice Platz zu nehmen.
Getraenke standen in Kristallkaraffen bereit, aber Mary hatte keinen
Durst und Beatrice keine Chance, welchen zu haben. Doch im selben
Moment hatte sich auch das erledigt, denn die Karaffe lag in tausend
kleine Scherben zersplittert auf dem marmorgetaefelten Fussboden.
Mary hatte sie
umgestossen -- vor Erregung. Die Tuer hatte sich geoeffnet und sie,
die Herrin war eingetreten. Das knappsitzende, glaenzend schwarze
Kleid spannte sich ueber jede Rundung und endete in einem hohen
Kragen. Das Gesicht war unter einer schwarzen Ledermaske verborgen.
Ohnehin wurde es durch die langen blonden Haare fast verdeckt.
"Mein Engagement
im Institut hat dieses Doppelleben notwendig gemacht. Ein wenig
aussergewoehnlich vielleicht, aber ich liebe das Aussergewoehnliche.
Aber das weisst Du ja bereits, meine Kleine."
Mary rang noch
nach Atem, antwortete aber doch mit fester Stimme:
"Ich ... ich
hatte so etwas geahnt. Allerdings kam ich nie dazu, Genaueres zu
vermuten. Dafuer war ich zu beschaeftigt. Aber jetzt ist mir natuerlich
vieles klar."
"Meinst Du?
Aber dann duerfte Dir auch bewusst sein, dass ich Besucher in meinem
Hause so behandle, wie es mir beliebt."
Mit einem Schlag
wurde es dunkel um Mary. Irgendjemand hatte sich ihr unbemerkt von
hinten genaehert und ihr ein schwarzes Tuch ueber den Kopf gezogen.
Gleichzeitig wurden ihre Arme sanft nach hinten gebogen und in eine
Art Handschuh gezwaengt, der nach unten zulief und mit Riemen an
ihren Schultern unverrueckbar befestigt wurde. Wie aus weiter Entfernung
hoerte sie die Stimme ihrer Herrin, die ja auch die Stimme ihres
Herrn war:
"Noch bin ich
nicht ganz zufrieden mit dem, was ich sehe. Aber schon bald wirst
Du -- werdet ihr -- wieder auf dem richtigen Weg sein."
Der "Ueberfall"
hatte Mary voellig ueberrascht. Ueber bemerkenswerte Gegenwehr konnte
sie sich keine Gedanken machen, jedoch registrierten ihre verbliebenen
Sinne, dass sie behutsam, aber bestimmt irgendwohin gefuehrt wurde.
Offensichtlich hatte er etwas gegen allzu forsche Entgegnung --
die Strafe dafuer konnte Mary sich nicht einmal annaehernd vorstellen.
Doch was geschah
mit Beatrice? Immerhin wusste Mary schon einiges ueber ihn, den
Herrn und seine bizarren Moeglichkeiten. Aber Beatrice stand alldem
voellig unvorbereitet gegenueber. Und dafuer war sie allein verantwortlich!
Mary zitterte. Nicht vor Kaelte, sondern vor Angst ueber die Entwicklung,
die sie nicht vorausgesehen hatte. Durch sie war Beatrice in eine
Situation gekommen, die sie vielleicht unterbewusst provoziert,
aber sicher nicht in vollem Umfang geahnt hatte. Sicherlich -- was
Mary ihr in der vergangenen Nacht erzaehlt hatte, entsprach der
bizarren Wahrheit. Und doch war alles womoeglich so unglaublich,
dass Beatrice ihr moeglicherweise nicht geglaubt hatte. Und nun?
Willenlos ausgeliefert, eingezwaengt in ihr Korsett, stumm hinter
einer laechelnden Latexmaske?
Das durfte nicht
sein ...!
Mary versuchte,
ihre Arme aus der engen Verschnuerung freizubekommen. Sofort wurde
der Griff um ihre Taille, der sie bisher durch die Dunkelheit geleitet
hatte, fester. Aus den Anstrengungen Marys wurde ein hilfloses Zucken.
Irgendjemand hatte sich am Reissverschluss ihres Lederkleids zu
schaffen gemacht, zog ihn auf und streifte ihr das Kleid ueber den
Kopf. Die winzigen Stueckchen seidener Unterwaesche hielten ihn
oder sie ebenfalls nicht lange auf -- sie wurden einfach zerschnitten.
Ein kuehler
Lufthauch liess Mary erschauern. Eine Tuer musste sich ploetzlich
geoeffnet haben. Dann -- eine Beruehrung an ihrem Schoss: jemand
pruefte das kleine goldene Schloss an ihren Schamlippen, liess einen
Schluessel einrasten, oeffnete es und verschloss es sofort wieder.
Nur ihr Herr hatte einen Schluessel. Was sollte das alles bedeuten?
Ploetzlich wurde
Marys Kopfbedeckung weggezogen. Die schlagartige Helligkeit blendete
sie fast voellig. Nach langen Sekunden erst konnte sie schemenhaft
eine Gestalt wahrnehmen, die kaum einen Meter neben ihr stand. Doch
im selben Moment, als ihre Augen sich an das Licht gewoehnt hatten,
wurde es wieder dunkel. Fuer einen Augenblick aber hatte sie klar
gesehen: die Gestalt neben ihr war Beatrice!
Sie war genauso
nackt wie Mary selbst. Nur der Kopf wurde von einem mattglaenzenden
Lederhelm umschlossen. Einen aehnlichen hatte man auch ueber Marys
Gesicht gezogen. Sie spuerte jetzt, wie Zug um Zug die hinten angebrachte
Schnuerung zugezogen, das ganze schliesslich mit einem Halsband
gesichert und verschlossen wurde. Doch ein Detail der unwirklichen
Szene hatte sich unausloeschlich in Marys Gedaechtnis eingebrannt:
von ihrem Schoss aus lief eine duenne goldene Kette zu den Schamlippen
von Beatrice.
Marys Herr hatte
offensichtlich keine Zeit verloren. Mit einem kleinen Schloss, dass
nun auch an der Pforte von Beatrice angebracht war, hatte er sie
aneinander gekettet.
Mary wurde in
einen anderen Raum gefuehrt, wahrscheinlich auch Beatrice. Man befreite
ihre Arme aus dem Lederhandschuh und fuehrte sie danach vorsichtig
an etwas Weiches, Kuehles. Da die Beruehrung in Hoehe ihrer Knie
stattfand, vermutete Mary, dass es sich um ein Bett handeln musste.
Mary tat, was man ihr geheissen hatte. Regungslos lag sie eine Weile
auf dem Laken.
Ein ploetzlicher
Schmerz in ihrem Schoss liess Mary unter ihrer Ledermaske aufschreien.
Doch so ploetzlich, wie er gekommen war, liess der Zug an der Kette
des kleinen Schloesschens nach. Mary lag nun fast erstarrt auf der
kalten Satinbettwaesche. Ihre Gedanken arbeiteten fieberhaft --
sie musste herausfinden, in welcher Situation sie war, musste sich
Gewissheit ueber Beatrice verschaffen. Diese Gewissheit konnte nur
knapp einen halben Meter neben ihr liegen ...
Langsam schob
Mary die Hand unter der Bettdecke in die vermutete Richtung. Tatsaechlich
-- unzweifelhaft menschliche Waerme, weiche Haut. Vorsichtig tasteten
sich Marys Finger weiter. Kein Haar mehr am Oberschenkel, aber viele
kleine Huegelchen auf der Haut und ploetzlich -- eine Beruehrung,
eine fremde Hand an Marys Schoss. Auch ihre Nachbarin hatte die
Neugier offensichtlich nicht laenger unter Kontrolle halten koennen
und sich blind und taub auf Erkundung begeben.
Deutlich konnte
Mary ein kleines Schloss und die Verbindungskette fuehlen, waehrend
sich Beatrices Finger bei Mary ueber Schloss und Kette informierten.
Schon die erste Beruehrung hatte Mary einem ersten Hoehepunkt nahegebracht.
Jetzt, da alle Empfindungen auf Haut und Finger beschraenkt waren,
liessen sich die beiden Maedchen in einen Rausch aus Fuehlen und
Tasten treiben, der von phantastischen Hoehepunkten weitergetragen
wurde. Doch irgendwann fluechteten sich die ueberreizten Sinne der
beiden in tranceaehnlichen Schlaf ...
Mary erwachte.
Sie konnte sich nicht erinnern, wodurch sie geweckt worden war.
Sicher war nur, das es kein Geraeusch und kein Licht gewesen sein
konnte: die Ledermaske, die ihr Gesicht immer noch wie eine zweite
Haut umschloss, liess keine Sinneseindruecke dieser Art durch. Also
kam nur eine Beruehrung in Frage. Und so war es auch gewesen: wieder
ein leichtes Ziehen an ihren Schamlippen. Also war auch Beatrice
schon wach? Oder begann schon wieder ein neues Kapitel im Buch des
Unbekannten?
Wie eine Antwort
loeste jemand die Verschnuerung ihres Lederhelms, und nahm die enge
Huelle vorsichtig ab. Mary oeffnete die Augen und sah, dass auch
Beatrice bereits befreit worden war. Beatrice laechelte und hielt
die duenne Kette zwischen den Fingern, die ihren und Marys Schoss
verband.
"Jetzt sind
wir sowas wie siamesische Zwillinge, meinst Du nicht?"
Bevor Mary antworten
konnte, war eine der bizarr geschnuerten Dienerinnen hereingekommen.
Sie legte einige Kleidungsstuecke auf einen kleinen Tisch. Mit ihrem
lederbespannten Finger deutete sie nochmals auf die Sachen und verliess
wortlos den Raum.
"Das scheint
unsere Bekleidung fuer heute zu sein," bemerkte Beatrice. Vorsichtig
verliess sie das Bett und laechelte: "Zum Anziehen wirst Du mitkommen
muessen." Sie deutete auf die Verbindungskette, die kaum einen Meter
Abstand zwischen den beiden Maedchen zuliess.
Trotz der Behinderung
durch die Kette konnten die beiden sich in die engen Corsagen zwaengen,
die mit schmalen Riemen surch den Schritt am Hochrutschen gehindert
wurdern Mary zog den letzten Riemen behutsam zwischen Beatrices
Beinen hindurch. Leise stoehnte Beatrice auf, als Marys Finger ihre
Schamlippen beruehrten. Ohne die duenne Kette und das Schloesschen
einzuklemmen, schnallte Mary das Ende das Riemens am hintern Korsettrand
fest. Kurze Kleider aus schwarzem Satin zogen sie sich schneller
als die Korsetts ueber und komplettierten das Ganze mit schwarzen
Pumps, die wiederum mit duennen Goldkettchen um die schlanken Fesseln
gehalten wurden. Das schmale goldene Band zwischen den beiden war
lang genug, um aus den Rocksaeumen herauszuwippen.
Jemand hatte
perfekt vorgeplant. Auf dem eleganten Tisch vor einem praechtigen
Spiegel warteten gleich zwei gepolsterte Stuehle und saemtliche
ueblichen Schminkutensilien.
"Was es damit
wohl auf sich hat?" Beatrice hatte ein Kaestchen entdeckt und geoeffnet.
Darin lagen duenne, etwa handgrosse Stuecke aus durchsichtigem Latex.
Sie sollte es gleich erfahren ...
Zwei der Gehilfinnen
des Hausherrn betraten den Raum. Sie traten hinter die beiden Maedchen
vor dem Spiegel, eine oeffnete das Kaestchen, das Beatrice gerade
zurueckgestellt hatte und entnahm ihm zwei duenne Latexhaeutchen.
Mit geuebten Handgriffen strich sie eine Fluessigkeit auf beide
Stuecke und reichte eines davon ihrer Kollegin.
Fast synchron
wurden Marys und Beatrices Lippen versiegelt - der Klebstoff heftete
die Latexfilme sofort auf die Haut, sanft strichen die beiden Dienerinnen
letzte Faeltchen glatt. Schliesslich wurden beide Gesichter mit
Makeup ueberzogen und mit Puder bestaeubt. Das Ergebnis war wieder
einmal verblueffend: ueber dem nicht mehr sichtbaren Mund leuchteten
die geschminkten Augen der beiden Maedchen noch ausdrucksvoller.
"Ich denke,
Sie sind jetzt in der richtigen Stimmung -- und richtig gekleidet
-- um mich auf eine kurze Besorgung zu begleiten."
Unbemerkt war
der Hausherr selbst eingetreten. Ohne eine weitere Entgegnung abzuwarten,
die schwerlich moeglich gewesen waere, nahm er Beatrice an der Hand.
Mary stand zwangslaeufig mit auf und folgte in kurzem Abstand. Der
Wagen wartete bereits mit laufendem Motor auf dem Kiesweg vor dem
Haus, allerdings ohne Chauffeur.
Der Hausherr
geleitete die beiden auf die hintere Ledersitzbank und nahm dann
selbst am Steuer der schweren Limousine.
"Ich werde im
Institut erwartet. Heute kommt spezieller Besuch. Und ausserdem
muss noch einiges vorbereitet werden -- fuer die Abloesung ..."
Die weitere
Fahrt verlief schweigend. Als Mary in einiger Entfernung das Tor
des grossen Institutsparks sehen konnte, bremste der Wagen ploetzlich,
bog in eine Seitenstrasse und hielt an.
"Darf ich bitten,
meine Damen. Die letzten Meter werden wir zu Fuss gehen und, ausnahmsweise,
den Dienstboteneingang benutzen. Ich moechte, zumindest fuer die
Angestellten, mein Inkognito noch eine Weile bewahren."
Meinte er das
wirklich ernst? Es blieben bis zur Pforte noch mindestens fuenfhundert
Meter, die Strasse davor war zwar nicht sehr stark befahren, trotzdem
konnte jeden Moment ein Auto oder gar ein Fussgaenger entgegenkommen.
Das war diesem Herrn offenbar einerlei. Er hielt bereits die Wagentuer
auf und so hatten die beiden Maedchen keine andere Wahl, als vorsichtig
auf die Beine zu kommen und mit kleinen Schrittchen hinter ihm her
zu trippeln. Er betrachtete die Muehen seiner stummen Begleiterinnen
mit sichtlichem Vergnuegen; die enggeschnuerten Taillen und zwischen
den beiden Schoenen ein dezent in der Sonne funkelndes Band, das
sich unter den kurzen Saeumen der engen Roecke herausschlaengelte:
die duenne Goldkette. Dass nur ihm der wahre Ursprung bekannt war,
amuesierte ihn, erfuellte ihn mit einer Art Stolz, der aber nicht
auf Besitz gruendete. Er wusste, dass er Mary mit ihrem immer noch
unbeugsamen Charakter nie voellig besitzen konnte. Aber er sah bereits
Moeglichkeiten, sie anders an sich zu binden, dauerhafter als Ketten
und Fesseln dies vermochten. Und Beatrice?
Die drei erreichten
die hohe Mauer des Instituts fast ohne Zwischenfall. Nur ein Fahrzeug
war ihnen begegnet: der Fahrer hatte sichtlich Sekunden benoetigt,
um zu realisieren, was er da auf der einsamen Landstrasse gesehen
hatte. Er kam fast von der Strasse ab, allerdings eine geraume Strecke
weiter und kehrte dann nicht um.
Das grosse Tor
zum Park blieb jedoch verschlossen. Mary und Beatrice wurden durch
eine versteckte Pforte gefuehrt, die auf der Laengsseite der Mauer
ploetzlich sichtbar wurde.
Der "Dienstboteneingang"
des Instituts war zwischen hohen Baeumen und dichtem Bewuchs voellig
versteckt, man konnte ungesehen von der Mauer bis zum Gebaeude selbst
gelangen. Die Eingangstuer oeffnete sich, als er seine Handflaeche
auf eine metallisch schimmernde Platte am Tuerrahmen legte.
"Sie beide werden
jetzt einen Moment hier warten. Es dauert wirklich nicht lange ..."
Er hatte bereits
die goldene Kette zwischen den beiden Maedchen ergriffen und sie
behutsam nach hinten geschoben, an eine Marmorwand die als einzige
Erhebung einen kleinen goldenen Haken aufwies, durch den er die
Kette fuehrte. Mit einer schnellen Bewegung zauberte er ein Schloss
aus der Tasche und fixierte damit die Kette am Haken.
"Das wird ihre
Neugier daempfen. Auf bald, meine Damen."
Kaum war er
gegangen, hielten sich die beiden stummen Maedchen umarmt. Allein
die Vorstellung, auf dem glatten Marmorboden mit den spitzen Absaetzen
auszurutschen, brachte diese zaertliche Pose zustande. Denn die
Kette, die mit kleinen Schloesschen befestigt, die Schamlippen der
beiden Maedchen verband und jetzt durch den Wandhaken lief, reichte
nicht bis zum Boden ...
Mary und Beatrice
mussten tatsaechlich nicht lange warten. Nach einigen Minuten, die
Mary und Beatrice allerdings wie Stunden erschienen, oeffnete sich
die Tuer des angrenzenden Raumes und Sie erschien, ihre Herrin.
Ihr Kleid spannte sich ueber jede Rundung und endete in einem hohen
Kragen. Das Gesicht war wie immer unter einer schwarzen Ledermaske
verborgen, die nur Augen und Mund freiliess. Er hatte sich wieder
verwandelt, war in sein zweites Ich geschluepft, respektive geschnuert
worden: die unverkennbar weibliche Figur liess daran keinen Zweifel.
Also musste neben seinen dominanten Zuegen auch das genaue Gegenteil
vorhanden sein -- genau dieselbe faszinierend gegensaetzliche Kombination,
die Mary bereits an sich selbst festgestellt hatte. War es das,
was ihn fuer Mary so ueberaus attraktiv machte?
"Wie ich sehe,
haben Sie es sich in der Zwischenzeit bequem gemacht. Das ist gut
so, denn ich denke, es wird jetzt etwas unbequemer werden." Selbst
die Tonlage seiner Stimme hatte sich verwandelt, klang weicher,
melodischer -- ohne den herrischen Unterton einzubuessen. "Sie"
war bis ins kleinste Detail sein zweites Ich. Wobei die Psychologie
fuer diesen willentlich herbeigefuehrten, zeitweiligen Persoenlichkeitssprung
wohl noch keinen Begriff gepraegt hatte ...
"Ich darf Sie
jetzt bitten, mich zu begleiten. Wir haben wichtigen Besuch zu begruessen."
Sie/Er oeffnete
das Schloss am Wandhaken und liess die duenne Kette zaertlich ueber
den Finger gleiten. Die Rocksaeume der beiden Maedchen hoben sich
bei dieser Bewegung leicht, die Pupillen weiteten sich einen Moment.
"Folgen Sie
mir." Mehr war nicht zu sagen. Die harten Geraeusche der Metallabsaetze
uebertoenten jedes weitere Geraeusch. Die Schatten des bizarren
Trios an den Marmorwaenden des hellerleuchteten Flurs flatterten
von Lichtquelle zu Lichtquelle. Am Ende oeffnete sich der Gang zur
glaesernen Eingangshalle.
Das Personal
war versammelt. Zur gleichen Sekunde standen Mary und Beatrice wie
angewurzelt. Im Raum zwischen der ovalen Empfangsinsel und dem Eingangsportal
war kein Platz mehr. Ordentlich aufgereiht, wie Glieder auf einer
Kette, warteten dort die Angestellten des Hauses. Es war absolut
unmoeglich, einen vom anderen zu unterscheiden: Jedes der Maedchen
war in ein bizarres Kleidungsstueck geschnuert, eine Art Corsage
aus schwarzem Leder, die bis zu den Knien hinabreichte und sie zwang,
sich mit kleinsten Schritten zu bewegen. Die zerbrechlich duennen
Taillen waren brutal zusammengezogen. Die Arme der Maedchen steckten
in langen schwarzen Handschuhen, die ihnen fast bis an die Schulter
reichten und an Halskorsetts befestigt waren. Alle Dienerinnen laechelten.
Mary wusste weshalb: alle trugen eine fleischfarbene Latexmaske,
die ein laechelndes Gesicht zeigte, taeuschend echt, nur die Augen
verrieten Leben. Ein geteilter Riemen ueber Kopf und Nase hielt
den darunter fixierten Ballknebel an seinem Platz. Die langen blonden
Haare der Peruecken glaenzten mit der Sonne um die Wette.
Es mussten ueber
fuenfzig dieser stummen Dienerinnen sein. Nur einen einzigen Unterschied
konnte Mary erkennen: bei ungefaehr einem Drittel der Maedchen reichte
die Corsage bis zur Nase, bei den uebrigen lagen die Brueste zur
Haelfte frei, ueber den oberen Rand der Corsage in ausgearbeitete
Koerbchen gepresst. Sie hoben und senkten sich bei jedem Atemzug.
Auch schien dieser Teil der fantastischen Dienerschaft durchweg
kleiner, obwohl die steilen Stilettoabsaetzeder schwarzen Pumps
eigentlich alle auf beachtliche Groesse brachten.
"Guten Tag,
meine Damen." Die Herrin war auf ein bereitgestelltes Podest getreten.
"Ich habe heute die bewusste Nachrichtenkombination fuer Sie --
eine schlechte und eine gute. Die schlechte zuerst. Eine Mitarbeiterin
ist durch Nachlaessigkeit unangenehm aufgefallen. Und das ist, wie
Sie wissen, einer der Punkte, die in meinem Institut auf keinen
Fall geduldet werden. Da es sich zwar um ein grosses, aber doch
erstes Vergehen handelt, habe ich nur eine weniger empfindliche
Strafe vorgesehen. Sie wird sofort vollzogen: Caroline!"
Eines der Maedchen
war mit winzigen Schritten aus den unbewegten Reihen hervorgetreten.
Zwei weitere, fast identische Gestalten loesten sich und traten
hinter die erste.
"Nehmt ihr die
Maske ab!"
Langsam wurden
die Riemen geloest, die blonde Peruecke abgenommen. Dann folgte
die hintere Verschnuerung der Latexmaske und die Halscorsage, die
bei der "Verurteilten" direkt in die weitere Bekleidung ueberging.
Doch die restliche Schnuerung blieb gerade soweit verzurrt, dass
die Maske abgezogen werden konnte. Marys Ahnungen bestaetigten sich:
als die Latexmaske fiel, kam darunter ein verschwitztes Gesicht
mit Kurzhaarfrisur hervor -- zweifellos ein junger, im Moment nicht
sehr gutaussehender Mann. Der Ballknebel in seinem Mund verzerrte
die Gesichtszuege unvorteilhaft.
Seine Augen
waren vor Schreck weit aufgerissen, als eine der Dienerinnen mit
einer pistolenfoermigen Apparatur auf ihn zutrat. Eine weitere hatte
eine kleine, fahrbare Plattform herbeigerollt, aus der eine stabile
Stahlstange emporragte, die an verschiedenen Stellen mit Riemen
versehen war. Der Delinquent wurde auf die Plattform gestellt und
festgeschnallt, an den Beinen, der geschnuerten Taille, den Armen
und Haenden, am Hals und zuletzt mit einem breiten Band um die Stirn.
Bewegungslos aufgerichtet erwartete er sein Schicksal, das er offensichtlich
zu kennen schien. Die Herrin deutete auf den Festgeschnallten:
"Wie Sie wissen,
wird fuer jede Verfehlung ein Ring am Koerper befestigt. Als staendige,
anfangs recht schmerzhafte Erinnerung und Mahnung. Caroline wird
den ersten in der Nase tragen ..."
Dann ging alles
sehr schnell. Aus dem Mund des Geknebelten war nur ein unterdruecktes
Stoehnen zu hoeren, als die Dienerin den technisch blinkenden Apparat
wieder absetzte und einen glaenzenden Goldring durch die Nase des
jungen Mannes zog, der ohne sichtbare Fugen einrastete.
"Bringt sie
jetzt wieder in Ordnung. Den naechsten Ring werden wir an einer
weit unangenehmeren Stelle anbringen. Doch nun zu den guten Nachrichten.
Meine anderweitigen Verpflichtungen haben mir nahegelegt, die Leitung
des Instituts abzugeben. Das wird fuer den einen oder anderen zunaechst
kein Grund zur Freude sein, doch ich warne sie -- meine Nachfolgerin
ist mindestens genauso unerbittlich, wenn es um Disziplin und Gehorsam
geht. Mary, darf ich Dich zu mir bitten?"
Wie durch einen
dichten Nebel hatte Mary zugehoert. Noch gelang es der Realitaet
nicht, ihren innersten Wunsch als erfuellt zu betrachten.
"Diese, im Moment
noch stumme junge Dame, habe ich ausserdem zu meiner Lebensgefaehrtin
erwaehlt. Ich darf Sie alle bitten, ihr den erforderlichen Respekt
zu erweisen. Und nun zu Ihnen, Beatrice. Fuer Sie habe ich mir etwas
ganz besonderes ausgedacht. Sie werden meine, vielmehr unsere Geschichte
aufschreiben ..."
Beatrice spuerte
eine seltsame Erregung, als sie diese Worte vernahm -- es war fast
wie damals, als sie und Mary sich gegenseitig von Hoehepunkt zu
Hoehepunkt jagten.
Nun hob die
Herrin mit strahlendem Laecheln die Hand, in der ein kleiner, goldener
Schluessel blinkte:
"Dieser Schluessel,
meine liebe Mary dieser goldene Schluessel wird das Zeichen Deines
Schicksals sein -- aber erst will ich Dich von Beatrice befreien
..."
Sie trat vor
Beatrice und befahl:
"Oeffne die
Schenkel!"
Beatrice nahm
willig die Beine auseinander. Die Herrin winkte einer Dienerin,
die das goldene Schloss an der Scham von Beatrice oeffnete und die
Kette herauszog. Die Herrin nahm das Schloss, den Schluessel und
das freie Kettenende in Empfang. Sie stellte sich vor Mary hin und
sah ihr fest in die Augen. Alle Anwesenden spuerten die Feierlichkeit
und den Ernst dieses Moments, das Aussergewohnliche, das sich zur
sexuellen Erregung steigerte.
Und da geschah
das Unerhoerte: die Herrin, die zugleich ein Herr war, kniete vor
Mary! Das hatte noch nie jemand zuvor gesehen. Ohne einen Befehl
abzuwarten, oeffnete Mary ihre Schenkel. Die Haende des Herrn glitten
unter ihren Rock, suchten und fanden das Schloss. Es wurde geoeffnet
und die Kette herausgezogen. Mary fuehlte sich einem Hoehepunkt
nahe, als sie spuerte, dass die Finger an ihren Schamlippen das
Schloss nicht entfernten, sondern wieder schlossen. Die goldene
Kette, die Mary so intensiv mit Beatrice verbunden hatte, glitt
achtlos zu Boden.
Die Herrin richtete
sich wieder auf. Ihr Gesicht war von tiefem Ernst, aber auch von
grosser Zufriedenheit gezeichnet. In ihrer Hand lag der kleine goldene
Schluessel.
"Hier, Mary,
ueberreiche ich Dir den Schluessel. Es wird von nun an in Deiner
Hand liegen, wie Du ihn benuetzt. Er wird Dein weiteres Leben bestimmen,
und meines auch. Oeffne und schliesse das Schloss zu Deinen Sehnsuechten
und Leidenschaften -- aber auch zu Deinen verborgenen Energien."
Mary nahm den
Schluessel. Traenen glitzerten in ihren Augen. Der Beifall im Saal,
allerdings ohne die ansonsten ueblichen begeisterten Pfiffe, dauerte
minutenlang.
Alles weitere
ist schnell erzaehlt: Mary entwickelte sich tatsaechlich zu einer
aeusserst faehigen Leiterin des Instituts, waehrend die Herrin /
der Herr seine phantastischen Ideen ueberall auf der Welt in die
Wirklichkeit umsetzte.
Und ich, Beatrice
Bertrand, die diese Geschichte aufgeschrieben hat, ich bin fast
immer dabei. Ein kleines Tonbandgeraet hilft mir sehr, die woertlichen
Passagen aufzuzeichnen, denn die engen Lederhandschuhe hindern doch
beim Mitschreiben. Sogar beim Uebertragen der Manuskripte laesst
man mich nicht aus dem Korsett, das meine Taille um die Haelfte
reduziert und nur stossweises Atmen zulaesst. Freilich nur durch
die Nase, denn mein Mund ist mit einem Ballknebel fest verschlossen.
Meine einzige Moeglichkeit, mich verstaendlich zu machen, ist ein
Blatt Papier. Aber auch das gelangt niemals unzensiert an die Oeffentlichkeit.
Mary, meine Herrin liest jedes Wort. Vielleicht habe ich dann die
Moeglichkeit, eine Botschaft zwischen den Zeilen zu verstecken.
Ich muss dabei sehr vorsichtig sein: ein Wort zuviel und ich habe
nicht die geringste Chance, dem naechsten Ring irgendwo an meinem
Koerper zu entgehen ...
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E N D E
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